Böllerschützen erleichtert: Zehn Meter Sicherheitsabstand reichen

- Kirchheim - Mit fröhlichem Böllerschießen wurde vielerorts, beispielsweise in Ottendichl, das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt. Auch künftig müssen die Schützen im Landkreis, speziell in Kirchheim, nicht um diese Tradition fürchten. Das sah für die Schützengesellschaft Kirchheim lange anders aus. Mit großem Presseecho hatte Hans S. seit 2003 mit einer Klage versucht, seine Tinnitus-Erkrankung als Knalltrauma in Zusammenhang mit dem Salutschießen von 13 Schützen am 10. Mai 2003 zu Ehren des neuen Schützenkönigs Helmut Greim im Kirchheimer Goldachweg zu begründen und Schadenersatz zu bekommen (wir berichteten).<BR>

<P>Aufregende Monate folgten für 1. Schützenmeister Günter Dietz. Sogar eine Anzeige gegen ihn persönlich wegen Körperverletzung musste er erdulden. Sie wurde aber sofort eingestellt. Auch beim Landgericht unterlag der heute 60-jährige Kläger Hans S. Er zog vor das Oberlandesgericht - und schließlich seine Klage zurück. Weil er gesundheitlich das Verfahren nicht mehr durchstehe, sagt der Kläger. Von "zweieinhalb Jahren Wahnsinn", der das Leben seines Mandanten stark verändert habe, spricht sein Anwalt Rasso Graber aus Aschheim. Lebensfreude sei aufgrund der gewaltigen Belastung verloren gegangen.<P>Das mag sein, betont Dietz. Nur daran seien die Schützen sicher nicht schuld. Denn: Der Grund für die Klagerücknahme sei ja wohl vielmehr das Gutachten, dass das Oberlandesgericht in Auftrag gegeben hatte. Dieses beweise, dass das Böllerschießen eben nicht zum Tinnitus führen konnte. Deshalb wehre man sich eindringlich dagegen, dass der Kläger es dennoch nach wie vor so aussehen lasse, "als habe er durch uns für immer Schaden genommen". Das sei mitnichten so.<P>In Anwalt Rasso Grabers Augen ist das Gutachten ohne ein gesondertes medizinisches Gutachten allerdings nicht aussagekräftig: Die Ergebnisse lägen ja nur knapp unter den Grenzwerten.<P>Von wegen, betonen die Schützen. Sie sehen in dem Gutachten einen eindeutigen Freispruch, eine Vorlage, die künftig "in ähnlich gelagerten Fällen" herangezogen werden könnte, wie der Bayerische Schützenbund zufrieden betont. In der aktuellen Bayerischen Schützenzeitung verweist daher Schützenbund-Geschäftsführerin Beate Marschall auch ausdrücklich auf das in Augen der Böllerschützen so bahnbrechende, wichtige Gutachten.<P>Anwalt betont extreme Belastung des Klägers <P>Der Gutachter vom Akustikbüro "Schartzenberger + Burkhart" in Pöcking hatte bei der Umsetzung der nachträglichen schalltechnischen Probeschießens in der Reihenhaussiedlung herausgearbeitet, dass die 13 Böllerschützen auch bei ungünstigem Einfallswinkel zum Kläger höchstens einen Lärmpegel von unter 110 Dezibel erreichen hätten können. Ein Knalltrauma mit dauerhafter Gehörschädigung (Tinnitus) aber entstehe erst bei einer Intensität von mehr als 150 Dezibel. Selbst bei einem Abstand von nur sechs Meter würde dieser Knallpegel aber nicht erreicht.<P>"Mit dem von der Regierung von Oberbayern schon seit Jahren beauflagten Abstand von zehn Metern sind wir also immer auf der sicheren Seite", freut sich Schützenmeister Dietz.<P>A. Ganssmüller-Maluche<P>

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