Den Hofoldinger Forst will man sich nicht kaputt machen lassen. Deshalb stimmte Brunnthal im Frühjahr gegen den Bau eines Windrads. Doch nun könnten andere Interessenten auf Brunnthaler Flur das Projekt umsetzen. 
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Den Hofoldinger Forst will man sich nicht kaputt machen lassen. Deshalb stimmte Brunnthal im Frühjahr gegen den Bau eines Windrads. Doch nun könnten andere Interessenten auf Brunnthaler Flur das Projekt umsetzen. 

Gemeinderäte sind empört

Brunnthaler wütend: Gemeinde Weyarn möchte Windrad im Hofoldinger Forst errichten

  • VonHarald Hettich
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Obwohl Brunnthal sich mehrheitlich gegen eine Windkraftanlage im Hofoldinger Forst entschieden hat, könnte nun doch auf eigener Flur ein Windrad entstehen. Eine Anfrage der Gemeinde Weyarn zur Nutzung des Forstgeländes an die Adresse des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten könnte eine Schneise in den Wald treiben.

Brunnthal - Der Brunnthaler Gemeinderat diskutierte jetzt über das Thema. Kritische Stimmen zum Vorstoß aus dem Süden überwogen. Doch erst müsse man abwarten, bis das Bayerische Landwirtschaftsministerium entscheidet, bekannte Bürgermeister Stefan Kern (CSU). Ein Thema mit Sprengkraft ist es allemal. „Es wäre ein absoluter Hammer und geradezu grotesk, wenn am Ende nicht Brunnthal selbst, sondern eine andere Gemeinde die Windkraft vor unserer Haustür betreibt“, sagte Kern.

Das sagt Weyarns Bürgermeister

Doch weil der Brunnthaler Gemeinderat im März begleitet von Anti-Windkraftprotesten mit knapper Mehrheit für einen Ausstieg aus der mit den Nachbargemeinden Sauerlach, Otterfing und Aying betriebenen ARGE Windkraft beschlossen hatte und eine eigene Windkraftanlage dort ablehnte, könnte es genauso kommen. Denn die Anfrage aus Weyarn und vonseiten des eigenen Bürgermeisters Leonhard Wöhr (CSU) hat spätestens seit dem 21. Juli dieses Jahres verstärkten Rückenwind bekommen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte damals in seiner Regierungserklärung betont, die Staatsregierung wolle künftig die Windkraft in den Staatsforsten stärken und bevorzugt dort auch neue Windkraftanlagen entstehen lassen. Für Wöhr offenbar die Initialzündung. „Unsere Motivation ist die Erfüllung unserer hohen energetischen Ziele zur Klimaneutralität“, betont der Weyarner Ratschef. Man wolle den eigenen Hut in den Ring werfen, ehe fremde Investoren tätig werden könnten. Es gelte, vor allem regionale Kommunen zu beteiligen. Brunnthal habe den ersten Zugriff. Doch sollte Brunnthal weiter nicht zugreifen, wolle man sich ins Spiel bringen, so Wöhr.

10H-Regel könnte fallen

Stichwort Rahmenbedingungen: Diese könnten sich bald schon nach der Bundestagswahl entscheidend ändern. Bereits in seiner sommerlichen Regierungserklärung hatte Söder favorisiert, anstelle der noch geltenden 10H-Regel die vorgeschriebene Abstandsfläche in Forsten und ausgesuchten Gebieten auf nur noch 1000 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung zu reduzieren. Beobachter glauben, „10H“ insgesamt werde aufgrund der immensen Anforderungen an ein energetisches Umsteuern komplett gekippt.

Wöhr wolle sich deshalb im Falle einer weiteren Brunnthaler Ablehnung „für den brachliegenden Standort in den Staatsforsten in der Gemeinde Brunnthal bewerben“. Mögliche Konzeptionen hat Weyarn – anders als Brunnthal – offenbar schon in der Schublade. So könne ein Engagement mit den eigenen Gemeindewerken Weyarn erfolgen. Auch die „Bürgersolarstrom Feldkirchen-Westerham & Weyarn GbR“ habe ihr Interesse bereits signalisiert. Wöhr liegt daran, „dass sich eben auch die Bürger daran beteiligen können“.

Entscheidung des Ministeriums abwarten

In Brunnthal will man laut Rathauschef Stefan Kern nun erst einmal die Entscheidung des Ministeriums und der Staatsforsten abwarten. „Sollte die 10H-Regelung generell kippen, haben wir ganz andere Fragestellungen anzugehen“, betont der Bürgermeister. Dann könnten sich die Rotoren – ob Brunnthaler, Weyarner oder am Ende doch rein privatwirtschaftliche – am Ende deutlich schneller und an weit mehr Standorten, als bisher gedacht, drehen.

Im Gemeinderat betonte Bürgermeister Stefan Kern, das Brunnthaler Veto aus dem März gelte ein Jahr lang. „Wenn wir nein sagen, dann wird erst einmal nicht überplant. Aber was komme danach? „Wenn sich die gesetzlichen Grundlagen nach der Bundestagswahl ändern? Wenn der Bund oder Bayern selbst den Sonderweg 10H kippen und den Forst auch für andere Kommunen freigäben? Kern bestätigte auf Nachfrage, es gebe bereits mehrere Anfragen – nicht nur aus Weyarn.

„Saustall“ oder „legitimes Ansinnen“? Stimmen aus dem Gemeinderat

Auf eine neue Grundsatzdiskussion zu „Windkraft im Forst“ hatten viele im Rat keine Lust. Andreas Langner (CSU) befürchtete gar eine „neue Pandemie der Dummheit“. Es gehe ihm „gegen den Strich, dass wir die Windkraft im Forst ablehnen und dann andere Gemeinden bei uns bauen wollen“. Fraktionskollege und Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer empfahl Weyarn und möglichen weiteren Interessenten: „Wenn Weyarn pro Windkraft ist, dann sollten sie Einfluss nehmen auf ihre eigene Regionalplanung vor Ort.“ So sei der Umgang der Kommunen untereinander aber sicher nicht der richtige. Ein „Saustall“ sei es, sagte Dritter Bürgermeister Robert Huber (PWB), an die Adresse Weyarns, wenn dort nach dem Motto verfahren werde: „Wenn Brunnthal nicht baut, dann versaut Weyarn halt den Forst.“ Offenbar sei in der Öffentlichkeit noch nicht angekommen, dass man nicht gegen Windkraft, aber gegen Windkraft im Hofoldinger Forst sei. „Aber die Windkraft wird kommen, und Weyarn will diese Energiewende vorantreiben“, erwiderte Kern. Das sei ein „legitimes Ansinnen“.

Nicht nur als legitim stuft Hilde Miner (Grüne) den Vorstoß aus Weyarn ein. „Vielleicht ist die Notwendigkeit zum Wandel noch nicht überall angekommen“, bemerkte sie. „Wenn wir das Ziel einer nur 1,5-Grad-Erwärmung nicht erreichen, dann wird es keine lebenswerte Welt für unsere Kinder mehr geben“, lautete ihr „Appell ans Gewissen“. Peter Sachs (CSU) stimmte dem grundsätzlich zu. „Aber wir wollen uns eben nicht unseren Forst kaputt machen lassen.“ Sachs plädierte für eine „Klausurtagung“ zum Thema. „Nein, das muss man öffentlich behandeln“, widersprach sein Parteikollege Kern. „Wir alle müssen in uns gehen“, bekannte er. „Wollen wir doch wieder in die ARGE zurück oder eine Fremdvergabe riskieren?“ Dann könnten fremde Investoren den Zuschlag bekommen und so viele Windräder in den Forst bauen, dass dies auch wirtschaftlich rentabe sei.

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