Siegfried Hauser am Feldkreuz in Hofolding
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Ein Mann und sein Kreuz: Siegfried Hauser an seinem Lieblingsplatz unter der Kastanie an seinem neuen Feld- und Wegkreuz am Reißweg.

Landwirt und Schreiner erschafft Kleinod in Hofolding

Siegfried Hauser, der Herrgott und sein Feldkreuz

  • vonHarald Hettich
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Einen Ort der Einkehr zu schaffen, um in dieser hektischen Welt Tradition und Glaube nicht zu verlieren: Siegfried Hauser hat in Hofolding ein Kleinod mit einem extra gefertigten Feldkreuz geschaffen.

Hofolding – An diesem herrlichen, sonnentrunkenen Spätsommer-Nachmittag hat sich Siegfried Hauser aus Hofolding auf seiner Sitzbank unter einer ehrwürdigen alten Kastanie niedergelassen und blickt mit sichtlicher Freude auf das von ihm neu errichtete Feldkreuz. Hier am Reißweg ist fast schon vorabendliche Ruhe eingekehrt, von hektischem Treiben keine Spur. Hauser hat am Rande seines Hofs auf eigenem Grund zwischen Wald, Acker und Wiesenflächen ein Kleinod geschaffen, das er wie seinen Augapfel hütet.

Fußgänger kommen vorbei, halten kurz inne.

Lämmer, Schweine, Hasen und Masthendl tummeln sich im Freien. Fußgänger kommen vorbei, halten am Kreuz kurz inne und wandeln dann entspannt auf dem Feldweg weiter nach Westen zum Waldrand. „Das ist alles noch mein Grund“, beschreibt Hauser die Ausmaße seines Grundbesitzes mit rund 7,5 Hektar Feldern und 7 Hektar Wald, den die Familie in vierter Generation betreibt. Vor Jahren schon hat Hauser den Hof auf „Bio“ umgestellt.

Entlang dieser gerne genutzten Spaziergänger-Runde am Waldsaum zwischen Hofolding und Brunnthal hat der rührige Bauer weitere Sitzbänke errichtet. „Die Leut’ sollen auch mal rasten und zur Ruhe kommen“, verrät einer, der sich selbst als vitaler und daueraktiver Geist zuletzt zwangsmäßig selbst Ruhe verordnen musste.

„Es ist ein Herrgott aus Landsberg.“

Erkrankungen bremsten den agilen 64-Jährigen aus, der nach vielen Jahren der Doppelbelastung mit Bauernhof und als hauptberuflicher Schreiner und Schalungszimmerer inzwischen als „Unruheständler“ zumindest etwas mehr Zeit auch für sich hat.

Hauser blickt von seiner Bank aus rundherum und schmunzelt zufrieden. „Hier bin ich gern“, gesteht er. Sein Blick verharrt jetzt mit leuchtenden Augen am Feldkreuz. „Es ist ein Herrgott aus Landsberg“, verrät Hauser. Dort am Lech hatte er die edle Lärchenholz-Skulptur erworben. „Die Großmutter des damaligen Besitzers hatte das Bildnis 1945 aufgestellt, weil das Familienanwesen vom Krieg verschont geblieben war“. Mehrere Bewerber habe es gegeben, die die Jesus-Figur wollten. „Ich habe den Zuschlag bekommen, auch weil ich versprochen habe, dass ihre Figur weiter im christlichen Sinne genutzt wird“. Es sei halt wichtig, dass inmitten dieser hektischen Zeit auch gewachsene Werte von Glauben bis Tradition nicht zu kurz kämen.

In Corona-Zeiten ist das Kreuz unter freiem Himmel auch so etwas wie ein Kirchen-Ersatz.

Hauser hat die Holzskulptur behutsam sandgestrahlt, dann vorsichtig abgeschliffen und mit Bienenwachs eingelassen. Drei Monate regelmäßig an den Abenden hat Hauser stundenlang an dem sakralen Objekt gewirkt. „Im Juli habe ich mit meinen beiden Söhnen Franz und Josef das Kreuz aufgestellt“, erzählt Hauser. Gattin Christa versorgt das Arrangement regelmäßig liebevoll mit frischen Blumen. Pfarrer Toni Wolf weihte das Kreuz im Rahmen eines kleinen Festes. Seither bietet das Kleinod wertvolle Momente des Innehaltens.

„In diesen Corona-Zeiten ist das Kreuz unter freiem Himmel auch so etwas wie ein Kirchenersatz“, sagt Hauser. Immer wieder würden hier Leute auf ihrem Spaziergang, bei Radtouren oder zielgerichtet daher kommen, beten, rasten, nachdenken. Während Hauser entspannt erzählt, wird das Ensemble auch tierisch genutzt. Ein Eichhörnchen klettert flugs auf die Kastanie und wagt einen ebenfalls entspannten Rundblick. Hauser lacht.

„Hier kannst du nachdenken, mit Freunden eine Feierabend-Halbe trinken oder politisieren.“

„Hier kannst du nachdenken, mit Freunden mal eine Feierabend-Halbe trinken oder auch politisieren“. Wobei der erklärte Christ Hauser im Schatten des Heilands ruhiger argumentiert als bisweilen im Brunnthaler Rat, dem er seit vielen Jahren angehört. Hier am Wald- und Feldesrand ist es ruhig und anheimelnd.

Allmählich überziehen die Vorboten des Sommerabends das beschauliche Fleckerl. Eine Oma mit Kleinkind kommt vorbei. Kurzer Gruß, dann widmen sich die beiden dem Kreuz und dem Innehalten. Die Oma erklärt, der Enkel lauscht. Das Feldkreuz leuchtet in der Abendsonne.

Hauser und das Eichhörnchen schauen zu. „Wir müssen die Natur und die Tradition bewahren“, sagt er zum Abschied unter der Kastanie. Siegfried Hauser trägt seinen Teil dazu fraglos bei.

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