Eines der letzten durchgängigen Waldgebiete ist der Hofoldinger Forst. Um ihn zu schützen, hat die Mehrheit des Gemeinderats gegen einen Verbleib im Windenerige-Bündnis und damit gegen den Bau eines Windrads auf Brunnthaler Flur gestimmt. 
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Eines der letzten durchgängigen Waldgebiete ist der Hofoldinger Forst. Um ihn zu schützen, hat die Mehrheit des Gemeinderats gegen einen Verbleib im Windenerige-Bündnis und damit gegen den Bau eines Windrads auf Brunnthaler Flur gestimmt. 

Pläne im Hofoldinger Forst

Brunnthal verlässt Windenergie-Bündnis und verhindert Windrad auf eigener Flur

  • vonHarald Hettich
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Nach mehrstündiger Debatte und begleitet von Pfiffen und Trommellärm der Windkraftgegner hat sich der Brunnthaler Gemeinderat entschieden, die Arbeitsgemeinschaft Windenergie zu verlassen. Damit hat die Gemeinde vorerst den Bau von Windrädern auf eigener Flur verhindert.

Brunnthal – „Wo ist der Wind?“ und „Schützt den Hofoldinger Forst vor unwirtschaftlicher Windkraft“, rufen die Windkraftgegner, die sich am Mittwochabend in einer kleinen Gruppe vor dem Landgasthof in Brunnthal versammelt haben. Mit Plakaten, Pfeifkonzerten und Trommeleinlagen machen sie lautstark auf ihren Protest aufmerksam. Denn der Gemeinderat hatte an diesem Abend eine wegweisende Entscheidung zu treffen: Bleibt Brunnthal Teil des Windkraftbündnisses mit Aying, Sauerlach Aying und den Landkreisen München und Miesbach – oder nicht? Am Ende einer dreistündigen Diskussion dann der Paukenschlag: Mit einer Mehrheit von 11:8 Stimmen haben die Räte entschieden, dass die Gemeinde die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Windenergie verlässt.

Offen, wie es im Bündnis weitergeht

Durch den Austritt wird der Bau zumindest eines Windrades auf Brunnthaler Forstflur aktuell ausgebremst. Doch völlig offen ist nun das weitere Vorgehen weiterer wichtiger Protagonisten. Während Brunnthal mit dem Ausstieg aus der ARGE auch den entsprechenden Standortsicherungsvertrag aufgibt, werden die Karten unter den verbleibenden Partnern neu gemischt. Sauerlach und Otterfing hatten zuletzt für einen Verbleib in der ARGE und die Fortführung des Projekts gestimmt. Aying wird am 9. März darüber entscheiden. Die beteiligten Landkreise müssen auf Basis der Gemeindebeschlüsse darüber befinden, ob das Projekt durch eine Änderung der Landschaftsschutzverordnung weiter vorangetrieben wird. Ein Projektumfang von rund 24 Millionen Euro allein für die bisherige Windkraftplanung der vier Nachbarkommunen steht nun zur Disposition.

Agenda des Freistaats wirft Fragen auf

Spannend geriet auch die erst wenige Tage vor der Brunnthaler Gemeinderatssitzung verlautbarte Erklärung aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Ministerin Michaela Kaniber (CSU) unterstrich darin mit Blick auf das Ausstiegsszenario: „Die ausscheidende Gemeinde könnte dann zwar die Errichtung von Windenergieanlagen im eigenen Gemeindegebiet verhindern, würde aber auch auf die durch die Mitgliedschaft in der ARGE gegebenen Lenkungsmöglichkeiten im verbleibenden Vertragsgebiet verzichten“. Will heißen: Ob und wie viele Windräder die Nachbarkommunen in den Forst setzen, kann Brunnthal nicht länger beeinflussen. Zudem wirft die Agenda des Freistaates weitere Fragen auf. Während seitens der Staatsregierung in der Vergangenheit von möglicherweise „100 Windrädern“ in den Staatsforsten“ die Rede war, sollten „jetzt Windräder nur entstehen, wenn die Gemeinden zustimmen“, erkannte Bürgermeister Stefan Kern (CSU) einen Widerspruch in der Ausrichtung. Der Rathauschef war von den Windkraft-Gegnern immer wieder scharf kritisiert worden, weil er die Mitsprache der Gemeinde an eine Mitgliedschaft in der ARGE gekoppelt sah. Nun sehen sich Gegner in ihrer Ansicht bestätigt, die Gemeinden seien selbst in der Lage, über Windkraft im Forst zu befinden. Laut Kern, der sich für einen Verbleib in der ARGE ausgesprochen hatte, sei aufgrund der Mehrheitsentscheidung „das Thema Windkraft im Hofoldinger Forst aus Brunnthaler Sicht erst einmal erledigt“. Es sei noch „viel Musik“ im Thema. Die Kapelle spielt aber erst einmal anderswo.

Pro und Contra: Das sind die Argumente der Gemeinderäte

Wir sind keine Windkraft-Gegner - sondern Windkraft-Standort-Gegner“ betonte Brunnthals Dritter Bürgermeister Robert Huber (PWB). Es gehe seiner Fraktion nur um „sachliche Debatten“. Der Hofoldinger Forst sei eines der letzten verbliebenen durchgängigen Waldgebiete und müsse geschützt werden. Huber äußerte auch die Vermutung, die nur noch in Bayern geltende 10H-Abstandsregelung werde in Zukunft wegfallen. Dann gelte es, alle Standorte in der Gemeinde zu prüfen. In seinen Augen sei die ARGE mit Miesbach „ein Fehler gewesen“. Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) betonte, eine Ablehnung der Windkraft im Forst sei gerade mit Blick auf das weitere Vorgehen der Nachbarn „nur eine Momentaufnahme“. Wenn schon Windkraft, so der Ratschef, dann gelte es mitzubestimmen und mit zu profitieren. Die Trennlinie zieht sich aber auch durch die CSU. Thomas Mayer, Zweiter Bürgermeister, formulierte die wesentliche „Abwägung Waldboden oder Windkraft“. Der Vize-Rathauschef hat sich dabei nach intensiver Themenrecherche für den Wald entschieden. „Das Ergebnis nach sachlicher Debatte muss lauten: Aus der ARGE raus“. Während Mayer in der Sache mit den Windkraft-Gegnern im Forst marschiert, beklagte er die negative Begleitmusik im persönlichen Umgang. „Den unverschämten Flyer“ von Windkraft-Gegnern mit Unterstellungen in Richtung Kern nahm Mayer explizit Jürgen Gott übel, der von der PWB zur UBW gewechselt war . Mit der Machart, abseits der Sachanalyse „eine Sau durchs Dorf zu treiben“, sei „das Tischtuch zerschnitten“.

Helmut Vorleitner junior (CSU) sieht im Schutz des Waldes „ein klares Argument pro Windkraft“. Deutschland werde noch viele dieser Anlagen und weitere regenerativer Energieformen brauchen. Hilde Miner (Grüne) betonte: „Ein Windrad ist hinzunehmen, um unseren kleinen Beitrag für den Wald zu leisten“. Andere Stoßrichtung bei Matthias Amtmann (UBW). „Wir schauen kritisch auf den Amazonas und reißen selbst Schneisen in den Wald“. Es sei ein Umdenken angesagt. Es gelte, auf eigenen Dächern Energie zu gewinnen. Dann brauche es auch keine Windkraft im Forst. Gegen eine solche hat Christine Zietsch (SPD) so lange keine Einwände, wie die Wirtschaftlichkeit und der Artenschutz gewährleistet blieben.

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