Der Biber darf seine Burgen bauen

Aschheim - Die Isarauen sind der ideale Lebensraum für den Biber. Problematisch wird es dann, wenn die Tiere ihre Burgen an Dämmen und Deichen bauen und deren Standfestigkeit gefährden - so wie derzeit am Zubringer zum „Mittlere-Isar-Kanal“ am Teichgut Birkenhof in Aschheim.

Michael Wagner, Biberbeauftragter im Landratsamt, stapft durch den frisch gefallenen Schnee. Linkerhand fließt der Zubringer vom „Mittlere-Isar-Kanal“ zum Teichgut Birkenhof, rechts liegt unberührte Auenlandschaft, verpachtet an den Bayerischen Naturschutzfonds.

„Da“, ruft Wagner und zeigt auf kleine Spuren im Schnee. Sie führen vom verschneiten Damm steil hinab ins Wasser. „Hier ist der Biber heute Nacht gerutscht.“ Zuvor habe er sich noch „erleichtert“. „Sehen Sie die roten Sprenkel im Schnee?“, fragt Wagner und lacht.

Er und ein Vertreter von Eon Wasserkraft, das ihre Kraftwerke mit Wasser aus dem „Mittlere-Isar-Kanal“ betreibt, haben zum Pressetermin geladen. Denn gerade zu dieser Jahreszeit - wenn die Biber ihre mit Schlamm und Schlick abgedichteten „Winterburgen“ beziehen und bequem und sicher zu ihren Futterplätzen gelangen wollen - können sich Mensch und Tier gelegentlich in die Quere kommen.

Nach europäischem Recht (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) und laut Bundesnaturschutzgesetz ist der Biber streng geschützt. Das bedeutet: Auch im Landkreis München, wo er seit den 1990er Jahren wieder heimisch ist, gilt die Verpflichtung, den Biber sowie seine Ruhe- und Fortpflanzungsstätten zu schützen. Biberburgen oder -dämme zu beschädigen oder zu zerstören, ist verboten.

Was aber tun, wenn der Biber vom Menschen errichtete Dämme ganz oder teilweise untergräbt und somit deren Standfestigkeit gefährdet? Am Teichgut in Aschheim ist der Zubringer-Damm zwar nicht öffentlich zugänglich, doch einmal im Jahr ist Gehölzpflege angesagt, und dafür ist schweres Gerät erforderlich.

Das Problem: In Ufernähe hat eine Biberfamilie ihre „Winterburg“ mit Unterwasser-Zugang gebaut - und zugleich den Damm halbseitig unterhöhlt. „Fahrzeuge mit mehr als fünf Tonnen Gewicht laufen deshalb Gefahr, auf dem Damm einzubrechen“, erläutert Bauleiter Karl Heckerl, der die Maßnahme betreut.

Die Lösung: Auf 16 Metern wird der Weg nun umgeleitet, runter vom Damm, durch natürliches Gelände, und dann wieder rauf. Über eine Feinschicht aus Kies legen Heckerl und seine Mitarbeiter Stahlmatten als „Durchgrabungsschutz“. Darüber wird Frostschutzkies geschüttet, um den Weg befahrbar zu machen. Das Ganze sei für Eon „keine große Investition, und der Biberschutz bleibt gewahrt“, erläutert Gerold Lang, der Eon in Umweltfragen berät. Und Biberbeauftragter Wagner ergänzt: „Das Konzept ist ein gutes Vorbild für andere.“

Oft werde von der Bevölkerung ja gewünscht, „mehr Biber zu entnehmen, sprich zu töten“, sagt Wagner. „Dabei ist das im bayerischen Bibermanagement nur ,ultima ratio’“. Vielmehr limitiere sich der Biber selbst. Schließlich beansprucht eine Familie (zwei Alt- und zumeist zwei Jungtiere) einen Lebensraum über eine Gewässerlänge von einem bis sieben Kilometer, je nach Nahrungsangebot. Diese Reviere werden aggressiv gegen andere Biber verteidigt.

Eine weitere große Gefahr ist der Verkehr, etwa auf der B 471 in Oberschleißheim. Wagner: „Hier haben wir in den vergangenen drei Jahren fünf bis sechs Biber verloren.“

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