Finstere Mienen: Der Biber ist und bleibt ein Konfliktthema. Der Stellvertreter des Landrats, Ernst Weidenbusch (Mitte), bat Landwirte, Naturschützer und Vertreter der Gemeinde Ismaning zu einem Bibergipfel. Fotos: dieter Michalek

Biber nagt an den Nerven

Ismaning - Ismaning - Um den Dialog unter den zerstrittenen Kontrahenten zu fördern, beruft der Stellvertreter des Landrats einen Bibergipfel ein

Der Bibergipfel von Ismaning hat - wie erwartet - kein Ergebnis gebracht. Dennoch war die Aussprache ein Erfolg: Die Kontrahenten reden wieder miteinander.

Weil die Biber-Population ständig wächst, liegen die Gemeinde Ismaning und örtliche Landwirte mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Freising im Streit (wir berichteten). Ernst Weidenbusch (CSU), der Stellvertreter des Landrats, hatte einen Ortstermin angesetzt, bei dem die Thematik von allen Seiten beleuchtet werden sollte. Weidenbusch betonte, dass die Erkenntnisse als Entscheidungsgrundlage für Landrat Christoph Göbel (CSU) dienen sollen.

In der Biber-Frage prallen unterschiedliche Interessen aufeinander - etwa die Landwirtschaft und der Naturschutz. Weidenbusch wollte erreichen, dass gemeinsam sachlich und lösungsorientiert gearbeitet wird. Alle Seiten stellten am Mittwochabend fest, dass der Bibergipfel ein erster Schritt war, der Hoffnung macht.

Diskutiert wurde an der Bruckmairstraße, an einer mittlerweile verfüllten Stelle eines zwei Meter tiefen Loches. Die Straße ist für alle gesperrt - vom Fußgänger bis zum Traktor. Ulrich Hilberer, Umweltreferent der Gemeinde Ismaning, erklärte, dass an dieser Stelle vor 25 Jahren das erste Biberrevier im Landkreis München entstand. Weidenbusch machte deutlich, dass das Verbot für Reiter ihn wenig interessiere: „Reiten kann man überall, aber Biber brauchen genau diesen Lebensraum.“

Wenn im Frühjahr die Landwirte den Weg zwingend benötigen, wird die Sache schwieriger. Die Diskussion ergab, dass eine Entnahme der Biber eine sehr kurzfristige Lösung ist - weil sehr schnell neue Tiere nachkommen. Weidenbusch erinnerte an einen Fall in Dachau: „Der Landkreis hat 164 Biber entnommen, und 130 davon an einer einzigen Stelle bei einer gefährdeten Kreuzung.“ Die Bruckmairstraße steht aber nur symbolisch für sechs Brennpunkte mit insgesamt 70 Bibern. Deshalb wurde als erster Schritt beschlossen, dass Gemeinde, Landwirte und Landratsamt gemeinsam an einer Karte der Problembereiche arbeiten. Dann soll nach Lösungen gesucht werden - zum Beispiel für die untergrabene Senderstraße, die auch der Schulbus nutzt.

Der Landtagsabgeordnete und Ismaninger Landwirt Nikolaus Kraus gab zu bedenken, dass auch andere Tierarten gefährdet werden: „Im Schörgenbach hat der Biber den Wasserspiegel so sehr abgesenkt, dass dort 14 Fischarten gestorben sind.“ Landwirt Hans Lupperger erklärte, dass im Gemeindegebiet Ismaning rund 10 000 Bäume angenagt wurden.

All das nimmt Weidenbusch mit. Nach Jahren des Konflikts möchte er nun Lösungen angehen. Deshalb gab er dann auch allen Beteiligten eine nicht ganz einfache Hausaufgabe mit: „Versetzen Sie sich in die andere Seite und überlegen dann, wie Lösungen aussehen können, damit möglichst viele Biber überleben können.“

nb

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