Brauchtum gibt dem Leben Sinn

Sauerlach - Römastoana Sauerlach feiern 110-jähriges Gründungsfest

Sauerlach - Ein Wochenende im Zeichen der Miesbacher Tracht: D’Römastoana feierten das 110. Gründungsfest und ganz Sauerlach feierte mit. Ein „griabiges“ Fest sollte es werden. Das ist den Trachtlern gelungen. Zu Gast waren 19 Vereine mit etwa 1000 Aktiven.

Seit etwa anderthalb Jahren liefen die Vorbereitungen für das Gründungsfest, erzählt Römastoana-Vorstand Thomas Deyerer (61) am Rande. Auf dem Festprogramm standen Gaujugendtag und Heimatabend am Samstag, Festgottesdienst und großer Umzug am Sonntag. Zwischendrin gab es immer wieder gesellige Events, etwa die Ehrentänze der Jugend. Herz der Feierlichkeiten war die Mehrzweckhalle. „Es war bisher ein so schönes Wochenende“, schwärmte Deyerer nach dem Gottesdienst. Solch ein Fest als Vorsitzender mitzuerleben, das sei für ihn das Schönste.

Die Ankunft des Kirchenzugs am Postanger bot ein prächtiges Bild. Vertreter aller 19 Vereine hatten sich gesammelt, waren von der Mehrzweckhalle über die Kirchstraße her marschiert. Darunter die Grünwalder D’Isartaler, D’Geißtentaler aus Oberhaching und auch die Otterfinger Teufelsgraber. Den Festgottesdienst unter freiem Himmel hielt Heiliger Rat Pfarrer Lorenz Poschenrieder, Leiter des Pfarrverbands St. Michael/Arget, St. Andreas/Sauerlach und der Kuratie St. Margareth/Altkirchen. In seiner Predigt würdigte der Pfarrer die Bedeutung des Traditionsfestes für Gemeinde und Gemeinschaft. Er lobte das Bemühen um Brauchtum und Heimatverbundenheit, das die Trachtenvereine hegten. Dies präge das gesellschaftliche Leben. Es seien gerade die religiösen Bräuche, die die Menschen bereicherten und dem Leben einen Sinn gäben. Als Beispiele nannte er Wallfahrten und das St. Anna-Fest. „Die Trachten sind Bereicherung und geben all dem festlichen Glanz“, lobte Poschenrieder. Und mit einem Augenzwinkern zum Himmel sagte er dann: „Wir danken Petrus, dass er die schwarze Wolke endlich fortgeschickt hat.“

Regen wäre in der Tat eine Katastrophe, bestätigte Elke Maier (47), die schon seit mehr als 30 Jahren eine Römastoana ist. Natürlich trägt sie Tracht. Gut 5000 Euro kostet ein so edles Stück, je nach Stoff und Zierrat. Ihr Schalk, so der Name des Gewands der verheirateten Frau, ist aufwendig verziert, das Dekolleté zieren Blumen. Auf dem Kopf trägt sie einen kostbaren Hut, bestickt mit echt goldenen Fäden. Gut fünf Kilo Stoff trägt sie mit sich herum. „Da ist das Wetter heute perfekt, nicht zu warm und ganz wichtig: vor allem trocken“, lacht sie herzlich. Seit 1986 ist sie auch Mitglied der Theatergruppe des Vereins, führt dort häufig Regie. Wie heuer, bei der „Silberhochzeit“, so der Name des Stücks.

Rund 240 Mitglieder im Alter von acht bis über 90 Jahren gehören zu den Römastoana. Der Name geht auf einen Römerstein in Lanzenhaar zurück, der an eine alte Römerstraße erinnert. Beim großen Festumzug am Sonntagnachmittag waren die meisten von ihnen dabei. Schon tags zuvor, beim Heimatabend, ging es rund. „Ich bin noch immer ganz begeistert“, lobte Kreisrätin Ulrike Beck, selbst in fescher Tracht dabei. Freilich hätten sich die Römastoana hier mehr Zuschauer gewünscht. Und dennoch: „Richtig griabig ist’s gewesen“, sagte Beck.

Kathrin Kohnke

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