Reinheitsgebot geschickt umgangen

"Braufässchen"

Garchinger Startup: Aus Bierlaune wird Geschäftsidee

Garching - Die Idee wurde einst am TU-Gründerzentrum in Garching geboren - heute steht das Startup „Braufässchen" im Finale beim Deutschen Gründerpreis. Die Firma verkauft Bierbrau-Sets in zig Varianten - vom Eichenholz-Pils bis zum Ingwer-Weißbier.

Der Abend, der das Leben von Wolfgang Westermeier und seinen Freunden verändern wird, beginnt ganz harmlos. Die Studenten der TU München (TUM) sitzen beisammen, plaudern und trinken Bier - so wie es allabendlich zig junge Leute tun. Beim Blick auf die Flaschen in ihrer Hand kommt ihnen ein Gedanke: „Irgendwann haben wir uns gefragt: Warum schmecken in Deutschland eigentlich alle Biere gleich?“, erzählt Westermeier. „Und oft so langweilig?“ Dieser Abend im Jahr 2011 ist die Geburtsstunde einer Idee namens Braufässchen, die heute mehr als zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr macht und im Finale des Deutschen Gründerpreises steht.

Doch zurück ins Jahr 2011: Westermeier und seine Kollegen haben sich damals am Gründerzentrum der TUM in Garching kennengelernt, wo Studenten erste Gehversuche im Bereich Firmengründungen unternehmen können (siehe Kasten). „Wir kamen alle aus der naturwissenschaftlichen Ecke“, sagt Westermeier, „dort ging es eher um die wirtschaftliche Komponente.“ In den ersten zwei Semestern arbeiten sie an vorgegebenen Projekten; im dritten Halbjahr soll eine eigene Idee umgesetzt werden. Und im Fall von Westermeier und Co. heißt diese: Braufässchen.

Dahinter verbirgt sich der Plan, Bierbrausets für zu Hause anzubieten - in abertausenden Geschmacksrichtungen. Bis dato sei das Heimbrauen nur was für Liebhaber gewesen, sagt Westermeier. Man brauchte allerlei Geräte, Fachwissen und vor allem viel Zeit. „Wir hingegen wollten es so einfach wie möglich halten. Außerdem sollte es möglichst schnell gehen.“ Monatelang experimentieren die Studenten in der WG-Küche; die Mitbewohner besänftigen sie mit regelmäßigen Bierproben. „Allerdings waren die am Anfang eher kein Genuss“, sagt Westermeier und grinst. „Erst nach einem halben Jahr hatten wir das erste Weißbier, das einigermaßen geschmeckt hat.“

Am Gründerzentrum entwerfen die Studenten einen Businessplan, mit dem sie an einem Wettbewerb teilnehmen. Zwar gehen sie leer aus, doch bei der Preisverleihung treffen sie zufällig zwei Investoren und überzeugen sie von ihrer Idee. Beide schießen je 15 000 Euro zu; dazu kommen 10 000 Euro Erspartes - und mit diesem Geld gründen die Studienfreunde im Mai 2012 die Firma Braufässchen.

Ihr Konzept: Im Internet verkaufen sie Sets für Heimbrauer. Der Kunde wählt auf der Webseite Biersorte, Hopfenstärke und die gewünschten Aromen aus - von Chili bis Mango - und bekommt dann per Post ein Fünf-Liter-Fass zugeschickt. Das füllt er mit Wasser, gibt die mitgelieferten Zutaten hinzu, und sieben Tage später kann er das Gebräu direkt aus dem integrierten Hahn zapfen. Die Kosten: gut 30 Euro pro Fass.

Inzwischen gibt es bei Braufässchen tausende Variationen - vom Himbeer-Weißbier bis zum Sandelholz-Pils. Derlei verstößt natürlich gegen das Reinheitsgebot, wonach deutsches Bier nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser enthalten darf. Doch das Startup macht sich eine Gesetzeslücke zunutze: Wird das Bier nämlich zu Hause gebraut, greift das Reinheitsgebot nicht.

Mit ihrer Idee treffen die Studenten einen Nerv: Schon nach zwei Wochen ist ihr Lager leergekauft, und auch in der Folge wächst das Startup rasant. Inzwischen ist die Firma in den Münchner Westen gezogen, hat ihr Lager aber in Garching. Im vergangenen Jahr verkaufte Braufässchen 40 000 Fässer und kam auf einen Umsatz von 1,3 Millionen Euro; nach derzeitigem Stand werden sich diese Zahlen heuer verdoppeln. Dennoch schwimmen die drei Gründer nicht im Geld, sagt Westermeier. „Wir haben unterschätzt, wie groß der Anteil der Einnahmen ist, die wieder in Investitionen fließen.“ Er selbst und seine Kollegen hätten sich die ersten 16 Monate gar kein Gehalt ausbezahlt; danach waren sie ein Jahr lang auf 400-Euro-Basis angestellt.

Immerhin: Seit 2013 wirft die Firma Gewinne ab - weit schneller, als dies andere Startups tun. Wohl auch deshalb gehört Braufässchen zu den drei Finalisten beim Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Startup. Heute reisen die Jungunternehmer zur Preisverleihung nach Berlin, doch schon jetzt sind ihnen die Zusammenarbeit mit einer renommierten Beratungsfirma, ein Medientraining beim ZDF und ein zweijähriges Mentorenprogramm sicher.

Diesen Erfolg wird das Trio sicher noch mit einigen frisch gezapften Braufässchen-Bieren begießen. Darunter wohl auch Westermeiers derzeitiger Favorit: „Mango-Weißbier mag ich aktuell am liebsten.“

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