Östlich des Geldhauser-Geländes und nördlich der Tannenstraße bekommen die Burschen jetzt ihren Platz.
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Östlich des Geldhauser-Geländes und nördlich der Tannenstraße bekommen die Burschen jetzt ihren Platz.

Abstimmung mit knappem Ausgang nach Diskussion um Brauchtumspflege im Gemeinderat

Faistenhaarer Burschen bekommen feste Heimat

  • vonHarald Hettich
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Brunnthals und Hofoldings Burschen haben schon länger eine feste Heimat. Jetzt sind die Faistenhaarer Burschen an der Reihe.

Am Schluss war es eine hauchdünne CSU-Mehrheit: Mit 11 gegen 10 Stimmen der Opposition stimmten sie für eine fest verankerte Hütte der Faistenhaarer Burschen auf einem bislang für den Grünausgleich vorgesehenen Areal nördlich der Tannenstraße im Grenzbereich von Hofolding und Faistenhaar – direkt östlich anschließend an das zuletzt erweiterte Geldhauser-Gelände.

Nachdem Brunnthals und Hofoldings Burschen im gemeindlichen Bauhof und altem Feuerwehrhaus längst eine Dauerheimat gefunden haben, sollte die Faistenhaarer Fraktion nun ebenfalls versorgt werden. Kein einfaches Unterfangen. Das bisweilen starr anmutende Immissionsschutzgesetz des Freistaates im Verbund mit dauerhaft kritischen Anwohnern erschwert Standortsuche und Traditionspflege auch in Brunnthal zunehmend. Schwieriger Hintergrund gleich in mehrfacher Hinsicht: Faistenhaars Burschen sehnen einen festen Standort für die Maibaumwache und eigene Veranstaltungen seit Jahren herbei. Weil die Maifeierlichkeiten für das eigene Traditionsstangerl am 1. Mai der Pandemie zum Opfer fielen, mussten die jungen Leute wieder mal umplanen. Auf einem Privatgelände zwischen Faistenhaar und Waldsiedlung wurde der Maibaum samt Wachhütte platziert. „Großer Widerstand“ habe sich dagegen in der Waldsiedlung formiert, berichtete Bürgermeister Stefan Kern (CSU) im Gremium. Der Mann ist in der Bredouille: Einerseits klagen Anwohner gegen Lärm und krähende Hähne. Andererseits gilt es die Tradition hochzuhalten. „Mancher hat beim Tanz im Burschenverein seine Lebenspartnerin kennengelernt“, sagte Kern fast nostalgisch. Sein Fraktionskollege Andreas Langner wurde deutlicher. „Irgendwo muss man doch noch feiern können – oder soll man wie bei den Kelten einen Gral zwischen den Ortschaften platzieren?“

Robert Huber von der PWB ermahnte die Burschen. „Dauerfeiern geht nicht“. Allerdings brauche man einen festen Standort auch in Faistenhaar. Der Bereich um den Ortsplatz und das ehemalige Raiffeisengebäude kommt dafür trotz manchen Ratswunsches nicht in Frage. „Der Immissionsschutz gibt uns klare Grenzen vor, wenn Anwohner zu nahe dran sind“, beschied Rathauschef Kern einen Vorstoß des Grünen Michael Lechner.

Probleme birgt aus Sicht mancher im Rat auch der jetzt beschlossene Standort. Während Kern von 300 Metern Abstand zur Nachbarbebauung spricht, haben Matthias Amtmann (UBW) oder Hilde Miner (Grüne) offenbar genau nachgemessen. „180 Meter“„ lautet deren Messergebnis mit Blickrichtung Fichtenstraße. „Hier baulich feste Strukturen zu schaffen – das behagt mir gar nicht“, betonte Amtmann. „Wir holen uns da Probleme mit den Anwohnern ins Haus, die absehbar sind“. Vor allem sei das jetzt für die Burschen avisierte Gelände für wichtige Ausgleichspflanzungen nach den umfangreichen Erweiterungen beim Bus-Unternehmen Geldhauser weiter westlich vorgesehen gewesen. „Das wird jetzt wieder aufgeweicht“, befürchtet der UBW-Mann.

„Solche Vereine halten unser Dorfleben doch hoch“, entgegnete Thomas Mayer (CSU). Viele kämen wegen des Brauchtums nach Bayern. Dann dürfe man es auch nicht abschaffen. „Wir müssen die Kultur doch erhalten“, brach der Burschen-Interims-Gastgeber und Gemeinderat Martin Werntshofner eine Lanze für die kulturelle Zukunft und Vielfalt im Ort. „Es wird alles immer schwieriger und überall ist Belästigung“! Damit sei das Ende der Ortskultur irgendwann eingeläutet.

Die Gemeinde zahlt nach knappem Votum für Bauantrag, Planungskosten, Grunderwerb, die obligatorische Bodenplatte als Signal der Dauerlösung und die Erschließung. Die Burschen werkeln am Bau mit. Auf rund 60 000 Euro rechnete Kern auf Nachfrage Hilde Miners das gemeindliche Engagement hoch.

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