Bürgerversammlung Kirchstockach

Anbindung  von Kirchstockach geradezu „lächerlich schlecht“

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Die „Golfrange“ in Kirchstockach war mit rund 40 Bürgern vergleichsweise gut besucht. Lediglich Bürgermeister Stefan Kern (CSU) fehlte krankheitsbedingt. Doch sein Stellvertreter Thomas Mayer führte souverän und launig durch die fast familiär anmutende Veranstaltung.

Brunnthal – Einmal mehr waren in der Bürgerversammlung Kirchstockach die schlechte Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), rasende Autofahrer entlang der Rosenheimer Landstraße und innerörtlicher Schleichwege sowie Dissonanzen mit dem Unternehmen Ganser Thema. „Geradezu lächerlich schlecht angebunden“ sei man in Neukirchstockach an das öffentliche Verkehrsnetz, bekannte eine Bürgerin. Ohne Auto oder Fahrrad sei man aufgeschmissen. „Gerade auch aus Neukirchstockach kommt man mit dem ÖPNV nirgendwo hin“, bekannte die Dame. „Wir haben immer mehr Kinder und Alte, aber für diese wird auch bei der Verkehrsanbindung zu wenig getan“, rügte sie. „Wir brauchen eine verbesserte ÖPNV-Beziehung nach Ottobrunn und Höhenkirchen“, ergänzte eine zweite Bürgerin. Thomas Mayer zeigte sich einsichtig: „Wir sind da immer dran.“ Weiter südlich laufe das mit den neuen Tangentialen zwischen Sauerlach und Höhenkirchen schon gut. „Das werden wir bei Ihnen auch noch hinbringen. Es gibt halt so viele ÖPNV-Baustellen im Landkreis“, warb er noch für etwas Geduld. Die Unzufriedenheit legte sich aber nicht so schnell. „Wir reden seit 20 Jahren hier um den heißen Brei. Wie sollen die 80-Jährigen ohne Führerschein zum Arzt kommen?“, fragte ein weiterer Gast.

Bei immer mehr Verkehr auf den Straßen nehme gleichzeitig auch die Zahl der Raser zu. „Es ist ein Wahnsinn“, verurteilte ein Anwohner der „RoLa“ dortige Verhältnisse. „Es ist einfach nicht mehr erträglich“. Es brauche ständige Blitzeinrichtungen, so seine Schlussfolgerung. Viele der Anwesenden bestätigten diese Einschätzung. Verbunden mit Kritik an der Polizei. „Es wird manches Mal an den verkehrten Stellen kontrolliert“, meinte eine Anwesende.

Ebenso intensiv bewegt die Kirchstockacher das Unternehmen Ganser: Die einen treibt die dortige Biovergärung und Kompostierung auf die Barrikaden. Die anderen hoffen auf eine Erschließung ihrer oftmals landwirtschaftlichen Flächen für gewerbliche Nutzung oder Wohnbau. Rathaus-Vize Mayer beschrieb die schwierige Gemengelage. Zum einen gelte es, vor einer möglichen Wohnbebauung für die Bewerber auch im Ganser-Umfeld den Nachweis zu führen, dass „gesunde Lebensverhältnisse“ gewährleistet seien. Zum anderen sei die verkehrliche Erschließung das Hauptproblem für jene Landwirte und Grundeigentümer in diesem Bereich. „Wir wollen einfach entlang der Rosenheimer Landstraße und der Taufkirchner Straße nicht noch mehr Verkehr“, betonte Mayer. Eine Lösung der verbesserten Anbindung von Kirchstockach und der Waldsiedlung aus dem Süden sei zwar selbst von Ganser unterstützt worden. Doch scheitere ein Projekt, möglicherweise von der Umfahrung Höhenkirchen her, am Grunderwerb. „Da will ein Brunnthaler einfach nicht verkaufen“, bestätigte auch einer der Anwesenden die offenbar fehlende Neigung des Landwirtes, eigene Waldflächen für die verkehrliche Erschließung freizugeben. Viele, die vor Ort entwickeln wollen, schauen damit „in die Röhre“, wie ein Bürger am Rande bemerkte.

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