Beifall und Bravorufe: Das Publikum im Pullacher Bürgerhaus bedankte sich bei den Blasmusikern für deren Vielfalt. Das Frühjahrskonzert war eine musikalische Reise durch Stile und Epochen. Foto: robert Brouczek

Blasmusik, überraschend anders

Pullach - Die Pullacher Blasmusik begeistert das Publikum im Bürgerhaus mit einem vielseitigen Programm durch alle Gattungen

Trotz der Osterferien war das Bürgerhaus beim Frühjahrskonzert der Pullacher Blasmusik überfüllt, mit einer Auslese quer durch die Gattungen entsprach Dirigent Sigi Sterr den Erwartungen voll und ganz. Launig führten Mitglieder des Orchesters durch das Programm, das festlich mit Sätzen aus den drei Suiten von Händels „Wassermusik“ begann, wo Holz- und Blechbläser, sämtlich vom preußischen Gesandten in London in einem Brief genannt, die Streicher mitunter übertönten. Berthold Schwarz, einer der Musiker der Pullacher Blasmusik, hatte das Original geschickt arrangiert. Als Weißbier statt des Champagners der Philharmoniker war das in der Barock-Musik enthaltene bayerische Element angekündigt worden. Da antworteten den Blechbläsern Holzbläser und Saxophonisten. Mit gestoßenem Klang spielten Blechbläser Gigue und Hornpipe, mit blühendem das Air. Dass wiederum die bayerische Sicht mit der gesamtdeutschen eine Einheit bildet, ließ sich beim Applaus für den Hit zur Fußballweltmeisterschaft 2014 mit dem Titel „Auf uns“ erkennen.

Als farbiges Potpourri wirkte das Lied „A Night Like This“ der Pop-Sängerin Caro Emerald. Doch auch dem Anspruch der „Symphonischen Suite“ aus Teil I von „The Lord Of The Rings“ genügte die Blaskapelle mit geheimnisvollem, unwirklichem Klang, gefolgt von effektvoller Dramatik, aus der ein versöhnliches Motiv wieder herausführte.

Dass Märsche - Lebenselixier auch von Blasmusik-Liebhabern - mitunter eine Huldigung darstellen, zeigte der Konzertmarsch „Mars der Medici“. Johan Wichers, als Autodidakt zum „Marschkönig der Niederlande“ geworden, widmete ihn 1938 Klinik-Ärzten zum Dank für seine Genesung. Detailfreudig gestalteten die Musiker auch dieses fröhliche Stück mit seinem melodiösen Trio. Blechbläser stellten das sangliche Thema vor, bis die Klarinetten mit einer zweiten Melodie hervortraten.

Zurück zur Heimat fand die Blaskapelle bei Haindlings Musik zur Fernsehserie „Irgendwie und Sowieso“, eines der von Sterr arrangierten Stücke, und mutierte beim Jazz-Oldtimer „Sweet Georgia Brown“ zur Bigband. Als Sterr auch noch Louis Armstrong imitierte und mit rauchiger Stimme sang, schäumte der Beifall über. Originell war auch der Auftritt der weiblichen Orchestermitglieder, mit einer Sonnenblume in Händen, als Hippies nach dem Motto „Make love, not war“. Folgten doch Stücke aus dem Musical „Hair“. Hier gefiel etwa auch „Aquarius“ als wundersame Melodik. Beifall und Bravorufe für die in so vielen Stilen erfahrenen Musiker wollten nicht enden.

Arno Preiser

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