Landwirtin Anna Strohmeier vor ihrem Acker, wo sie Blühflächen anlegen will.
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Im Einsatz für Schmetterlinge und Bienen: Landwirtin Anna Strohmeier legt Blühflächen an.

Neue Blühflächen auf dem Ackerland

Artenvielfalt statt Monokultur: Brunnthaler Landwirtin schafft Platz für Schmetterlinge und Bienen

  • vonHarald Hettich
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Dass es immer weniger Schmetterlinge und Bienen gibt, will Landwirtin Anna Strohmeier nicht einfach so hinnehmen. Sie will selbst etwas gegen das Artensterben unternehmen und sucht dafür noch Mitstreiter.

Mit einer Mischung aus Melancholie und Entschlossenheit schaut Anna Strohmeier über die Felderlandschaft im Osten Brunnthals. Die 30-Jährige betreibt nicht nur einen eigenen Garten- und Landschaftsbau. Ihre Wurzeln in der Landwirtschaft reichen noch tiefer: In vierter Generation betreiben sie und ihre Familie einen eigenen Hof mit 35 Hektar bäuerlicher Fläche. In all der Geschäftigkeit ihres vielseitigen Tuns hat die Landwirtin ihren detailgenauen und zunehmend sorgenvollen Blick auf die biologischen Mikrokosmen nicht eingebüßt. Wehmut kommt auf, wenn Strohmeier an ihre eigene, nicht allzu lang zurückliegende Jugend zurückdenkt. „Damals waren die Felder voll von Schmetterlingen oder Bienen – heuer habe ich Pfauenauge oder Zitronenfalter überhaupt nicht gesehen“, bemerkt sie.

Falter und Bienen sind bedroht

Eine Einschätzung, die sich mit aktuellen Statistiken des Landesbundes für Vogelschutz deckt. Danach sind nicht nur die Vogelbestände nach Expertenschätzung in den vergangenen drei Jahrzehnten um die Hälfte geschrumpft. 54 Prozent aller Wildbienen sind bedroht, dazu 73 Prozent der Tagfalter und sogar 75 Prozent aller Fluginsekten. „Wir als Bauern sind das sicher nicht. Wir stehlen uns doch nicht den Boden und seine Vielseitigkeit als eigene Existenzgrundlage selbst unter den Füßen weg“, betont Strohmeier erbost. Doch der Zorn bestimmt nicht das Wirken der engagierten Bäuerin. Ein dokumentarischer Beitrag über eigens angelegte Blühwiesen in Norddeutschland und das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hatten in Strohmeier den Entschluss reifen lassen, selbst entschlossen tätig zu werden. Zunächst einen Hektar ihrer Ackerflächen wird sie im kommenden Frühjahr und für die Dauer von zunächst drei Jahren als Blühfläche nach dem Modell der „Veitshöchheimer Bienenweide“ umgestalten und umwidmen. Mehr als 40 verschiedene Wildkräuter, Kulturpflanzen und Gräser werden zunächst auf den bestehenden Acker-Monokulturflächen ausgesät, um ein Refugium für Insekten, Vögel und Bienen zu schaffen.

Flächen für die Brut und den Rückzug

„Auch abgestorbene Zweige werden nicht entfernt, alles bleibt als Brut- und Rückzugsfläche für die Tiere unbehandelt“, erklärt die Initiatorin. Nach der Frostperiode im kommenden Frühjahr soll es losgehen. Dann werden die Samen gesät und einmal angewalzt. Wer die Landwirtin unterstützen möchte, kann als „Blühpate“ zum Preis von 100 Euro für drei Jahre eine Parzelle übernehmen. „Gerne auch größer“, sagt Strohmeier. „Das Ganze ist auf gleicher Flur auf drei Jahre begrenzt, weil wir die Flächen spätestens im vierten Jahr nach aktueller EU-Gesetzesnorm wieder umwidmen müssen, damit wir den Ackerstatus nicht verlieren“, bekundet sie kopfschüttelnd ihr Missfallen über einen ihr unverständlichen Passus Brüsseler Europa-Gesetzgebung. Davon freilich will und wird sich Strohmeier nicht unterkriegen lassen. „Sollte das Projekt gut angenommen werden, werden wir eben weitere Ackerflächen ausweisen“, betont sie.

20 Blühpaten sind schon dabei

20 Blühpaten haben Strohmeier und ihr Team schon an Bord geholt – und dabei 3000 der erstausgewiesenen 10 000 Quadratmeter vergeben. Alle Paten bekommen neben den besten Wünschen für den Gedeih der Flächen auch eine Urkunde. Auch eine Patenschaftstafel ist in Planung. Ihr „Team“ – dazu gehöre neben der gesamten, dem Projekt gegenüber aufgeschlossenen Familie besonders auch die dreijährige Tochter Katharina als potenziell fünfte Landwirte-Generation vor Ort. „Sie ist schon die heimliche Chefin und werkelt fleißig mit“, erzählt die Mama schmunzelnd. Auf die Politik und einen Perspektivenwechsel dort wolle und könne man jedenfalls nicht warten, betont Strohmeier. „Bis die in die Gänge kommen....“ Den Rest des Satzes lässt sie unausgesprochen. Sie tut lieber etwas. Wer sich anschließen will, findet im Internet unter www.losgeblueht.de alle weiteren Informationen.

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