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Um das Ortsbild rund um die kleine Kirche St. Georg sorgt sich Bürgermeister Stefan Kern, wenn Landwirt Albert Hauser hier sein Wohnhaus erweitern will.

Westlich von Kirchstockach

Sorge um Ortsbild: Landwirt will erweitern und löst Grundsatzdebatte aus

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Im Westen Kirchstockachs hing zuletzt der Haussegen schief. Per Mehrheitsbeschluss hatte sich der Brunnthaler Gemeinderat Anfang des Jahres gegen die Pläne von Landwirt Albert Hauser gestellt, sein Wohnhaus zu erweitern. Das löste jetzt eine Grundsatzdebatte aus. 

Brunnthal/Kirchstockach – Im Westen Kirchstockachs hing zuletzt der Haussegen schief. Per Mehrheitsbeschluss hatte sich der Brunnthaler Gemeinderat Anfang des Jahres gegen die Pläne von Landwirt Albert Hauser gestellt, auf seinem Grundstück zwischen der Taufkirchner Straße im Norden, der St.-Georg-Straße im Westen und der Golfanlage weiter südlich zu bauen. Per Veränderungssperre sollten hier Wohnbaumaßnahmen verhindert werden (wir berichteten). Ein in der Praxis eher selten angewendetes Mittel, um Dorfstrukturen gegen allzu ausufernde Bebauung zu schützen.

Seit der letzten Gemeinderatssitzung ist das aber vom Tisch. Mit 10:7 Stimmen votierte der Gemeinderat dafür, die Veränderungssperre aufzuheben. Auch das von der Gemeinde anberaumte Bebauungsplanverfahren soll „mangels Erforderlichkeit eingestellt werden“.

Verärgerung bei Bürgermeister Stefan Kern (CSU) und jenen, die gegen eine Aufhebung gestimmt hatten. Aufatmen beim betroffenen Landwirt Albert Hauser. Doch der ist gleichzeitig immer noch sauer. Auf Nachfrage des Münchner Merkur äußerte er sein Unverständnis mit dem bisherigen Vorgehen der Gemeindespitze um Bürgermeister Kern. „Wir planen auf unserem großen Grundstück lediglich die Erweiterung eines bestehenden Wohnhauses um eine Wohneinheit mit 150 Quadratmetern“, erklärt Hauser. „Ohne Unterkellerung und ohne weitere Aufbauten“. Das erweiterte Anwesen soll ihm und seiner Gattin künftig als sogenanntes „Austraglerhäusl“ für die Zeiten des Ruhestands zur Verfügung stehen, wenn der Nachwuchs den Hof übernimmt.

Landwirt: „Ein schlechter Witz“

Seit Jahrhunderten sei seine Familie in Kirchstockach daheim. „Und so soll es auch bleiben“. Man plane keine Großbauten, wie sie der Bürgermeister offenbar befürchte. Die Familie will lediglich Wohngrund für sich selbst schaffen. „Wir haben nicht vor, hier irgendetwas Großflächig zu bebauen. Wir wollen hier weiter gut leben“, betont der Landwirt.

Die Planung für die neue Wohneinheit habe man per Bauantrag im November 2017 bei der Gemeinde eingereicht. Laut Bauamtsleiter Siegfried Hofmann, so Hauser, habe es sich dabei „um eine Formalie gehandelt.“ Auch das Landratsamt habe keine Einwände gehabt. Umso verblüffter sei man gewesen, als sich die „Formalie“ per Gemeinderatsbeschluss vom Januar in eine Veränderungssperre entwickelt hatte. „Wir waren wie vor den Kopf gestoßen“, erzählt der Landwirt. Die offenkundigen Sorgen des Bürgermeisters und einiger Räte, die Strukturen vor Ort könnten sich nachhaltig durch sein Bauvorhaben ändern, will Hauser nicht gelten lassen. „Man braucht doch keine neue Infrastruktur mit Spielplatz und neue Straßen, nur weil wir eine Wohnung bauen“.

„Ein schlechter Witz“ ist laut Hauser die offenkundige Befürchtung des Bürgermeisters, durch weitere Bauentwicklungen könnte die kleine Kirche St. Georg und ihr heute grünes Umfeld womöglich bedrängt werden. „Das ist doch ein Schmarrn“, schimpft er. Das kleine Gotteshaus am Nordende des eigenen Grundes sei seit Ewigkeiten im Besitz der Familien Hauser und Ganser. „Wir pflegen die Kirche und haben da schon viel Geld reingesteckt“. Man wolle dort alles erhalten, wie es ist.

Kern vermutet Privatinteressen

Anders sieht das Bürgermeister Stefan Kern. „Es ist doch die Pflicht der Gemeinde, bei der Ortsgestaltung Vorgaben zu machen, um den dörflichen Charakter zu erhalten“, beharrte er auf Nachfrage des Münchner Merkur auf seine Linie. Die Mehrheit der Gemeinderäte hatte sich offen für ein Vertrauen gegenüber dem Antragsteller ausgesprochen. „Manche Gemeinderäte scheinen nicht zu wissen, dass sie gerade in dieser Verantwortung im Rat sitzen“, schimpfte Kern, und stellt eine kühne Vermutung an: „Spielen da vielleicht Privatinteressen und Ängste bei manchen vor einer gemeindlichen Überplanung eigener Areale mit hinein?“ Im Gremium konnte sich Kern letztlich nicht durchsetzen. Und so darf Albert Hauser seine Austragler-Wohnung nun endlich bauen.

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