1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis

"Berg schützt die Nachbargemeinden"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

Schäftlarn/Berg - In einem Interview nimmt der Berger Bürgermeister Rupert Monn Stellung zu dem Schäftlarner Widerstand gegen Windkraft.

-Herr Monn, haben Sie damit gerechnet, dass das Projekt so viel Gegenwind hervorruft?

Ich habe grundsätzlich Verständnis, dass die Bürger aufbegehren. Es geht aber nicht darum, ob Windräder gebaut werden, sondern wo sie gebaut werden. Denn Windkraftanlagen werden vom Gesetzgeber privilegiert und sind auf dem Vormarsch. Die Gemeinden Icking und Schäftlarn müssten froh sein, dass wir den Flächennutzungsplan geändert haben.

-Inwiefern?

Wir haben jetzt einen Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung festgelegt. Der Gesetzgeber schreibt deutlich niedrigere Abstände vor. Ohne die Änderung könnten Antragsteller Windräder viel näher an die Wohngebiete bauen. Mit unserem Beschluss schützen wir somit nicht nur unsere eigenen Wohngebiete, sondern auch die der Nachbargemeinden.

-Die Anlagen sollen am äußersten Rand des Berger Gemeindegebietes stehen. Gehen Sie nach dem Floriansprinzip vor?

Das ist definitiv nicht der Fall. Der Landkreis Starnberg stellt einen gemeinsamen Flächennutzungsplan auf. Damit gelten im gesamten Landkreis die gleichen Kriterien für Windkraftanlagen. Ohne diese Festlegungen könnten Windräder deutlich näher an Wohngebiete heranrücken.

-Viele Nachbarn fühlen sich überrumpelt. Warum drücken Sie beim Thema Windkraft so aufs Tempo?

Wir sind unter Zugzwang. Uns liegt ein privater Antrag für eine Windanlage in Aufkirchen vor, die nur 300 Meter von der Bebauung entfernt ist. Wenn wir den Flächennutzungsplan nicht ändern, wäre das möglich. Daher müssen wir handeln.

-Und warum sollen die Windräder im Norden und nicht weiter im eigenen Gemeindegebiet stehen?

Den Standort zu verlegen oder gar in die Mitte des Gemeindegebiets zu gehen, funktioniert nicht. Das wäre als ob man eine Windkraftanlage am Marienplatz aufstellen wollte. Es geht darum, die Bevölkerung zu schützen und auch dem Arten- und Landschaftsschutz Rechnung zu tragen. Das Waldgebiet ist weit genug weg von Wohnbebauung und vom Naturschutz her nicht so wertvoll.

-Die Gegner befürchten aber Schall, Lärm und Schlagschatten und sorgen sich um die Natur. Ist das alles zu vernachlässigen?

Nein, es wird zum einen eine umfangreiche Untersuchung zum Natur- und Artenschutz geben. Dabei werden etwa die Flugrouten von Fledermäusen untersucht. Außerdem werden auch die Belange des Orts- und Landschaftsbildes berücksichtigt.

-Ist die Gemeinde Berg nicht der große Gewinner einer Windkraftanlage auf Kosten der Nachbarn?

Dass die Gemeinde einen Reibach auf Kosten der Nachbarn macht, ist absurd. Natürlich wird es auch Erlöse geben. Mir ist aber wichtig, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Deshalb wollen wir eine eigene Gesellschaft gründen. Und wir werden auch eine Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung schaffen. (flu)

Auch interessant

Kommentare