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Hängt an ihren Kaninchen: Claudia Bernau hat die Sattelkamm er ihres Pferdestalls zum Kaninchengehege umgebaut, damit die Tiere mehr Bewegungsfreiraum haben.

Veterinäramt wirft mangelhafte Haltung vor

Multiple-Sklerose-Patientin kämpft um ihre Kaninchen

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Dutzende Kaninchen hält Claudia Bernau in Hofolding. Jetzt hat sie Ärger mit dem Landratsamt. Dort kritisiert man die Art der Haltung und hat der 49-Jährigen Tiere weggenommen. Die Holzkirchnerin, die an Multipler Sklerose leidet, will ihre Kaninchen zurück. Denn sie würden ihr dabei helfen, die Krankheit erträglich zu machen.

Hofolding– Wie groß muss ein Käfig sein, damit Kaninchen dort artgerecht leben können? Bei welchen Temperaturen fühlen sie sich wohl? Und ist eine Einzelhaltung der Tiere zulässig? Über diese Fragen ist ein Streit zwischen der langjährigen Kaninchenhalterin Claudia Bernau und Vertretern des Veterinäramts im Landratsamt München entbrannt.

Mitarbeiter des Veterinäramts haben Anfang und Mitte Dezember nach einer anonymen Anzeige unangemeldet die Behausungen der Kaninchen kontrolliert, die auf dem Grundstück stehen, das die Holzkirchnerin vor rund eineinhalb Jahren gepachtet hat. Das Fazit der Veterinäre: „Es handelt sich um eine tierschutzwidrige Haltung.“ So steht es jedenfalls in dem Anhörungsschreiben des Landratsamtes an Bernaus Anwältin, in der diverse Mängel aufgelistet und der Tierhalterin Fristen gesetzt werden, um diese zu beheben.

Ställe zu klein und zu unsauber

Konkret wirft der amtstierärztliche Dienst Bernau vor, 53 Kaninchen in „zu kleinen, nicht strukturierten und unsauberen Stallungen ohne sauberes Streu, Futter und Tränkewasser“ unterzubringen. Außerdem wird die Einzelhaltung von mehreren Tieren kritisiert sowie die aus Sicht der Behörde unzureichende tierärztliche Versorgung. Laut Landratsamtsprecherin Christina Walzner bemängelt das Amt die unkontrollierte Nachzucht und den nicht ausreichend verwirklichten Witterungsschutz.

Bernau wehrt sich gegen diese Darstellung. „Meinen Tieren geht es gut“, behauptet sie. Die dreifache Mutter, die an Multipler Sklerose, einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems, leidet, hält sich neben den Kaninchen auf dem Gelände auch Pferde. Das Reiten, vor allem aber auch die Pflege aller Tiere, würden dafür sorgen, dass sie in Bewegung – und damit beweglich – bleibt, sagt die 49-Jährige: „Dank ihnen halte ich die Krankheit einigermaßen in Schach.“ An der Pferdehaltung hat das Amt auch nichts auszusetzen, wohl aber daran, wie viele Kaninchen sich in Bernaus Obhut befinden – und unter welchen Verhältnissen sie leben.

Den Vorwurf, sie versorge die Kaninchen nicht ausreichend, weist Bernau vehement zurück. „Ich bin jeden Tag vor Ort, um ihnen frisches Wasser und Futter zu geben und die Käfige sauber zu machen.“ Sie verwende hochwertiges Einstreu, um die Käfige trocken zu halten. Dass die Tiere ab und an Wasser verschütten, dafür könne sie nichts. Ebenso wenig dafür, dass die Kaninchen auch da ihr Geschäft verrichten, wo sie ihren Schlafplatz haben. Die Mitarbeiter des Veterinäramts argumentieren, durch die zu kleinen Käfige, sei für die Tiere eine Trennung der Funktionsbereiche, also Schlaf-, Fress- und Kotplatz, nicht möglich.

Die Käfiggröße an sich ist ein zentraler Streitpunkt. Im Anbau am Stall hat Bernau eigenen Angaben zufolge Käfige, auch Buchten genannt, mit einer Höhe von 56 Zentimetern und einer Grundfläche von 2160 Quadratzentimetern. In solchen leben die einzeln gehaltenen Tiere, zum Beispiel die nicht kastrierten Böcke. Für Tiere, die zusammenleben, hat sie mindestens zwei Buchten kombiniert. Damit seien die Käfige größer, als es eine Rechtsvorschrift der Tierhaltungsverordnung vorsieht, sagt sie.

Die Behörde hält dagegen, die Ställe seien deutlich zu klein. Die von Bernau herangezogene Vorgabe gelte nur für die Haltung für Kaninchen als Nutztiere. Bernau wiederum legt Wert darauf, dass sie die Kaninchen nicht züchte – weder zum Verzehr noch „aus anderen kommerziellen Gründen“. Viele der Tiere – einige auch mit körperlichen Mankos – seien bei ihr abgegeben worden. Und obwohl sie darauf achte, dass die nicht kastrierten männlichen Tiere von den anderen getrennt werden, habe es durch „Unfälle“ zwei, drei ungewollte Würfe gegeben.

Verschiedene Ansichten herrschen auch darüber, ob die Unterkünfte der Tiere isoliert werden müssen. Die Tierschutzbehörde will, dass Bernau die Behausungen so gestaltet, dass das Klima dort frostfrei ist. Bernau hält das für überflüssig: „Uns ist noch nie ein Tier erfroren oder im Winter wegen der niedrigen Temperaturen erkrankt.“

Halterin will guten Willen zeigen

Zum Vorwurf der Einzelhaltung sagt Bernau, sie halte nur männliche Tiere isoliert, die noch nicht kastriert sind, sowie weibliche Tiere, die sich mit anderen absolut nicht vertragen. Der Forderung der Behörde, die männlichen Tiere kastrieren zu lassen, will die Holzkirchnerin nachkommen. Sie hat auch die Sattelkammer ihres Pferdestalls mittlerweile umgestaltet, damit einige der Hasen mehr Bewegungsraum haben. „Ich zeige wirklich guten Willen“, sagt Bernau.

Elf Kaninchen sind im Tierheim

Doch auf eine Forderung der Behörde will sie auf keinen Fall eingehen: einen Teil der Tiere abzugeben. „Ich habe zu jedem Tier eine persönliche Beziehung“, sagt sie. Dass das Veterinäramt beim zweiten Kontrollbesuch elf Tiere mitgenommen hat, die mittlerweile im Tierheim untergekommen sind, findet die Holzkirchnerin unsäglich. „Ich dachte immer, wir leben in einem Rechtsstaat.“ Zwar stellt das Landratsamt eine Rückgabe der Tiere in Aussicht. „Sie erfolgt auf Grundlage einer positiven Einschätzung der Gesamtsituation und der Erfüllung gewisser Auflagenpunkte, die tierschutzgerechte Bedingungen herstellen sollen“, erläutert Walzner. Doch derzeit sind die Fronten verhärtet, sodass es fraglich ist, ob Bernau die Tiere zurückbekommt.

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