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Auf Erkundungsmission: Projektleiter Dietfried Bruss (re.) von den Stadtwerken München und sein Team setzen auf die Vibro-Riesen für die Tiefenmessungen. 

seismische Erkundung

Mehr Geothermie geplant: Der Landkreis-Süden macht den Rüttel-Test

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Mehr Geothermie - das ist das Ziel der Stadtwerke München im Landkreis München. Dafür schwärmen nun Rüttel-Fahrzeuge in den Süden und Südosten aus.

Brunnthal– Im südlichen und südöstlichen Landkreis München starten die Münchner Stadtwerke (SWM) am kommenden Samstag in ein zweimonatiges seismisches Erkundungsprogramm, um das Potenzial der Erdwärme (Geothermie) in tief liegenden Schichten zu ermitteln. Damit sollen die bestehenden Anlagen in der Region – in Kirchstockach, Dürrnhaar und Sauerlach – effizienter betrieben werden. Der Plan für die Zukunft: Kilometerlange Leitungen sollen das Einzgusgebiet im Landkreis bis tief nach München hinein mit Fernwärme versorgen. „Gerade hier im Münchner Südosten schlummern immer noch große Potenziale, sagt Dietfried Bruss, Diplom-Geologe und Projektleiter der Stadtwerke für die Geothermie-Standortentwicklung.

München will klimaneutral werden

Am kommenden Samstag können sich interessierte Bürger beim „Infotreff Seismik“ in Brunnthal detailliert informieren. Die umfangreiche, auf zwei Monate angesetzte Prüfphase soll dazu wichtige Daten für den Ausbau klimafreundlicher Fernwärme in der Region liefern. München und seine wachsende Region haben ehrgeizige Ziele. Bis 2040 soll die Landeshauptstadt samt Umland die erste Co2-freie Großstadt Deutschlands sein. Auch der Landkreis profitiert. Die drei bestehenden Anlagen sollen künftig Energie für das Fernwärmenetz in München, Ottobrunn und Taufkirchen einspeisen.

Bruss rechnet mit einem Potential für rund 560 000 Haushalte, die allein durch die Stadtwerke im gesamten Münchner Süden und den Anrainergemeinden an die Fernwärme angeschlossen werden können. Auch Gemeinden wie etwa Brunnthal könnten am Gesamtkonstrukt über eigene Wärmeanbindestationen partizipieren.

In diesen Gemeinden wird gerüttelt

So weit allerdings ist man im aktuellen Untersuchungsgebiet südöstlich Münchens noch längst nicht. In einem rund 177 Quadratkilometer großen Areal werden bis spätestens Ende März in den Gemeinden Ottobrunn, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Brunnthal, Sauerlach sowie in Teilen von Egmating, Aying, Otterfing, Taufkirchen, Neubiberg, Unterhaching, Putzbrunn und Grasbrunn engmaschige Messungen durchgeführt.

Seismische Tests: so funktioniert die Messung

Für die seismischen Tiefenerkundungen werden LKW-große Vibro-Fahrzeuge entlang festgelegter Messlinien an verschiedensten Stellen des Messgebietes in jeweils vier parallel agierenden Messgruppen unterwegs sein. An sogenannten „Anregungspunkten“ senkt jeweils eines der insgesamt acht eingesetzten Vibro-Fahrzeuge eine cirka 2,5 Quadratmeter große Rüttelplatte auf den Boden ab. Für 60 Sekunden werden Schwingungen in den Untergrund gesendet, sogenannte Anregungen. Dabei werden Schallwellen erzeugt, die an Schichtgrenzen im Untergrund reflektiert werden und zurücklaufen. Rund 15 000 Messgeräte, Geophone, registrieren und speichern die Schalllaufzeit.

Bei dieser 3D-Seismik verlaufen die Geophonlinien senkrecht zu den Vibrotrassen tief ins untersuchte Erdreich. Nur je einmal an jeder Örtlichkeit, meist entlang von Straßen und Wegen wird eine solche Anregung vollzogen. Danach geht es rund 30 Meter weiter zum nächsten Punkt. Nach Ablauf der seismischen Messungen werden die so gewonnenen „Untergrund“-Daten bis Ende des Jahres ausgelesen, bearbeitet und interpretiert. Erst dann wird aufgrund der Ressourcen-Ergebnisse erwogen, ob wie aktuell beim Kooperationsprojekt in Pullach und Baierbrunn tatsächlich und aufgrund wirtschaftlicher wie rechtlicher Abwägung mit dem Bau einer Tiefenbohranlage mit sechs Bohrungen begonnen werden kann.

SWM rechnet mit „guten Ergebnissen“

SWM-Geologe Bruss ist zuversichtlich, dass auch das jetzt zu untersuchende Gebiet „gute Ergebnisse“ zutage fördern wird. Dabei sollen während der Prüfphase die Belastungen für die Anwohner möglichst gering gehalten werden. „Seismik verursacht keine Schäden, da lediglich Schallwellen reflektiert“ würden. Das Messverfahren, das fachlich im Auftrag der SWM von der renommierten Firma DMT durchgeführt wird, ist laut Bruss langjährig erprobt. Routinemäßig würden aber auch begleitende Schwingungsmessungen an unmittelbar angrenzenden Gebäuden durchgeführt. Zudem seien die einmaligen Schwingungen nur eine Minute lang und nur im jeweils direkten Umfeld durch Betriebsgeräusche oder Vibrationen wahrnehmbar.

Montags von 06 Uhr bis 22 Uhr werde gemessen, in Wohngebieten lediglich bis 20 Uhr. An vereinzelten Messpunkten könne es laut Bruss zu kurzfristigen Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Innerhalb der Ortschaften sollen nur Einzel-Anregungen durchgeführt werden. „Insgesamt sind die Gemeinden ohnehin sehr aufgeschlossen gegenüber unserem Projekt“, betont der Stadtwerke-Vertreter. 

Infostand

Zum Projektauftakt findet am kommenden Samstag eine Bürgerveranstaltung in Brunnthal statt. Von 10 bis 15 Uhr stehen in der Hofoldinger Straße gegenüber dem Rathaus Fachleute an einem Infostand für alle Bürgerfragen zur Verfügung. Auch ein Vibro-Fahrzeug kann besichtigt werden. Weitere Infos online auf www.swm.de/seismik

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