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Ausstellung mit Werken von Ida Kerkovius in Brunnthal

Kerkovius' Welt der Farben

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Brunnthal - Erinnerung an eine Große: Die Galerie Kersten widmet Ida Kerkovius eine Ausstellung. Die kann es mit Gabriele Münter aufnehmen.

Sie ist so etwas wie das Stuttgarter Pendant zu Gabriele Münter, die in München große Bedeutung erlangte: Ida Kerkovius zählt zu den bedeutenden deutschen Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Und doch ist sie wohl weit weniger bekannt als viele ihrer Zeitgenossen. „Das passiert immer wieder“, sagt Kunsthistoriker und Geschäftsführer der Galerie Kersten, Holger Weinstock. Und zwar dann, „wenn der Nachlass nicht ordentlich geführt wird“. 

Die Galerie Kersten in Brunnthal widmet nun der 1879 in Riga geborenen Künstlerin eine große Ausstellung. Bis 2. April sind gut 50 Werke von Kerkovius zu sehen; Unikate und Grafiken – größere und kleine Arbeiten –, Skizzen und Porträts. Es ist eine besonders farbintensive Kunst, die die Künstlerin einmal selbst so beschrieben hat: „Meine Welt ist die Farbe, in ihr kann sich meine Phantasie ganz entfalten.“ Außerdem stellt die Galerie Kersten Arbeiten befreundeter Künstlerkollegen der klassischen Moderne aus, etwa von Oskar Schlemmer oder Max Ackermann. Letzterem hatten die Brunnthaler vor einiger Zeit eine große Ausstellung gewidmet. 

Durch „glückliche Umstände“, sagt Weinstock, und auch durch „ein bisschen Zufall“ sei die Galerie in Kontakt mit dem Ida-Kerkovius-Archiv gekommen. Dieses besteht seit dem Jahr 2000, seit der Gründung ist das Interesse von Museen und Galerien an dem vielfältigen Werk der Deutsch-Baltin gewachsen. 

Der Besucher der Brunnthaler Galerie begegnet auch einem Münter-Gemälde. Im Obergeschoss hängt es nahe der Treppe an der linken Wand. Das Porträt einer Frau. Links daneben befindet sich ein Porträt von einem Mann mit Bart von Kerkovius, die beiden Bilder sind im Stil kaum zu unterscheiden. 

Zu Lebzeiten wurde ihre Kunst sehr geschätzt. Willy Baumeister soll über sie gesagt haben: „In der Farbe ist sie uns allen überlegen“, und von Alexej von Jawlensky stammt das Zitat: „Sie ist ganz Kunst.“ Weinstock beschreibt die Künstlerin, die 91 Jahre alt wurde, als lebensfrohe und starke Frau, die auch sehr schwere Zeiten durchmachen musste: Ihre Kunst wurde 1933 auf die Liste der „Entarteten Künstler“ gesetzt, Kerkovius’ Atelier in Stuttgart brannte 1944 nach einem Bombenangriff aus und wurde völlig zerstört. Sie kam Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dachau, wo sie zunächst bei Adolf Hölzel, später an der Königlich-Württembergischen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studierte. 1911 wurde sie Hölzels Meisterschülerin. „Ab 1913 wird der Bildaufbau ihrer Werke flächenhafter“, erläutert Weinstock. „Ins Bild wird nur noch das aufgenommen, was funktionell notwendig erscheint.“

Von 1920 bis 1923 studierte sie am Bauhaus in Weimar. Die ehemalige Lehrerin von Johannes Itten wurde dort seine Schülerin und erlernte als bereits etablierte Malerin im Alter von 41 Jahren zusätzlich die Teppich- und Bildweberei. Ein zweites Standbein – denn auch ihre Webstücke wurden zu Meisterwerken. Bis zum ihrem Tod arbeitete die Künstlerin, obwohl schwer krank, ungebrochen an ihrem künstlerischen Werk. Ihr letztes Ölgemälde „Bel Vue“ hat sie nicht vollendet.

Bernadette Heimann

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