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Landkreis München steigt in Wasserstoff-Produktion ein

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Von: Charlotte Borst

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Wasserstoff soll sich auch im Landkreis zu einer möglichen Antriebsalternative entwickeln können. Die Busfirma Geldhauser in Brunnthal spielt dabei unter anderem eine Modell-Rolle. Hier fand kürzlich auch ein Informationstag statt, bei dem auch dieses Wasserstoff betriebene Fahrzeug von Landrat Christoph Göbel (l.) und Busunternehmer Martin Geldhauser getestet wurde.
Wasserstoff soll sich auch im Landkreis zu einer möglichen Antriebsalternative entwickeln können. Die Busfirma Geldhauser in Brunnthal spielt dabei unter anderem eine Modell-Rolle. Hier fand kürzlich auch ein Informationstag statt, bei dem auch dieses Wasserstoff betriebene Fahrzeug von Landrat Christoph Göbel (l.) und Busunternehmer Martin Geldhauser getestet wurde. © Harald Hettich/Archiv

Worauf soll der Landkreis denn beim ÖPNV nun setzen? Grüne Wasserstoff-Technik oder batteriebetriebene E-Busse? SPD-Kreisrätin Natascha Kohnen jedenfalls sieht es als völlig falschen Weg, zwei Technologien zu unterstützen. Trotzdem steigt der Landkreis nun in die Wasserstoff-Produktion ein.

Landkreis – Der Landkreis München wird Gesellschafter und Miterzeuger von grünem Wasserstoff in Pfeffenhausen im Landkreis Landshut. Die Marktgemeinde hat den Zuschlag für ein nationales Wasserstoffzentrum bekommen. Hier soll grüner Wasserstoff für die Wasserstoff-Modellregion Ebersberg, Landshut, München erzeugt werden. Der Landkreis München partizipiert – ebenso wie der Landkreis Landshut – an der Betreibergesellschaft Hy2B Wasserstoff GmbH. Das hat der Kreistag am Montag in Ismaning bei neun Gegenstimmen (SPD, AfD und Linke) entschieden. Nur Ebersberg geht den Weg so weit nicht mit. Der dortige Kreistag lehnte eine Beteiligung ab.

Wasserstoff als Speichermedium

In Pfeffenhausen sind die Voraussetzungen günstig, um einen Elektrolyseur zu bauen, der Solarstrom durch eine chemische Reaktion in Wasserstoff umwandelt. Gewonnen wird dieser aus einer Solaranlage, die in Pfeffenhausen errichtet wird. Der Wasserstoff soll insbesondere bei Stromschwankungen als Speichermedium dienen, wenn Überschüsse die Stromnetze belasten würden. Der Spatenstich für das Technologiezentrum soll 2022 erfolgen. Die Hy2B Wasserstoff GmbH wird Ende 2022 in Betrieb gehen und grünen Wasserstoff für eine Flotte aus 15 bis 20 ÖPNV-Bussen liefern, die in den Landkreisen München, Ebersberg, Landshut touren werden.

Drei Wasserstofftankstellen sind schon in der Entstehungsphase: in Brunnthal-Hofolding auf dem Gelände des Busunternehmens Geldhauser, in Glonn-Schlacht beim Busunternehmen Ettenhuber und auf dem Gelände des Landshuter Autohauses Schober. Es handelt sich zunächst nicht um öffentliche Wasserstofftankstellen, denn es geht darum, eine Betriebsstruktur für die ÖPNV-Flotte aufzubauen, die auch nach dem Auslaufen von Fördermitteln wirtschaftlich ist.

SPD kritisiert: „Das ist für uns eine Nummer zu unkalkulierbar“

Der Landkreis könnte als Mitbetreiber der Hy2B Wasserstoff GmbH eines Tages vielleicht sogar profitieren. Zunächst muss er aber investieren und den 200 000 Euro-Anteil der Ebersberger zur Hälfte mitschultern: Der Ebersberger Kreistag hatte Anfang August den Schritt in die Betreibergesellschaft abgelehnt, aufgrund des Sparzwangs in der Coronakrise. Der Kreis München übernimmt deswegen 100 000 Euro zusätzlich und investiert einmalig 300 000 Euro.

Natascha Kohnen (SPD) warnt davor, beim ÖPNV eine zweite Technologie einzuführen.
Natascha Kohnen (SPD) warnt davor, beim ÖPNV eine zweite Technologie einzuführen. © privat

Die SPD kritisiert die Beteiligung scharf. „Das ist für uns als öffentliche Körperschaft eine Nummer zu unkalkulierbar“, sagte Natascha Kohnen, „wir haben keine Garantie, was uns das kosten wird.“ Die SPD begrüßt die Wasserstoffoffensive des Bundes zwar, „aber wir müssen Wasserstoff da einsetzen, wo es sinnvoll ist.“ Der Landkreis sollte bei batteriebetriebenen E-Bussen bleiben – „das ist auch günstiger am Ende des Tages“ – und nicht beim ÖPNV eine zweite Technologie einführen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) warnte, das Projekt platzen zu lassen: „Dann wird die Förderung nicht ausgezahlt, und das Projekt rechnet sich nicht mehr.“ Einen Förderantrag neu zu stellen, dauere zwei Jahre: „Erzählen sie das mal Ihren Kindern“, rief Göbel.

Seitenhieb Richtung Brunnthal: „SIe hätten erst mal ein Windrad bauen sollen.“

Als Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) fragte, „wollen wir in Speichertechnik investieren oder zurück zur Atomkraft?“, wurde die Sitzung turbulent. Kohnen hielt ihm vor: „Sie hätten als Bürgermeister von Brunnthal erst mal ein Windrad bauen sollen, als es Ihnen möglich war.“ Bayern müsste nicht so viel Strom aus Erneuerbaren importieren, wenn die CSU nicht krampfhaft an der 10H-Regel festhielte: „Gebt Euch endlich einen Ruck und schafft sie ab“, rief sie der CSU-Fraktion entgegen. Karin Schuster (ÖDP) appellierte, natürlich gebe es bei der Erprobung ein Risiko, „aber wenn wir es nicht riskieren, weiß ich nicht, wer es sonst machen könnte.“

Pro Jahr plant die Betreibergesellschaft mit der Herstellung von 400 bis 700 Tonnen grünen Wasserstoffs. Täglich können bis zu sechs Lkw betankt werden und Tankstellen beliefern.

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