Hier sollten Asylbewerber lieber bolzen als wohnen. Meinen Anwohner. Sie sind für eine bessere Unterbringung von Flüchtlingen, halten den Bolzplatz in Neukeferloh aber für keinen geeigneten Standort. Im Gegensatz zur Gemeinderatsmehrheit. Fotos: bauer

Bolzplatz Neukeferloh ist möglicher Standort für Asylbewerberheim

Grasbrunn - Zuhörersitzplätze waren ein Privileg, und die letzten Bürger kamen nicht einmal mehr zur Tür herein in den Sitzungssaal zur Gemeinderatsdebatte über die Unterbringung von Asylbewerbern. Sie erlebten, wie der Gemeinderat mit 11:9 Stimmen festlegte, dass der Bolzplatz im Technopark Neukeferloh sowie Flächen in Grasbrunn und an der Hauptstraße in Harthausen für die Unterbringung herangezogen werden.

Die Gegenstimmen kamen nach einer langen Diskussion von den BFG, FWG und einem Teil der CSU. Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) hatte ausführlich „die sich immer weiter zuspitzende Asylthematik im Landkreis“ erklärt, für die bisher keine Flächen der Gemeinde Grasbrunn genutzt werden. Der aktuell mit Notcontainern genutzte Parkplatz der Kfz-Zulassungsstelle ist ein Grundstück des Landkreises München. Nun sollte die Qualität der Unterbringung verbessert und die Grasbrunner Quote von 75 Asylbewerbern erreicht werden. Die Gemeinde stand deshalb laut Korneder vor der Frage, die nächsten Schritte des Landkreises abzuwarten oder selbst aktiv die Situation zu gestalten.

Der Gemeinderat hatte sich für Letztres entschieden und einen Arbeitskreis gebildet, der die Asylbewerber über die verschiedenen Gemeindebereiche dezentral aufteilen wollte. Korneder machte auch deutlich, dass bewusst die zunächst genannten 30 Standorte erst intern diskutiert worden seien: „Die Gemeinderäte konnten so die Standorte losgelöst von den Anwohnern diskutieren. Dabei sollte auch Streit zwischen den Anwohnern der Standorte vermieden werden.“ Für die Öffentlichkeit hat er eine Informationsveranstaltung am 17. September im Bürgerhaus Neukeferloh anberaumt.

Karena Brotback, die Vertreterin des Landratsamtes, bereitete den Gemeinderat darauf vor, dass im nächsten Jahr wohl über 100 Flüchtlinge unterzubringen sind. „Ab nächster Woche beginnt nicht der Weltfrieden.“ Korneder möchte in allen Ortsteilen insgesamt 90 Plätze schaffen, die Quote damit übertreffen. „Und dann können wir gelassen weiter diskutieren.“

Max Walleitner (Grüne) bereitete seine Kollegen darauf vor, dass mit der Grundsatzentscheidung dauerhafte Einrichtungen geschaffen werden. Deshalb regte Paul König (CSU) an, das Wesentliche ins Auge zu fassen: „Wir sollten die Standorte diskutieren und erst später, ob wir aus Holz oder Marmor bauen.“ Bei der Standortdebatte kam der Gemeinderat dann auf den Bolzplatz am Technopark, um dessen Erhalt die Anlieger kämpfen (wir berichteten). Johannes Seitner (FWG) kritisierte, dass mit dem Bolzplatz eine Begegnungsstätte zwischen einheimischen Jugendlichen und Asylbewerbern wegfallen würde. Bürgermeister Korneder fragte, was wichtiger sei: „Eine Begegnungsstätte im Sommer oder überhaupt ein Dach über dem Kopf?“

Thomas Michalka (BFG) wollte die Debatte einbremsen und beantragte, dass der Gemeinderat nur einen Grundsatzbeschluss über dezentrale Unterbringung fassen solle und erst später über konkrete Standorte diskutieren. Er befürchtete falsche Weichenstellungen. Julia Blanck (SPD) erwiderte, dass viele Bürger schnell Lösungen erwarten und der Gemeinderat konkret Standorte beschließen müsse. Blanck, Bürgermeister Korneder und Ursula Schmidt (CSU) kritisierten, dass Michalka im Arbeitskreis nicht so eifrig an der Diskussion teilgenommen habe wie nun im Gemeinderat vor vielen Bürgern als Zuhörer. Paul König betonte, dass die Gemeinde mit drei konkreten Vorschlägen in die Infoveranstaltung für die Bürger gehen müsse „anstatt an 30 Orten Flugblätter zu verteilen“. nb

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