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Musiker Manfred Hahnel ist verzweifelt.

Freistaat hatte Brunnthaler 5000 Euro schon überwiesen

Musiker soll Corona-Soforthilfe zurückzahlen

  • Stefan Weinzierl
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Manfred Hahnel versteht die Welt nicht mehr. Erst Ende März hat der selbstständige Musiker aus Brunnthal vom Freistaat eine Corona-Soforthilfe für Soloselbstständige in Höhe von 5000 Euro erhalten. Jetzt verlangt die Regierung von Oberbayern das Geld plötzlich zurück.

Brunnthal– – Hahnel sei Künstler und kein Unternehmer, ist die Begründung. „Ich weiß überhaupt nicht, wie ich das Geld zurückzahlen soll. Ich habe seit Faschingsende keinen Cent verdient“, sagt der 58-Jährige verzweifelt. Der Musiker-Ball in Aidling war einer der letzten Auftritte, für den Manfred Hahnel nach eigener Aussage Gage bekommen hat. Dort spielte der Akkordeon- und Keyboardspieler, der seit 1984 sein Geld mit Auftritten verdient, gemeinsam mit der Partyband „HotStuff“ auf. Seitdem herrscht völlige Flaute im Portemonnaie des ehemaligen Zweiten Bürgermeisters der Gemeinde Brunnthal. Hochzeiten, Vereinsfeiern, Auftritte in Gaststätten – alles ist den Beschränkungen zum Opfer gefallen. Und ein Licht am Ende des Tunnels sieht Hahnel nicht. „Ich bin sonst viel auf Floßfahrten tätig, trete in Bierzelten auf, spiele auch auf dem Oktoberfest. Die Wiesn ist bereits abgesagt, alles andere verboten. Eventuell kann ich heuer überhaupt nicht mehr auftreten“, befürchtet der Musiker.

Geld in Immobilie gesteckt

Geld auf der hohen Kante habe er nicht. Dafür sei der Verdienst im Jahr zu gering. Das letzte Geld haben er und seine Frau in eine Immobilie gesteckt, dafür sogar ein Darlehen aufgenommen. „Das soll uns den Ruhestand sichern“, sagt er. Die Miete, die sie momentan einnehmen, wird benötigt, um das Darlehen abzubezahlen. „Irgendwann geht dir der Saft aus“, sagt der 58-Jährige über seine finanzielle Situation. Da kamen die 5000 Euro Soforthilfe gerade recht. Übrigens: Eine neue Prämie soll Ausbildungsplätze im Mittelstand trotz der Corona-Krise weiter erhalten.

Dass der Freistaat jetzt das Geld zurückverlangt ist für Hahnel frustrierend. Auf seinen Hinweis an die Regierung von Oberbayern, er wisse im Moment nicht, woher er das Geld nehme solle, antwortete man seitens der Behörde nur, er sei als selbstständiger Musiker nicht antragsberechtigt gewesen für die Corona-Soforthilfe und solle das Geld auf ein entsprechende Konto zurückzahlen.

Hahnel habe als Musiker keinen Anspruch auf die „Soforthilfe Corona“, müsse stattdessen Mittel aus einem Förderprogramm des Wissenschafts- und Kunstministeriums beantragen. Doch das war bisher vor Kurzem überhaupt nicht möglich.

Hartz-IV keine Option

Dass der Freistaat einen Unterschied macht zwischen Unternehmern und Künstlern, auch was die Summe an finanzieller Hilfe angeht, findet er ungerecht. Zum Jobcenter zu gehen und Hartz IV zu beantragen, ist für ihn keine Option. „Ich bin ja nicht arbeitslos. Ich darf nicht arbeiten, weil es der Staat mir verbietet“, sagt er. Auf Merkur-Anfrage beim Bayerischen Wirtschaftsministerium sowie beim Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft für Kunst, warum ein Unterschied zwischen selbstständigen Unternehmern und Künstlern gemacht wird, warum letztere weniger finanzielle Hilfe bekommen und die Anträge für Künstler erst seit Kurzem gestellt werden können, bleiben die Ministerien die Antworten schuldig. Immerhin: Eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums stellt Hilfe für Hahnel in Aussicht. „Wir werden uns gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium den Fall anschauen und nach einer Lösung suchen.“

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