Billig, billiger, am billigsten: Reduzieren bis zum bitteren Ende

- Der Einzelhandel lässt die Preise zum WSV nochmal purzeln

VON JANINA FEYEL Landkreis - Seit gestern sind die Schnäppchenjäger wieder auf der Pirsch: Der Winterschlussverkauf hat begonnen. Doch auch der gute, alte WSV ist nicht mehr das, was er mal war. Schon vor Weihnachten lockte der Handel mit Preisnachlässen, im Januar wurde munter weiterreduziert, und nun sollen noch weitere Rabatte drin sein?

"Wir haben bereits im Vorfeld um 30 Prozent reduziert, jetzt geben wir nochmal 5 Prozent Preisnachlass. Das ist insgesammt mehr Rabatt als letztes Jahr", erzählt Klaus Rossdam über seinen mode treff in Grünwald. Er hat diesen Winter weniger Umsatz gemacht als letztes Jahr, schließlich "war das Wetter wenig winterlich und die Kundschaft durch die Konjunkturflaute nicht mehr so finanzstark". Trotzdem ist er optimistisch, dass er auch die restliche Winterware noch an den Mann bringt.

Das pessimistische Gerede der Regierung macht auch Monika Wagner vom Ottobrunner Kindermodengeschäft Benny Bunny für ihre Finanznöte verantwortlich: "Der Euro, die Unsicherheit und das immer günstigere Einkaufsangebot in der Innenstadt haben dazu geführt, dass meine Existenz auf Messers Schneide steht!" Sie hofft auf einen guten Winterschlussverkauf, um ihre Rechnungen bezahlen zu können, und hat jetzt nochmal kräftig reduziert. Um 50 Prozent billiger handelt sie ihre Waren nun, letztes Jahr waren es noch 40 Prozent.

Auch Marion Anzinger bekommt die Konsequenzen der leeren Geldbeutel in ihrem Pullacher Second-Hand-Laden Pfiffikus zu spüren. "Second Hand lebt von Markenware, doch Marken sind beim Kleidungskauf heute nicht mehr so wichtig, der Kunde kauft lieber billige No-name-Kleidung." Einen Sinneswandel beim Käufer erwartet sie auch im jetzigen Winterschlussverkauf nicht, "reduziert habe ich trotzdem noch ein bisschen mehr als üblich."

Die Macht des Begriffes

Eine positive Stimme gibt es aber doch. Petra Müller vom Dessousladen Uschi Roth im Ottobrunner Isarcenter fand gestern beim Aufsperren gleich den ersten lauernden Schnäppchenjäger vor ihrer Ladentür. " Wir haben im Vorfeld des WSV unsere Preise kaum gesenkt, seit gestern haben wir 20 bis 50 Prozent Rabatt auf viele Produkte." Das ist nicht mehr und nicht weniger als im Vorjahr, denn "schließlich muss sich das Ganze noch rechnen!" Gerechnet hat sich für den Laden auch das Jahr 2002. Durch Service, Kundenfreundlichkeit und Anpassungsfähigkeit kann sie mit den Kaufhäusern der Innenstadt konkurrieren. "Die Leute schauen sehr aufs Geld, teure Unterwäsche wird nur noch selten gekauft."

Konjunkturflaute hin oder her, trotz aller Rabatte im Vorfeld zeigte sich schon gestern: Das Wort Winterschlussverkauf ist immer noch ein Kundenmagnet.

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