Bürgermeister Stefan Kern mit seinen frisch gewählten Stellvertretern Robert Huber (l.) und Thomas Mayer (r.). Gerne wäre Ulla Gocke Stellvertreterin geworden, doch Widerstand dagegen kam auch aus ihrer eigenen Fraktion. Nun tritt sie aus.
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Bürgermeister Stefan Kern mit seinen frisch gewählten Stellvertretern Robert Huber (l.) und Thomas Mayer (r.). Gerne wäre Ulla Gocke Stellvertreterin geworden, doch Widerstand dagegen kam auch aus ihrer eigenen Fraktion. Gewählt wurden drei Männer. Nun tritt Gocke aus Partei und Fraktion aus.

Austritt auch aus der Partei

Bruch mit der „Männerwirtschaft“ - CSU verliert Mehrheit in Brunnthal

  • Bernadette Heimann
    vonBernadette Heimann
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Ulla Gocke wirft hin. Die Gemeinderätin aus Brunnthal gehört nicht länger der CSU-Fraktion an. Diese verliert damit die absolute Mehrheit.

Brunnthal – Kurz nach 8 Uhr am Montagmorgen schickt Ulla Gocke eine E-Mail an die Redaktion. In zwei knappen Sätzen teilte sie mit: „Ich bin heute mit sofortiger Wirkung aus der CSU-Fraktion des Gemeinderats Brunnthal ausgetreten. Mein Amt als gewähltes Mitglied des Gemeinderats nehme ich weiterhin wahr.“ Ihren Schritt begründete sie zunächst nicht. Auf Nachfrage des Münchner Merkur verwies Gocke auf die jüngste Sitzung und die Wahl der Stellvertreter von Bürgermeister Stefan Kern (CSU) am vergangenen Mittwoch. Thomas Mayer (CSU) wurde als Kerns erster Stellvertreter wiedergewählt, und Gocke stand für das Amt als Dritte Bürgermeisterin zur Wahl. Allerdings machte ein Kandidat aus der Opposition das Rennen: Robert Huber von der PWB. Der Faistenhaarer Huber war von Gockes Fraktionskollegen Martin Rottenhuber vorgeschlagen worden. Dafür hat Gocke kein Verständnis. Auch dass der PWB-Kandidat „mit Stimmen der CSU“ gewählt worden sei, hält die Gemeinderätin für inakzeptabel. Auch aus der Partei sei sie ausgetreten.

„Verlieren ist das Eine, ein Gegenvorschlag aus der eigenen Fraktion aber merkwürdig“

„Da hört die Akzeptanz auf“, sagt Ulla Gocke, die aus der CSU-Fraktion in Brunnthal austritt. 

„Nebensächlich“ sei, dass keine Frau das Rennen gemacht habe, betont Gocke. „Wenn man verliert, ist das das eine, wenn aber aus der eigenen Fraktion ein Gegenvorschlag kommt, finde ich das merkwürdig.“ Sie stehe für „zielgerichtete und sachorientierte Politik“, sagt die Gemeinderätin. „Egal, von wem welche Vorschläge kommen.“ Das CSU-Vorgehen „ist etwas, wo die Akzeptanz schlichtweg aufhört“. Gocke sitzt künftig parteifrei im Gemeinderat, und schließt sich der Fraktionsgemeinschaft aus UBW und Christine Zietsch von der SPD an. Ihr Amt als Vorsitzende der Frauenunion muss sie aufgeben – Voraussetzung ist die CSU-Mitgliedschaft.

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Bürgermeister: Drei CSUler aus Brunnthal - das geht nicht

CSU-Vorsitzender und Bürgermeister Stefan Kern zeigte sich überrascht von Gockes Schritt. Am Vormittag habe ihn zunächst der Geschäftsleiter der Gemeinde, später dann die CSU-Geschäftsstelle über Gockes Mail informiert. Der Entschluss, die Fraktion zu verlassen, sei ohne Vorwarnung erfolgt. Kern sagt: „Das ist vom Stil her nicht okay. Da hätte man noch ein Gespräch führen können.“ Eine letzte Konversation über die Stellvertreter-Frage habe es bei zwei Vorgesprächen noch vor der Kommunalwahl gegeben, erläutert der Bürgermeister. Eine Frau hätte er auch gerne in dem Amt gesehen: „Aber drei CSUler, drei Brunnthaler – das geht nicht.“ Die CSU sei „mit Ach und Krach“ über 50 Prozent gekommen, da könne sie nicht alle drei Bürgermeister-Posten besetzen. Die PWB habe das zweitbeste Wahlergebnis erzielt, betont der Rathauschef. 

Zudem komme sein neuer zweiter Stellvertreter aus Faistenhaar und sei in dem Ortsteil fest verwurzelt. Gocke habe sich im Vorfeld als Hofoldingerin bezeichnet, sagt Kern. „Das kann ich nur belächeln.“ Sie komme aus Brunnthal und sei in Hofolding Mitglied bei den Stockschützen. Bei den Kommunalwahlen, sagt Kern, habe Gocke ein „sehr gutes Wahlergebnis, das beste bei den Frauen, erreicht“. Und das Abschneiden bei der Stellvertreter-Wahl mit neun zu elf Stimmen sei ein knappes Ergebnis: „Da hat sie ihr Gesicht nicht verloren.“

„Sache, nicht Partei im Vordergrund“

Martin Rottenhuber von der CSU, der Robert Huber vorgeschlagen hatte, ist Kerns Meinung: Einer der Stellvertreter solle nicht der CSU angehören und aus einem anderen Ortsteil stammen. Rottenhuber betont, er habe nichts gegen Gocke, er zweifle auch ihre Qualifikation nicht an. „Das habe ich ihr auch gesagt.“ Der CSUler ist neu in den Gemeinderat gewählt worden, und er findet, dass die „Sache im Vordergrund stehen muss und nicht die Partei“.

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