Protestmarsch durchs Gewerbegebiet Brunnthal-Nord: Bei einer von der Gewerkschaft Verdi organisierten Demonstration setzen sich Mitarbeiter des schwedischen Möbelhauses Ikea lautstark für faire Löhne und insbesondere eine Tarifbindung ein.
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Protestmarsch durchs Gewerbegebiet Brunnthal-Nord: Bei einer von der Gewerkschaft Verdi organisierten Demonstration setzen sich Mitarbeiter des schwedischen Möbelhauses Ikea lautstark für faire Löhne und insbesondere eine Tarifbindung ein.

Kundgebung im Gewerbegebiet Brunnthal-Nord

Ikea-Mitarbeiter gehen auf die Straße: „Alles wird teurer – ich auch“

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Gegen Altersarmut, für faire Bezahlung sowie eine Tarifbindung: Darum ging es bei einer Demonstration von Ikea-Mitarbeitern am Standort Brunnthal.

Brunnthal – Das Wetter meinte es nicht gut mit den Demonstranten, es schüttete zeitweise wie aus Kübeln. Na und? In ihrem Bestreben, für faire Löhne und insbesondere eine Tarifbindung zu kämpfen, ließen sich rund 100 Ikea-Mitarbeiter in Brunnthal nicht vom Regen ausbremsen. „Habt ihr Angst vor Wasser?“, tönte es durch die Lautsprecher vom Kundgebungswagen der Gewerkschaft Verdi. Ein vielfaches „Nein“ schallte als Antwort zurück – und zum Rhythmus der herabprasselnden Regentropfen skandierten die Ikea-Mitarbeiter unverdrossen: „Gute Arbeit, gutes Geld!“

Im Konflikt geht es laut Verdi vor allem um die Tarifbindung

Es geht um den Tarifkonflikt im Einzelhandel – neben Mitarbeitern von Ikea beteiligten sich auch Kollegen von Lidl an der Kundgebung. „Die Arbeitgeber bieten zwei Prozent Gehaltserhöhung an, viele Unternehmen wollen aber keine Tarifbindung, alles beruht auf Freiwilligkeit“, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Stephanie Gebhart-Gill gegenüber dem Münchner Merkur die Hintergründe. „Trotz der Corona-Pandemie haben die Belegschaften Unglaubliches geleistet. Das muss honoriert werden.“

Im Ikea-Parkdeck formierte sich der Zug, marschierte über die von der Polizei zeitweise gesperrte B 471 zum Metro-Parkplatz in der Zusestraße, wo drei Kundgebungen stattfanden. Mit Protestmärschen zwischendurch, um die im Stau stehenden Kunden für den Tarifkonflikt zu sensibilisieren: „Grüßt alle Autofahrer“, rief Gewerkschaftssekretär Dominik Datz den in gelben Westen und mit roten Regenschirmen Demonstrierenden zu.

Demonstranten wandeln Werbeslogan des schwedischen Möbelhauses ab

Viele hatten Transparente kreiert, um ihr Anliegen publik zu machen. „Alles wird teurer – ich auch“, stand auf einem Plakat, ein anderer Kollege reimte in Anspielung auf die Farben des schwedischen Möbelhauses: „Gelb wie die Sonne, blau wie das Meer – Ikea hat Kohle, gibt aber nix her.“ Auch den Werbeslogan von Ikea wandelten die Demonstranten witzig ab: „Streikst du schon oder arbeitest du noch?“

Einige ließen sich vom Wetter abhalten, die dem Regen Trotzenden munterte Dominik Datz per Lautsprecher auf: „Der Himmel weint nur so sehr, weil die Arbeitgeber sich so blöd anstellen.“ Die vernahmen das durchaus, ein Quartett der Arbeitgeberseite beobachtete die Kundgebung.

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