Offensive für autonomes Fahren: (v.l.) Florian Bogenberger, Moderator Christoph Heer, Tim Gutheit, Thorsten Lüttel und Stefan Mäntele überzeugten auch Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller.
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Offensive für autonomes Fahren: (v.l.) Florian Bogenberger, Moderator Christoph Heer, Tim Gutheit, Thorsten Lüttel und Stefan Mäntele überzeugten auch Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller.

Neubiberger Wirtschaftsforum: Selbstbewusste Gemeinde trifft auf starke Forschung

Geburtsstätte des autonomen Fahrens

  • VonHarald Hettich
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„Neubiberg – Geburtsstätte und Treiber für autonomes Fahren“ war das 3. Neubiberger Wirtschaftsforum überschrieben.

Neubiberg - Spannende drei Stunden mit vier Impulsvorträgen renommierter Wissenschaftler ließen keinen Zweifel aufkommen: Die einst beschauliche Gartenstadt ist mit wichtigen Standorten von „Global Playern“ wie Infineon oder Intel, aber auch durch eine starke Forschungs-Expertise an der Universität der Bundeswehr zu einem Motor des Fortschritts auf diesem Sektor geworden. Das ist auch bei der Politik angekommen. „Neubiberg kann sich mit Fug und Recht als Geburtsstätte und Treiber des autonomen Fahrens bezeichnen“, freute sich Bürgermeister Thomas Pardeller. Sein CSU-Parteikollege und Bundestagsabgeordneter Florian Hahn „genoss trotz Wahlstress diesen Abend“. Er betonte, es sei wichtig, die Forschung mit dem „notwendigen Kleingeld“ auszustatten.

Bundeswehr-Uno vorne mit dabei

Hört man, was die heimischen Halbleiter-Hersteller und die Bundeswehr-Uni erklärt, dann könnte man nach jahrzehntelanger Forschung schon ganz nah dran sein am fahrerlosen Fahren. Allerdings: Noch ist ein großer Schritt zu machen. Denn das pausenlos fehlerfreie Erkennen der Umwelt ist Grundvoraussetzung für ein vollautomatisiertes Fahren der Zukunft. Dennoch: „Wir hier im Saal werden das aber alle noch erleben“, lautete die Kernbotschaft von Tim Gutheit aus den Reihen der Infineon Technologies AG auf Fragen des Publikums zum Zeithorizont.

Infineon hat allein am Standort Neubiberg 7000 Mitarbeiter

Rund 46 00 Mitarbeiter hat das Unternehmen weltweit. Auch für den wichtigen Standort Neubiberg mit derzeit rund 7000 Beschäftigten gilt Gutheits Prognose von der „Tendenz stark steigend“. Eine Entwicklung, die sich auch auf die Gemeinde Neubiberg positiv auswirkt.

Ein wichtiger Player ist seit Jahrzehnten die Universität der Bundeswehr. Dort schickte bereits 1986 der inzwischen emeritierte Professor Ernst Dieter Dickmanns das erste autonome Fahrzeug computergesteuert auf die –dafür damals noch für den Normalverkehr gesperrte – Autobahnstrecke nach Dingolfing. Seine Nachfolger am Institut für Technik autonomer Systeme blicken längst entschlossen nach vorne. „In einigen Jahren, aber eben noch nicht morgen“ will man das autonome Fahren im innerstädtischen Alltagsverkehr etablieren, bekräftigte Institutsmitarbeiter Thorsten Lüttel. „An der multimedialen Wahrnehmung“ werde geforscht – mit hochwertigen Laserscannern, sensiblen Kamera- und Radarsystemen. „Automatisiertes Fahren ist nur möglich, wenn die komplette Umwelt erfasst ist“, waren sich Gutheit und Lüttel einig. Dies werde man erreichen.

Antworten für die Skeptiker im Saal

Skeptikern im Saal führte Gutheit vor Augen, dass man zwar den eigenen Großvater mit Sehschwäche die Kinder vom Kindergarten abholen lasse. Aber bei einer vielfach abgesicherten Technik diese Fähigkeit nicht unterstelle. „Künstliche Intelligenz“ nennt diesen epochalen Fortschritt Stefan Mäntele von Intel Deutschland, einem weiteren wichtigen Unternehmen mit Neubiberger Groß-Dependance. „Exponentiell steigende Rechnerleistungen“ und „die Verügbarkeit passender Werkzeuge“ seien für die großen Fortschritte verantwortlich.

Neubiberger Firma exida.com agiert in der Branche weltweit als eine Art TÜV

Florian Bogenberger von der Neubiberger Firma exida.com agiert in der Branche weltweit als eine Art TÜV. Sein Computer-Ausfall beim Fachvortrag zum Thema Sicherheit war zwar geplant. Zeigt aber klar die verbliebenen Hemmnisse des Fortschrittes auf. Aber Bogenberger zeigte sich insgesamt auch als Optimist und Fürsprecher der Forschung. „Warum tun wir uns das alles an?“ fragte er rhetorisch in den Raum. „Weil der Nutzen größer sein soll als das Risiko. Weil wir die Schwelle zu Unfall-Null erreichen wollen.“

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