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Anstehen für eine Widmung: In Neubiberg hält die 32-Jährige einen Motivationsvortrag und präsentiert ihr Buch.

Extremsportlerin Gela Allmann (32) aus Grasbrunn

Ihr harter Kampf zurück ins Leben

Ein kleiner Schritt, eine Zehntelsekunde nicht aufgepasst, und das Leben ist nicht mehr, wie es war. Am 3. April 2014 stürzt Gela Allmann bei Fotoaufnahmen für Skimode in Island 800 Meter in die Tiefe. Ihre lange Reise zurück ins Leben schildert die Bergsportlerin bei ihrem Motivationsvortrag in Neubiberg.

Grasbrunn/Neubiberg„Jetzt ist es vorbei. Ich hab’ gedacht, ich muss sterben“, erinnert sich die in Grasbrunn lebende Leistungssportlerin, TV-Moderatorin, Redakteurin und als Model arbeitende Allmann an die dramatischen Minuten vor mehr als zwei Jahren. Knapp 150 Zuhörer sind ins Haus für Weiterbildung in Neubiberg gekommen. Claudia Hagel, die Leiterin der Gemeindebibliothek, hat den Abend organisiert, gemeinsam mit der Volkshochschule und der Buchhandlung Lentner. Die Zuhörer lernen eine junge Frau kennen, die trotz ihres schweren Schicksals nicht vor Selbstmitleid zerfließt, sondern selbstbewusst und optimistisch neue Ziele anpeilt, sich mit unbändigem Willen zurück ins Leben kämpft.

„Ein heller Geist in einem Matschkörper“

„Es war ein traumhaft schöner Tag, die Sonne schien, der Schnee glitzerte. Eigentlich waren wir mit den Fotoaufnahmen für neue Ski-Anzüge fertig. Nur noch ein letztes Foto sollte es sein. Ich war nicht mehr voll konzentriert, machte einen Schritt rückwärts, rutschte aus“, erzählt Allmann.

Dieser unnötige Schritt war einer zu viel. 800 Meter stürzte sie vom Rand eines Berges direkt an einem isländischen Fjord in die Tiefe. Sie überschlug sich mehrfach, blieb schließlich auf einem kleinen Absatz liegen, sonst wäre sie möglicherweise in den Fluten des Meeres gelandet. „Ich hatte Glück, sehr viel Glück bei diesem dramatischen Unfall. Ich verlor nicht mein Bewusstsein, schlug nicht mit meinem Kopf irgendwo an“, berichtet Allmann. Sofort fühlt sich der Zuhörer an das Schicksal von Michael Schumacher erinnert. Oder an andere Bergunfälle dieser Art, die meist tödlich enden. „Ich lebte noch, bekam alles mit. Ein heller Geist in einem Matschkörper“, sagt die 32-Jährige.

Die Ärzte hatten anfangs wenig Hoffnung

Mit dem Hubschrauber wurde sie in eine Klinik in Island geflogen und neun Stunden operiert. Beide Beine waren zertrümmert, Brüche, gerissene Sehnen, die linke Schulter kaputt. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung, dachten daran, das rechte Bein und den linken Arm zu amputieren. Soweit kam es nicht. Aber es folgten mehrere Aufenthalte in verschiedenen Krankenhäusern, ein Leben im Rollstuhl, Reha-Maßnahmen.

Aber Allmann kämpfte. „Ich war vom Erfolg verwöhnt, lebte auf der Überholspur. Das war nun vorbei. Keinen Sport mehr treiben, die Modelkarriere am Ende. Ich konnte und wollte das nicht glauben.“ Sie fand ihren eigenen Weg, mit diesem Schicksal fertig zu werden. „Ich hatte plötzlich viel Zeit zum Nachdenken, über mein Leben, über mich. Zeit, die ich nie hatte, die ich mir nie nahm. Es gab ja auch keine Notwendigkeit.“

Sie schrieb ihre Gedanken auf, erst mühsam, weil sie nur einen Finger der rechten Hand bewegen konnte, aber dann ging es immer besser. „Ich tat das für mich, verarbeitete dadurch das Geschehene.“ Das Ergebnis ist nun in gedruckter Form nachzulesen, in dem kürzlich erschienen Buch „Sturz in die Tiefe“.

„Ich war alleine schuld.“

Viel hat sie gelernt, über sich und das Verhalten der Menschen. „Wir neigen dazu, anderen die Verantwortung und die Schuld zu geben. Ein Fehler. Wer das macht, kommt aus einer Endlosschleife nicht mehr heraus, findet keine Lösung. Ich war alleine schuld. Nicht der Fotograf. Ich habe den unglückseligen Schritt gemacht. Nicht die Opferrolle einnehmen“, sagt Allmann. Sich kleine Ziele stecken, Widerstände überwinden mit Leidenschaft, Willenskraft und Optimismus.

Zwölf Wochen nach dem Unfall hatte sie erste Erfolgserlebnisse. Sie konnte wieder erste Schritte machen, mit Schienen und Krücken. „Ich habe gelernt, diese kleinen Schritte im Leben zu schätzen.“ Noch immer leidet sie unter den Folgen des Unfalls. Ihr rechtes Bein, vor allem das Kniegelenk, ist noch nicht wieder voll funktionsfähig. Es werden noch Operationen notwendig sein, vielleicht wird ihr ein künstliches Kniegelenk eingesetzt.

Ihr Traum wäre es, wieder Leistungssport betreiben zu können im Bereich Ski-Touring. „Aber das liegt in weiter Ferne, wenn es überhaupt möglich sein wird.“ Immerhin kann sie schon wieder Skifahren und in die Berge gehen. Zum Schluss gibt es noch einen Tipp, den sie ebenfalls beherzt: „Egal, was passiert, nicht das Lachen verlernen. Wer weiterkommen will, muss die Komfortzone verlassen und Grenzen überwinden.“

Von Siggi Niedergesäß

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