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Immer mit der Trillerpfeife unterwegs ist Susanne Singer, Geschäftsführerin des Vereins „Zivilcourage für alle“. Kommt sie in Not, macht ein Pfiff auf ihre Lag e aufmerksam. 

Anderen helfen – aber richtig

Zivilcourage ist eine gute Sache. Doch wer anderen in der Not helfen möchte, sollte genau wissen, was zu tun ist. Sonst kann es schnell gefährlich werden. 

Von Harald Hettich

Brunnthal– Der Brunnthaler Verein„Zivilcourage für alle“ hat den Förderwettbewerb „Zivilcourage“ gewonnen. Der Verein darf sich nun für die Dauer eines Jahres auf die Rundum-Unterstützung der Initiative „A runde Sach“ und seiner 19 Dienstleister in Sachen Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Imageberatung freuen. Die maßgeschneiderten Lösungen gibt’s allesamt kostenfrei.

„Zivilcourage für alle“ hatte die Ausschreibung der Initiative für ehrenamtlich geführte Vereine und Initiativen aus dem Münchner S-Bahn-Bereich für sich entschieden. Bei der Webseiten- oder Flyer-Gestaltung, beim Coaching im Verein oder in Sachen Mitgliederwerbung darf „Zivilcourage für alle“ fachkundige Projekt-Hilfe erwarten.

Susanne Singer hat ihre Trillerpfeife schon am Mund, holt tief Luft – bläst aber nicht hinein. Stattdessen lacht sie. „Die Trillerpfeife ist mein ständiger Begleiter, man kann ja nie wissen“, sagt die Geschäftsführerin von „Zivilcourage für alle“. Die Brunnthalerin kommt gerade vom „Kick off“ mit „A runde Sach“ und hat sich erste Informationen für die Zusammenarbeit geholt. „Das war super, für unseren jungen und in solchen Fragen unerfahrenen Verein ist diese professionelle Hilfe eine große Chance.“

Denn noch ist „Zivilcourage für alle“ mit 25 Mitgliedern ein kleiner und überschaubarer Zusammenschluss. Das soll sich möglichst bald ändern. Angefangen hatte alles mit einer Initiative von Mira Pouresmeili. „Ich habe die Gründerin kennengelernt und war von dem Thema sofort fasziniert“, sagt Susanne Singer. „Wie verhält man sich nachts in der U-Bahn, wenn einer randaliert oder was kann man tun, wenn Gewalt gegen Andere ausgeübt wird? Auf diese Fragen hatte ich selbst bis dahin viel zu wenige Antworten.“

Derzeit bietet „Zivilcourage für alle“ für einen Beitrag von zehn Euro pro Tag und Teilnehmer offene Kurse und Seminare zum Thema „Zivilcourage“. Fachleute wie die Psychologie-Professoren Dieter Frey und Veronika Brandstätter erklären, wie präventives und zivilcouragiertes Handeln in Theorie und Praxis gelingen kann. Ein Angebot, das immer häufiger auch Firmen und Vereine nutzen.

Wie die anderen Vereinsmitglieder hat auch Susanne Singer eine Vielzahl an Kursen und Trainerausbildungen absolviert, heute unterrichtet sie selbst. „Wir bieten Praktisches an, erklären etwa, warum das so oft mitgeführte Pfefferspray gar nicht geeignet ist, weil es die Gefahr einer Eigenverletzung erhöht oder den Aggressionspegel des Gegenübers noch erhöht.“ Besser sei es, Umstehende anzusprechen, gemeinsam gegen Aggression vorzugehen, Hilfe zu holen. „Wir erklären den Menschen, wo etwa in U-Bahn-Geschoßen man wie den Alarm drückt oder Notrufe absetzt.“ Eigentlich Selbstverständliches, das im Notfall aber oft überfordere. „Einmaleins des Helfens“ nennt Singer das Programm – knackig in Neun-Stunden-Veranstaltungen angeboten. Aber nicht nur Gewalt ist Thema – auch Mobbing am Arbeitsplatz gehört dazu. „Es gehört Mut dazu, Zivilcourage zu leben, wenn auch der Täter noch vor Ort ist“, sagt Singer. Nicht den Helden zu spielen, sei wichtig. Besser sei es „lernbare Zivilcourage zu verinnerlichen“.

„Ich selbst habe meine Trillerpfeife noch nie gebraucht, das darf auch gerne so bleiben“, sagt Susanne Singer. Allerdings weiß sie auch, worauf es ankommt, wenn doch einmal ein Notfall eintritt. „Zivilcourage für alle“ bietet keine Allheilmittel für solche Situationen. Aber gut strukturierte Ansätze allemal.

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