Wohnraum schaffen: Der Kreis denkt über ein Bonusprogramm nach. Symbolfoto: dpa

Ein Bonusprogramm

Landkreis - Kreis denkt über Wohnungsbau nach

Landkreis - Es sei eine Idee in seinem Kopf, sagt Landrat Christoph Göbel, angesprochen auf die Pläne. Aber offensichtlich ist es viel mehr als das. Tausende neue Wohnungen sollen bis zum Jahr 2030 im Landkreis München entstehen. „Bonusprogramm“ nennt Landrat Christoph Göbel (CSU) das Projekt, mit dem Kreis und Kommunen dem Siedlungsdruck begegnen wollen. Und das preiswerten Wohnraum schaffen soll für Einheimische und anerkannte Asylbewerber gleichermaßen.

Offensichtlich ist es mehr als eine Idee. Denn Göbel führt bereits Gespräche mit Bürgermeistern und möglichen Bauträgern. Und er hat eine Überzeugung, der er folgt: „Man muss jetzt perspektivisch denken“, sagt er. Es reicht nicht mehr aus, Flüchtlinge zu verwalten, mal in dieser, mal in jener Notunterkunft kurzfristig einzuquartieren. Viele von ihnen werden bleiben, als anerkannte Asylbewerber auf den freien Wohnungsmarkt strömen - und dort auf Einheimische treffen, die ebenfalls auf der Suche sind nach einer günstigen Bleibe. Was droht, sind eine Neiddebatte und Gefahr für den sozialen Frieden. Beides will Göbel vermeiden.

Das „Bonusprogramm“ richtet sich an anerkannte Asylbewerber ebenso wie an junge Familien, Alleinerziehende und an Rentner, deren Witwenpension nicht genügt, um eine marktübliche Miete zu bezahlen. „Also an alle, die zu viel Geld haben, um eine Sozialwohnung bezahlt zu bekommen, aber zu wenig, um auf dem freien Mietmarkt bestehen zu können“, sagt Göbel. Für realistisch hält er einen Mietpreis von zehn Euro pro Quadratmeter. Denkt bei diesem Betrag aber nicht nur an die Mieter.

Es geht gleichermaßen darum, wie der Landkreis und seine 29 Kommunen die Wohnraum-Offensive finanzieren können. Die Kreisräte werden heute im Sozialausschuss über verschiedene Modelle diskutieren (Kasten). In jedem Fall aber unerlässlich ist, dass die Grundstücke der jeweiligen Kommune oder dem Landkreis gehören, oder von ihm gekauft werden. Denn nur dann ist die Finanzierung der Wohnungen über Kredite möglich. Wobei Göbel durchaus auf öffentliche Zuschüsse hofft.

Wie ein Projekt des Bonusprogramms laufen könnte, lässt sich derzeit in Putzbrunn beobachten: An der Parkstraße gehört dem Landkreis ein etwa 36 000 Quadratmeter großes Areal. Auf einem Teil davon steht seit zwei Jahren eine Asylbewerberunterkunft mit 60 Plätzen. Der Rest der Fläche soll bebaut werden für genau jene Zielgruppen, die Göbel im Auge hat. Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde. Sie hat sich den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München zur Seite geholt. Die Planer erarbeiten derzeit das Konzept. Entstehen werden voraussichtlich 50 bis 70 Wohnungen unterschiedlichster Größe. Ziel sei es, noch in diesem Jahr einen Entwurf des Bebauungsplans vorzulegen, heißt es beim Planungsverband. Wer letztlich der Bauherr sein wird, ist im Moment offen.

Ansprechpartner für die Bauherrenschaft in Putzbrunn und anderswo sind für Göbel kommunale Baugesellschaften wie die „Baugesellschaft München-Land“, aber auch Genossenschaften wie die „AWOhnbau Genossenschaft“, die sich für günstigen Wohnraum engagieren will, und an der Privatleute, Körperschaften oder Kommunen Anteile erwerben können.

Sozialgerechte Bodennutzung ist, was der Landrat anstrebt. Was Göbel ablehnt, ist eine Ghettoisierung der Menschen, der Asylbeweber wie der sozial Schwächeren gleichermaßen. Die „soziale Durchmischung“ der Orte, des Landkreises insgesamt, ist in seinen Augen unerlässlich. Dazu gehört, dass die neuen Wohnungen so konzipiert werden, dass der Landkreis seine Charakteristik nicht verliert. Die neuen Wohnungen sollen sich in die Bausubstanz jeder einzelnen Kommune einfügen. „Wir wollen keine neuen Ängste schüren“, sagt Göbel, „der Landkreis wird Landkreis bleiben.“

Ilsabe Weinfurtner

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