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Kennt die Ismaninger Geschichte: Anton Weber, Brauchtumswart beim Trachtenverein "Stamm".

Anton Weber, Brauchtumswart vom Trachtenverein "Stamm" hält Vortrag in Ismaning

Ein Mann, ein Hof, ein Name

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Ismaning  - Straßennamen wurden erst um 1950 in Ismaning eingeführt. Davor hatten die Anwesen nur Nummern und vor allem Hofnamen. Diese Geschichte des alten Ismaning erforscht seit mehr als zehn Jahren Anton Weber (72), der Brauchtumswart des Ismaninger Trachtenvereins „Stamm“.

Mit mehr als 100, zumeist alteingesessenen Ismaningern plauderte Weber über viele Geschichten der damaligen Zeit. Und in einem Vortrag erklärte er die Hintergründe zu den Häusern und ihren Hausnummern. Weber hat über die Jahre einen Ordner angelegt, voll mit Informationen über die Ismaninger Hofnamen zwischen den Jahren 1808 und 1950. Seine Erzählung begann mit der Nummer eins für einen Josef Munding im Jahr 1808 und danach folgten viele Geschichten, wie der Volksmund Name und Tätigkeit der Personen miteinander verbindet. So besteht etwa der Hofname „Kurbi Kramer“ aus dem Namen Korbinian Leutner sowie dessen Kramerladen. Weber erklärte, dass Hofnamen teilweise mit umgezogen sind und so teilweise auch Hofnamen nach Ismaning kamen durch Zuzüge aus der Fremde. Rund um diese Geschichten des Ortes hat der geschichtsinteressierte Weber reihenweise Anekdoten gesammelt, die er seinem begeisterten Publikum aus dem Stehgreif erzählte. So erinnerte er an die Zeit vor 1900, als die Ismaninger auch schon groß dachten und sich für ihre Interessen einsetzten. Im 19. Jahrhundert etwa sammelte die Bevölkerung Unterschriften dafür, dass in der Dorfschenke auch Weißbier ausgeschenkt werden darf. Bis 1900 brauchte es für den Vertrieb des edlen Weizenbieres die schriftliche Genehmigung des Herzogs. Erich Hartl hatte einst den Hofnamen „Kraft“, mit dem er heute noch in den Kreisen Ismaninger Landwirte angesprochen wird. „Ich sage oft einmal, dass der Krafti dies oder jenes gesagt hat“, sagte Robert Scharl. Die auf ihre Traditionen stolzen Ismaninger haben das alles nicht vergessen. Michael Kistler hört in Ismaning auf den Namen „Der obere Kistler“. Das hängt damit zusammen, dass sein Familienanwesen „Ismaning 170“ an der Dorfstraße gegenüber des heutigen Café Waldeck liegt. Der andere „untere“ Kistler hatte sein Haus mehr ortseinwärts. Wenn der Ismaninger als „der obere Kistler“ angesprochen wird, dann freut er sich: „Das ist einfach schön. Mir ist es eine Ehre, mit dem Hausnamen angesprochen zu werden.“ Es gibt auch bekannte Persönlichkeiten in Ismaning, die keinen Hausnamen hatten. Max Kraus etwa ist eine der Menschen, bei dem sich der Hofname nicht ergeben hat. Das hängt auch damit zusammen, dass seine Familie im 18. Jahrhundert aus der östlichen Nachbargemeinde nach Aschheim zog. Weber bekam viel Zuspruch und stellte fest, dass viele Ismaninger die Historie ihrer Familie nicht so genau kennen. Bei seinen Forschungsarbeiten hat er eng mit dem Gemeindearchiv zusammengearbeitet und wird die Ergebnisse dem Schlossmuseum übergeben. Aus dem Material könnte jederzeit eine Ausstellung entstehen. Weber kann sich vieles vorstellen, nur am ganz großen Wurf zweifelt er: „Diese Geschichten wären ein Buch wert, aber wer soll das dann kaufen?“

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