Vom Bedürfnis, das unmittelbare Lebensumfeld abgebildet zu sehen

- Merkur-Verleger Dirk Ippen referiert bei Pullacher Seniorenunion

Pullach - Derjenige, um den es eigentlich ging, saß in vielfältiger Art im Publikum - der Leser. "Er ist in Wahrheit unser Diktator, denn er muss uns nicht lesen", stellte Dirk Ippen klar. Eine tägliche Herausforderung für die Zeitungsredaktionen also, und so warb der Verleger und Herausgeber des Münchner Merkur einerseits um Verständnis für die Macher, forderte von ihnen andererseits aber auch Wahrhaftigkeit und die Orientierung an den Bedürfnissen des Konsumenten. Die Mitglieder und Gäste der Seniorenunion Pullach, vor denen der Medienexperte am Montagabend im Sportheim an der Gistlstraße sprach, hörten es gerne - und stiegen nach dem Vortrag in eine leidenschaftliche Diskussion ein.

Von Gutenberg bis Internet, von FAZ bis tz - Dirk Ippen spannte einen Bogen von den Anfängen der Zeitung bis hin zur heutigen Medienlandschaft und den Herausforderungen für die Zukunft. Im Blickfeld natürlich auch den Münchner Merkur, den sein Herausgeber als Stimme für Oberbayern und ein Medium sieht, das wie kein anderes Bayern mit Herz und Verstand unterstützt. "Wir erreichen täglich rund eine Million Leser", unterstrich der Verleger die Stärken seines Blattes. Die Krise der Zeitungsbranche werde im Übrigen maßlos übertrieben, viele Probleme seien von den Verlagen hausgemacht. "Man muss einfach weniger ausgeben, als man einnimmt", bemerkte er trocken.

Jede Zeitung sei auf ihr Erscheinungsumfeld zugeschnitten. Wie, was und in welchem Umfang sie berichte, müsse jede Redaktion für sich erarbeiten. "Das kann man als Verleger nicht vorgeben", sagte Dirk Ippen. Die wahrheitsgemäße Berichterstattung dürfe darunter allerdings nicht leiden, genau wie die Pressefreiheit ein zu schützendes Gut sei. "Ein Land, wo es die Pressefreiheit nicht gibt, ist ein unglückliches Land", so der 63-Jährige.

Die Pressefreiheit und Fragen zur Berichterstattung, zur Struktur und zur Verantwortung der Zeitung waren dann auch Gegenstand der anschließenden Diskussion. Das Stichwort zu Ippens Schlusswort gab Volker Lenz, Vorsitzender der Pullacher Seniorenunion. Er interessierte sich für das künftige Alleinstellungsmerkmal des Münchner Merkur. "Wir werden eines Tages zum Mars fliegen können", philosophierte der Verleger, "aber irgendwo sind wir zuhause. Das Bedürfnis wird bleiben, das Lebensumfeld abgebildet zu sehen."

Stephen Hank

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