"Bei Tempo 160 ist Schluss": Mutter gibt die Regeln vor

- VON SOPHIA HEYLAND Ottobrunn - Mit dem Auto einkaufen fahren findet Irma Gruber aus Ottobrunn seit neuestem "richtig entspannend" - und das aus gutem Grund: Den schwarzen BMW X 3 lenkt nämlich ihr Sohn Florian. Ruhig und gelassen reiht er sich in die Autoschlange auf der Rosenheimer Landstraße ein, erspäht eine Schrägparkbucht, blinkt, biegt ab und dreht den Zündschlüssel um. Alles kein Problem für den jungen Auszubildenden - und das, obwohl er noch acht Monate auf seinen 18. Geburtstag warten muss.<BR>

<P>Florian Gruber hat sich für "Begleitetes Fahren mit 17" entschieden und ist seither hellauf begeistert. Meistens holt ihn seine Mutter abends bei BMW in Trudering - wo er im September eine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen hat - ab, rutscht auf den Beifahrersitz und überlässt ihm zur Rückfahrt das Lenkrad. Florian fährt an - mit Automatik geht`s erst recht kinderleicht. "Eigentlich ärgert mich das aber", sagt er. Im Mazda der Fahrschule Hubalek in Ottobrunn, wo er seine Stunden genommen hat, gab es eine Gangschaltung. Eine Hand ruhte also Einjährige Übungsphase bereitet besser auf kritische Situationen vor immer auf dem Schaltknüppel. Heute greift Florian das Lenkrad lässig mit rechts, die linke Hand lässt er baumeln. "Richtig angespannt bin ich eigentlich nur noch beim Einparken." Ansonsten will er jetzt "einfach noch sicherer werden".<P>Diesen Wunsch teilt er nicht nur mit Mutter Irma und Vater Heinz, die ihn bei seinen Fahrten begleiten, sondern auch mit den Politikern. Schließlich sind unter den 18- bis 24-jährigen Fahranfängern, die acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, etwa 23 Prozent der Verkehrstoten zu beklagen. Mit dem Modellprojekt "Begleitetes Fahren", das in Bayern vor gut vier Monaten angelaufen ist, sollen die Fahranfänger in der einjährigen Übungsphase ausreichend Praxiserfahrung sammeln, um mit 18 Jahren besser auf kritische Situationen im Straßenverkehr reagieren zu können.<P>Große Überzeugungsarbeit war bei Florian aber gar nicht nötig. "Als ich im Radio gehört habe, dass ,Fahren mit 17` vielleicht auch in Bayern eingeführt wird, habe ich meinen Eltern sofort gesagt, dass ich das unbedingt machen möchte", erinnert er sich. Dafür hat er sogar die Hälfte der Führerscheinkosten aus eigener Tasche bestritten. "Das wollte er sich nicht nehmen lassen", erzählt seine Mutter, die den Modellversuch "allen Jugendlichen und deren Eltern nur ans Herz legen kann".<P>Angespannt sei sie anfangs natürlich schon gewesen, heute - nachdem Florian in zwei Monaten stolze 1000 Kilometer zurückgelegt hat - verspürt sie dies aber nur noch auf der Autobahn. "Bei 160 ist Schluss", lautet die Regel. Unter diesen "eingeschränkten Bedingungen" findet Florian Autobahn-Fahren allerdings "langweilig". Zur Oma nach Ingolstadt benutzt der erklärte Autofan deshalb lieber die Landstraße. Kurven, Ampeln, Ortschaften: Da kann er richtig üben. Nur wenn`s mit der Familie zum Skifahren geht, wird das Autofahren zum kurzen Vergnügen. Österreich hat den Modellversuch nämlich noch nicht eingeführt. "An der Grenze muss ich dann immer umsteigen. Eigentlich lohnt sich`s dann fast gar nicht", sagt Florian, grinst und dreht den Zündschlüssel um. Weiter geht`s im Straßenverkehr. Die Einkaufsliste seiner Mutter ist schließlich noch lang.<P>

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