G 8 bedeutet Ganztagsschule

- Schulleiter schätzen Folgen des achtjährigen Gymnasiums ab

Landkreis - Aus den Schulen im Landkreis kommen unterschiedliche Reaktion auf die angekündigte Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G 8). Während in Haar Abwarten das Gebot der Stunde lautet, pocht Kirchheims Schulleiter Richard Rühl auf das Schaffen "günstiger Rahmenbedingungen". Ulrich Hauner fürchtet um das Profil des Garchinger Werner-Heisenberg-Gymnasiums sowie die Motivation seiner Lehrer. Am weitesten geht Rudolf Berg vom Carl-Orff-Gymnasium Unterschleißheim: Er sieht als Konsequenz der Reform sein Gymnasium auf dem Weg zur Ganztags-Schule.

"Wir haben uns seit der Regierungserklärung im November vorbereitet", sagt Berg. Nach dem derzeit aktuellen Informationsstand werde in Zukunft "die halbe Schülerschaft an drei Tagen pro Woche nachmittags an der Schule sein". Die notwendigen baulichen Voraussetzungen wie Mensa und Aufenthaltsräume werden wohl weder Kommunen noch Land finanzieren. Berg plant deshalb Bundesmittel anzuzapfen. "Der Bund stellt Bayern jährlich 150 Millionen Euro für Ganztags-Schulen zur Verfügung." In Unterschleißheim erarbeitet man derzeit ein pädagogisches und finanzielles Konzept, um wenn möglich noch dieses Jahr einen aussichtsreichen Antrag abgeben zu können (wir berichteten). Auf zwei bis drei Millionen Euro schätzt Rudolf Berg den Finanzbedarf. Dem Schulleiter fehlen eigentlich nur noch die Stundentafeln, die darüber Aufschluss geben, wie viele Wochenstunden welches Fach gelehrt wird, sowie die Lehrerstundenzahl.

In Kirchheim wird auf Grundlage der neuen Voraussetzungen die Planung des Erweiterungsbaus geändert werden. Die "zentrale Größe" ist nach Rühls Meinung die Lehrerstundenzahl. Nur wenn man die nötigen Kapazitäten bekomme, sei ein vertiefender Unterricht am Nachmittag, der in kleineren Gruppen abgehalten werden soll, möglich.

Ulrich Hauner, Leiter des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Garching, sieht den Vorhang der Reform fallen und fast alle Fragen offen. An seiner Schule sei eine Vielzahl von Projekten im Gange, deren Zukunft im Rahmen eines achtjährigen Gymnasiums unklar ist. Tutoren, das Partnerschafts-Projekt Comenius mit einer französi- Wahlunterricht und Projekte in Gefahr schen und polnischen Schule, Wahlunterricht und viele andere Dinge, die schon jetzt nachmittags durchgezogen werden, seien in Gefahr. Wenn der obligatorische Nachmittagsunterricht kommt, seien diese Angebote, zusammen genommen ein Schulprofil, nicht einfach zu erhalten. Lediglich, wenn die Lehrpläne genug Freiraum lassen, worauf Hauner derzeit allenfalls zu hoffen wagt, könne sich die "G 8 zu einem ähnlich qualitätvollen Gymnasium entwickeln, wie es die G 9 war".

Einig sind sich die Schulleiter darin, dass das Kultusministerium so schnell wie möglich Informationen herausgeben muss. "Wir haben wenig Fakten", kritisiert Hauner. dak

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drama an S-Bahn-Gleisen: 15-Jähriger wird von Zug erfasst - Freunde müssen alles mitansehen
Drama an S-Bahn-Gleisen: 15-Jähriger wird von Zug erfasst - Freunde müssen alles mitansehen

Kommentare