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Mit Fackeln in der Hand: Die Grundschul-Aula war während der Arge-Sitzung von den Demonstranten und Gegendemonstranten umzingelt.

Energieanlagen im Hofoldinger Forst

Sprechchöre für und gegen die Windkraft

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Drinnen tagte die Arge, draußen artikulierte sich des Volkes Stimme deutlich. In Brunnthals sonst eher beschaulicher Ortsmitte ging es am Dienstagabend bei zwei Demonstrationen gegensätzlicher Stoßrichtung zum Thema pro und contra Windkraft im Hofoldinger Forst lautstark zur Sache. Aber es blieb friedlich.

Brunnthal– Die Bürger machten aus ihren Herzen keine Mördergrube. Aus relativer Ferne mag die Szenerie von Fackeln, fast pausenlosem Triller-Pfeifen, Lautsprechergetöse und „Rettet den Wald“- Sprechchören der Forst-Windkraft-Gegner mit ihren Plakaten einerseits und den eher stoisch gleichklingenden Fridays-for-Future-Sprechchören und Pro-Windkraft-Bannern gegenüber im Novembernebel der Brunnthaler Ortsmitte befremdlich angemutet haben. Die Polizei hatte die „Parteien“ örtlich getrennt – lauttechnisch fanden sie dennoch zusammen. Je näher der Betrachter rückte, umso mehr erschloss sich die Situation und die Meinungsvielfalt vor Ort. Wohltuend sachlich verliefen die Diskussionen. Freilich gab man sich gegensätzlich. „Wir sind nicht gegen Windkraft generell, aber gegen Windräder im Schwach-Windgebiet Hofoldinger Forst“, stellte sich Brunnthals Gemeinderat und Initiator Siegfried Hauser (PWB) „gegen einen Ausverkauf des Hofoldinger Forstes“.

Eine breite Bürgerfront hatte gegen die Windkraftnutzung im Forst zur Protestaktion aufgerufen, die Gegenseite war zahlenmäßig klar unterlegen. Regionale Vertreter von „Fridays for Future“und „Parents for Future“ brachen eine Lanze für die Windkraft. Insgesamt waren rund 250 Menschen gekommen, um ihr jeweiliges energiepolitisches Anliegen zu unterstreichen. Positiv: Beide Lager blieben abseits gegenseitiger Beschallung friedlich. In der Sache freilich wurde der Streit deutlich und lautstark geführt. Immerhin trafen sich einzelne Opponenten im Laufe der rund einstündigen Doppelversammlung auch zu Zwiegesprächen.

Sondersitzung im Ringen um politischen Konsens

Und die Kommunalpolitik? Die tagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Grundschul-Aula. Die „Arbeitsgemeinschaft Windenergie Hofoldinger Forst“ (Arge) mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten der vier Partnerkommunen Aying, Brunnthal, Otterfing und Sauerlach rang zusammen mit Landrat Christoph Göbel in der eigens anberaumten Sondersitzung um einen politischen Konsens, während draußen die Windkraftgegner gegen die Scheiben trommelten und protestierten. Miesbachs Landrat als weiterer Forstanrainer war der Veranstaltung fern geblieben. „Sehr konstruktiv“ sei die Sitzung verlaufen, sagte Bürgermeister Kern auf Nachfrage. Zu den Inhalten könne er aufgrund des nicht öffentlichen Zuschnittes noch nichts verlauten lassen. Mehr Klarheit dürfte die Gemeinderatssitzung in der nächsten Woche bringen.

Ökobilanz fraglich

Ruth Riha konfrontierte Bürgermeister Stefan Kern (CSU) auf dessen langem Weg durch die Demonstranten und zur Arge-Sitzung mit ihrer Argumentation. „Die Ökobilanz der Windkraft ist doch ohnehin schlecht“, betonte sie. „Tiefe Eingriffe in den Forst, in Flora und Fauna“ befürchtete Riha. Der Rathauschef versuchte einzuordnen. Er beharrte trotz des bisherigen Patts im Brunnthaler Rat darauf, durch einen Standortsicherungsvertrag mit den Staatsforsten „eine überschaubare Situierung mit höchstens vier Windanlagen im Forst“ an ausgewählten Standorten in den Gemeinden abzusichern. Andernfalls drohe eine Ausschreibung des Freistaates und eine ungehemmte Verbauung mit Rotoren im Forst durch private Investoren. „Das ist eine beunruhigende Vorstellung“, sagte Kern.

Ausverkauf des Waldes befürchtet

Die Gegner befürchten einen „Ausverkauf des Waldes“, wenn der Windkraft erst einmal das Tor geöffnet werde. Birgit Gott, Mutter des Brunnthaler Bürgermeister-Kandidaten Jürgen Gott, schlug in die gleiche Kerbe. „Ich lehne wie mein Sohn jedes Windkraft-Projekt im Forst als untauglich ab.“ Nachbarin Anneliese Maschke aus Hofolding brach eine Lanze für „vermehrte Photovoltaik auf den Dächern“. Das sei erstens sinnvoll und bedinge keine Naturzerstörung im Forst.

Frank Winkler aus München sah dies anders. „Gerade die Öko-Bilanz spricht für die Windkraft“, sagte der Energieanlagenplaner, der seit 20 Jahren „Windmühlen“ konzipiert. „Eine Windkraftanlage bietet den 40fachen Energiewert ihrer Herstellung“, betonte er. Forst sei nicht gleich im Forst. „Entlang der Autobahn kann sich Winkler eine Windtrasse gut vorstellen.

Aeneas Luft von der Münchner Fridays-for-Future-Ortsgruppe sah dies genauso. „Windkraft macht auch im Wald Sinn“ weil dieser sich aufgrund des klimatischen Wandels und nicht zukunftsfähiger Fichten-Monokulturen intensiv verändere. „Es geht auch nicht an, dass die Politik jede umweltpolitische Erneuerung ausbremst und die Verantwortlichkeit für eine zukunftsbewusste Energiepolitik delegiert“, sagte Luft. Prompt intonierte ein kleiner Chor: „Wir stehen hier für Windkraft fest zusammen!“ Eine Einigung mit den Demonstranten von „Wald-ohne-Windrad“ gegenüber gab es nicht.

Verbleib in der Arge wird entschieden

Am Mittwoch nächster Woche schreiten die Dinge ein Stück voran. Dann soll der Brunnthaler Gemeinderat darüber befinden, ob nach den drei anderen Kommunen das streitfreudige Brunnthal dem Standortsicherungsvertrag zustimmt und in der Arge verbleibt. Die CSU ist in der Frage gespalten. Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer hatte sich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder gegen die Windkraftbestrebungen ausgesprochen. Andererseits gibt es auch die Sorge, ohne Vertrag sei einer Windkraft-Nutzung ohne Grenzen im Forst erst Tür und Tor geöffnet. Ob die Windkraft durch Rotoren im Forst jemals wirklich gebündelt wird, bleibt indes noch abzuwarten. Die Entscheidung über die weitere Arge-Mitgliedschaft Brunnthals soll laut Bürgermeister Kern öffentlich, die über den Standortsicherungsvertrag in nicht öffentlicher Sitzung fallen.

Lesen Sie auch: Neue Details: So viele Windräder sollen im Hofoldinger Forst entstehen.

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