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Technikwelt: die Geothermie-Anlage in Kirchstockach.

Fernwärme für die Region aus Brunnthal ab 2019

Vier Gemeinden, ein Wärmeprojekt

Brunnthal – Strom gibt's schon, Wärme ab 2019. Dann sollen die Geothermie-Anlagen die Region versorgen. Nur Hohenbrunn zieht nicht so recht mit.

Die Kraftwerke in Kirchstockach und Dürrnhaar sind Deutschlands leistungsstärkste Geothermieanlagen. Sie sollen ab 2019 Haushalte und öffentliche Gebäude in Ottobrunn, Hohenbrunn, Neubiberg und Höhenkirchen mit Fernwärme versorgen. Den Umfang des auf 25 Jahre ausgerichteten Wärme-Liefervertrags zwischen der Energieversorgung Ottobrunn GmbH und der Geothermie-Projekte GmbH & Co. KG (SGG) präsentierten die Partner gestern in Kirchstockach. 

Seit 2004 liefen bereits die Vorbereitungen für das ehrgeizige gemeinsame Projekt. Nach ersten Bohrungen ab 2007 erzeugen die beiden Kraftwerke seit 2012 Strom für das öffentliche Netz – bislang allerdings ausschließlich elektrischen. Um das geothermische Potenzial der Anlagen künftig auch für die Wärmegewinnung in den Gemeinden zu nutzen und möglichst viele Haushalte mit Wärme zu versorgen, soll das Netz in den kommenden Jahren stark ausgebaut werden. 

Sogar die Vision eines regionalen Fernwärmenetzes für den gesamten Münchner Süden bis in die Stadt plakatierte Geschäftsführer Thomas Hoppenz von der Energieversorgung Ottobrunn (EVO). 

Seine optimistische Sicht teilten – trotz langer und nicht immer problemfreier Vorlaufzeit des Projekts – die drei Bürgermeister Thomas Loderer (Ottobrunn), Günter Heyland (Neubiberg) und Ursula Mayer (Höhenkirchen-Siegertsbrunn). Alle drei wollen die innovative Energieform in ihren Gemeinden aktiv fördern. Der Optimismus der Gemeinde-Chefs speist sich sicherlich auch aus dem Umstand, dass das unternehmerische Risiko des 25-Millionen-Euro-Projektes Geothermie bei den Partnerunternehmen liegt – und nicht bei den Kommunen. 

„Ein Tag, auf den wir lange gewartet haben“, betonte Ottobrunns Rathauschef Loderer. „Ottobrunn wird zwar nie ein Geothermie-Quell, aber dafür ein umso größerer Abnehmer sein.“ So soll etwa die Josef-Seliger-Siedlung, die derzeit völlig saniert wird, künftig komplett mit Geothermie versorgt werden. „Vertrauen in die Geothermie haben wir auch beim Neubau des Gymnasiums Ottobrunn ganz ohne Heizungskeller bewiesen“, fügte Loderer schmunzelnd hinzu. Frieren müssten die Schüler und Lehrer aber bis zum Start der Geothermie-Versorgung im Jahr 2019 nicht: Über eine Kraft-Wärme-Kopplung sei die Übergangsphase gelöst. Und auch der Schulzweckverband insgesamt soll die Geothermie anschieben und diese Energieform bei seinen Gebäuden nutzen. 

Breit aufgestellt ist in diesem Bereich auch die Kommune Neubiberg. Die SGG ist bereits der fünfte „grüne“ Versorger in der Gemeinde. „Uns hat gefallen, dass das Konsortium der Gemeinde tolle Perspektiven aufgezeigt hat“, sagte Rathauschef Heyland. Im Umkehrschluss werde man die Geothermie in Neubiberg „intensiv bewerben“.

Auch seine Amtskollegin Ursula Mayer aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist „optimistisch“. Zwischen Dürrnhaar und Kirchstockach gelegen, sei die Kommune „lachender Dritter“ entlang der rund sechs Kilometer langen, südöstlich ausgerichteten Rohrleitungsstrecke. 

Überzeugungsarbeit muss noch in Hohenbrunn geleistet werden. Dort beschränkt sich die Versorgung mit Fernwärme bislang auf des Riemerlinger Schulzentrum und das Schwimmbad, ergänzte Loderer. Nicht verständlich aus Sicht der Befürworter. „Zuverlässig, unerschöpflich, preisstabil, nachhaltig, kohlendioxidarm, rund um die Uhr verfügbar und witterungsabhängig, erneuerbar.“ So warben SGG-Geschäftsführer Tilo Wachter und EVO-Chef Thomas Hoppenz für diese Form der Energieversorgung.

Harald Hettich

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