Die erste Fahnenweihe des Trachtenvereins „Edelweiß“ Brunnthal fand 1922 statt.
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Die erste Fahnenweihe des Trachtenvereins „Edelweiß“ Brunnthal fand 1922 statt.

Kleine Feier im Herbst?

Seit 1920 keine Nachwuchssorgen: Trachtenverein Edelweiß Brunnthal wird 100 - Feier im Herbst?

  • vonHarald Hettich
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Der Trachtenverein Edelweiß Brunnthal gehört zu den aktivsten seiner Art. Gerade zum Hundertjährigen ist er aber momentan zum Nichtstun verdammt. Die eigentlich an diesem Wochenende fällige Hundertjahrfeier wollen sie aber bald nachholen.

Brunnthal – Generationenübergreifende Brauchtumspflege mit Volkstänzen, Plattln, wechselnden Theateraufführungen, Musik- und Gesangsgruppen und nicht zuletzt der Trachtenpflege: Diesem steten Kanon der traditionellen Wertevermittlung hat sich der Heimat- und Volkstrachtenverein Edelweiß Brunnthal seit seinen Anfangstagen mit viel Akribie und Erfolg verschrieben. Dem schnelllebigen Zeitgeist durch werthaltiges Brauchtum zu begegnen, das ist seit der Gründung steter Ansatz. In diesem Jahr wird der in der Gemeinde Brunnthal und ihren Ortsteilen tief verankerte Verein 100 Jahre alt.

Doch die große Jubiläumsfeier mit einem Potpourri der Festlichkeiten an fünf Maitagen muss aus bekannten Gründen ausfallen. Lichtblicke versenden die Trachtenfreunde dennoch. Falls möglich, soll heuer im Herbst oder spätestens im kommenden Jahr ein „abgespecktes“ Fest stattfinden. Fix freilich ist in diesen Tagen noch nix. Beim Vor-Ort-Besuch bietet sich ein eher trauriges Bild. „Eigentlich hätte es genau heute losgehen sollen“, bekundet Vorstand Georg Hauser und schüttelt den Kopf. Doch anstelle eines fröhlichen Festtreibens in und um das schmucke Vereinsheim am Maurerweg haben sich heute nur einige Vorstands-Herrschaften zum Krisengespräch eingefunden.

25 Helfer haben sich umsonst die Mühe gemacht

Draußen scheint beim Gruppenfoto mit durchaus gequältem Gruppenlächeln die Sonne fast wie zum Hohn. Drinnen dann wird die Verzweiflung offenkundig. Leere Sitzreihen, wo sonst die Stimmung überschwappen würde. Ganz hinten hängt noch das große Plakat mit dem Festprogramm. „Ein harter Kern von 25 Helferinnen und Helfern hat für dieses Fest gewerkelt – leider umsonst“, beklagt Hausers Vorstandskollege Franz Mayr.

Der heutige Vorstand (v.li.) Franz Mayr, Anita und Günther Fendt sowie Vereinschef Siegfried Hauser hoffen auf ein kleines Jubiläumsfest im Herbst.

Dabei wäre alles so schön gewesen für die derzeit rund 180 Mitglieder. Ein Festzelt sollte errichtet werden, zum Eröffnungskonzert hätten die „3 Männer nur mit Gitarre“ aufgespielt (Neuer Termin 21. Mai 2021 – Karten bleiben gültig). Der „Hoagascht“ und „Brunnthal rockt mit Barbetrieb“ hätten die musische Generationen-Klammer erweitert. Umfangreicher Festzeltbetrieb, ein zentraler Festgottesdienst oder der Umzug durch das Dorf mit vielen befreundeten Vereinen und Unterstützern fallen jetzt ebenfalls ins Wasser.

Mit Herz und Seele für den Verein

Während die Tisch- und Stuhlreihen im Vereinsheim traurig leer dastehen, gibt sich der Vorstand trotz der Pandemie-Malaise kämpferisch. Alle vier sind in ihrer feschen Tracht erschienen – fast einer Art Rüstung gegen die grassierende Verzweiflung. „Es wäre wichtig für den Verein, dass wir trotz Corona im Herbst oder Frühjahr dennoch ein kleineres Jubiläumsfest ausrichten könnten“, betont Anita Fendt. Mit ihrem Mann Günther Fendt ist sie eine „Zuazogne“. Vor zwölf Jahren kamen die beiden nach Brunnthal, lieben das Dorfleben und insbesondere „ihren“ Trachtenverein. „Das ist in Tanz gelebtes Brauchtum, hier werden wichtige dörfliche Strukturen erhalten“, betont Günther Fendt. Beide sind mittlerweile im Vorstand des Vereins aktiv und mit Herz und Seele dabei. Das soll trotz aller aktuellen Sorgen so bleiben.

Vierzig junge Leute machen eifrig mit

Gerade auf die Nachwuchspflege im Verein ist man bei den „Edelweißen“ stolz. „Wir pflegen eine sehr intensive Jugendarbeit“, betont Georg Hauser. „Viele engagierte Übungsleiter kümmern sich um unseren Nachwuchs.“ Das hat sich herumgesprochen. Während es anderswo beim Nachwuchs zwickt, haben die Brunnthaler vierzig ganz junge Leute in ihren Reihen. „Natürlich wäre ein Fest wichtig gewesen, um die Fahne hochzuhalten“, betont Mit-Vorstand Mayr.

Lesenswert ist die schon fertige, liebevoll gestaltete Festschrift.

Im wahrsten Wortsinne. Denn die 1980 geweihte Fahne ist ein besonders edles Stück. Einst in achtmonatiger Arbeit im Kloster Schlehdorf kunstvoll gestickt, war sie 2010 restauriert worden. Zum 100. Vereinsgeburtstag hatten nun die Ehrenmitglieder ein weiteres, schmuckvolles Erinnerungsband gestiftet. Die Brunnthaler hoffen, dass es möglichst noch im Herbst zum Einsatz kommt. „Schlimm ist, dass man derzeit gar nicht weiß, wie es weitergeht“, betonen die Vier fast im Chor. Immerhin: „Der finanzielle Schaden wird uns nicht das Genick brechen“, betont Hauser. Der Verein habe in den Jahren und Jahrzehnten zuvor gut gewirtschaftet und erfreue sich einiger Gönner in der Gemeinde.

„Uns gibt es noch!“

„Das nächste Fest kommt bestimmt!“, findet Franz Mayr einen wichtigen Ansatz. „Uns gibt es noch“. Er klopft auf den Tisch, die anderen nicken zustimmend. Etwas Leben kommt so doch noch ins Vereinsheim. Man kann sich lebhaft vorstellen, was los sein wird, wenn die Pandemie erst vorbei ist. Wenn das Edelweiß wieder strahlt, werden sie wohl auf den Tischen tanzen.

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