Martin Glas stößt Brunnthals Radwegeplaner vor den Kopf

Rennradler fordert sein Recht auf der Straße

Brunnthal - Rennradfahrer Martin Glas hat schon einmal vor Gericht Recht bekommen: Er darf zwischen Sauerlach und Brunnthal auf der Kreisstraße fahren, obwohl es einen Radweg gibt. Dieses Recht will er nun auch auf der Trasse zwischen Brunnthal und Kirchstockach durchsetzen.

Radfahrer müssen von der Straße verschwinden, wenn daneben ein Radweg mit einem runden, blauen Radweg-Verkehrszeichen ausgewiesen ist. Der Münchner Martin Glas klagt gegen diese Benutzungspflicht von Radwegen im Ortsbereich Brunnthal und hat im Gemeinderat, einen Abend vor der Eröffnung eines weiteren, neuen, ehrgeizig konzipierten Radwegs entlang der Staatsstraße 2367 zwischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn und der Waldsiedlung, erneut eine heftige Diskussion ausgelöst.

Martin Glas ist freilich kein einfacher Rennradfahrer, er ist auch Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in München. Bereits 2015 hatte er die Kommunalpolitiker geschockt, weil er für den Streckenbereich zwischen Sauerlach und Brunnthal vor dem Verwaltungsgericht Recht bekommen hatte mit seiner Klage, die Radwegebenutzungspflicht sei hier, wie auf vielen anderen Trassen im Landkreis, nicht sinnvoll. Sein Argument: Nach zwei schweren Unfällen entlang der Radtrasse zwischen Otterloh und Brunnthal sei die Straße allemal als sicherer einzustufen als der Radweg, verfing vor dem Verwaltungsgericht.

Nun befürchten die Brunnthaler ein ähnliches Desaster entlang ihrer Nord-Süd-Trasse zwischen Brunnthal und Kirchstockach. Martin Glas fordert nämlich, dass künftig Radfahrer auch den Radweg zwischen Brunnthal und Kirchstockach nicht mehr benutzen müssen. „Und das auf einer kurvenreichen Strecke mit kniffligen Verkehrsbeziehungen – ein völliger Schwachsinn“, sagte Kern empört. Christian Schleich (PWB) pflichtete bei. „Ein toller, schöner und notwendiger Radweg“ werde hier „völlig unverständlicherweise in Frage gestellt“. Die Radwegeplaner im Rathaus verstehen die Welt nicht mehr. Da hat die Gemeinde bei verschiedenen Projekten in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand genommen, um die Verkehrswege für Radfahrer Zug um Zug sicherer zu gestalten. Doch Undank scheint der Lohn: Fast konterkariert sahen da die Brunnthaler Räte am Vorabend der Einweihung ihre neuen Fahrradtrasse entlang der Staatstraße 2367 zwischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn und der Waldsiedlung ihre intensiven Anstrengungen.

Der Gemeinderat sieht seine Wegeplanungen zum Wohle der Radfahrer infrage gestellt. Selbst den Klageweg gegen Glas’ Vorstoß schließen sie in Brunnthal derzeit nicht mehr aus. Die Mehrheit entschied jedoch, zuvor den ADFC-Vorsitzenden anzuhören. Entweder in einer der nächsten Sitzungen oder zu einem eigens anzuberaumenden Ortstermin soll Glas „freundlich eingeladen werden“. „Vielleicht lernen wir ja auch, dass der Kläger mit seiner Argumentation völlig recht hat“, sagte Kern. Lediglich drei Räte stimmten gegen diesen Plan. Wenn Martin Glas denn kommt auf seinem Rennrad, dann wohl nicht auf dem Radweg.

Harald Hettich

Rubriklistenbild: © dpa

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