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Den Traum vom eigenen Motorradladen haben sich Klaus Bretter und Doreen Kurpiela in Faistenhaar erfüllt.

Spezialisten für Motorrad-Tuning

„Folterkammer“ im Keller

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Das Herzstück steht im Keller: ein sogenannter Dynojet 205i Prüfstand. Die komplexe Apparatur ist es, was die heuer im Februar eröffnete „Motoschmiede“ in Faistenhaar von manch anderer Motorradwerkstatt unterscheidet.

Faistenhaar– Auf der einen Seite sind die Maschinen fürs Gelände aufgereiht. Mit groben Stollen, großen Reifen und unendlich langen Federgabeln. Auf der anderen Seite: windschnittig verkleidete Motorräder mit auflackierten Startnummern. Auf dem Regalsims dazwischen verdeutlicht eine stolze Sammlung blitzblanker Pokale, wofür die Herzen von Klaus Bretter (39) und Doreen Kurpiela (28) schlagen: für den Rennsport.

Im Kräftemessen von PS, Fahrtechnik und Luftwiderstand zählt jede Nuance, um die entscheidenden Sekundenbruchteile schneller zu sein als die Konkurrenz. Klaus Bretter, mit einer MV Augusta F800 zweimal Gewinner des Deutschen Langstrecken Cups, kennt die kleinen Kniffe. Und hilft damit jetzt auch den Ottonormal-Motorradfahrern.

Mit einer Garagenwerkstatt in der Nähe von Kassel hatte er vor elf Jahren begonnen, sein Hobby zum Beruf zu machen. Die Werkstatt wuchs, der sportliche Tatendrang im selbst gegründeten Racing-Team ebenfalls. Heuer zog der Hesse in den Süden, zu seiner Freundin Doreen Kurpiela, einer Ottobrunnerin. In dem ehemaligen ADAC-Prüfstand in Faistenhaar fanden die beiden bautechnisch optimale Voraussetzungen, auch flotte Probefahrten sind auf dem Land einfacher möglich als in der Stadt. Und so haben sich die beiden ihren Traum von der gemeinsamen „Motoschmiede“ erfüllt.

Das Besondere des Gebäudes in der Ottobrunner Straße ist ein Schacht, mit dem per Hebebühne schwere Maschinen vom Ladengeschäft in den Keller gehievt und dort in den Dynojet 205i Prüfstand geschoben werden können. Dass der unterirdisch liegt, hat trotz Schallisolierung einen Grund: Es wird dort tierisch laut.

Klaus Bretter demonstriert uns die Anlage, schaltet mehrere Bildschirme an und die Abgas-Absauganlage. „Der Prüfstand verfügt über eine Wirbelstrombremse statt einer einfachen Rolle. Damit können wir die Situation auf der Straße simulieren“, erläutert der 39-Jährige. Und ergänzt schmunzelnd: „Unsere Folterkammer.“ Hier bringt er Maschinen an Grenzen, alles Mögliche wird gemessen, vom Abgasverhalten über den Rollwiderstand bis zur Motorleistung. Letztere zu optimieren, darum geht es letztlich, Bretter spricht von „Chiptuning“, während auf den Bildschirmen diverse Werte aufleuchten. „Viele Motorräder laufen im unteren und mittleren Drehzahlbereich haklig. Durch den Prüfstand können wir solche Probleme beheben, damit ein Motor gleichmäßig seine Kraft entfaltet und ruhiger läuft, ohne Ruckeln.“

Das Gespür für Nuancen hat sich Klaus Bretter erarbeitet, bei Langstreckenrennen sitzt er acht Stunden lang im Sattel, rast auf dem Hockenheimring oder sonst einer Rennstrecke in der Summe über 1000 Kilometer nahezu nonstop. Seine Freundin Doreen Kurpiela lässt es etwas geruhsamer angehen, zusammen mit rund 20 anderen fährt sie Hobby-Rennen im „Tegernseer Racing Team“, einem kleinen privaten Rennstall aus Putzbrunn. „Einfach nur so, zum Spaß.“

In ihrer „Motoschmiede“ bieten die beiden diverse Leistungen an, Motorreparatur und Fahrwerk-Service ebenso wie ganz normale Inspektionen oder Oldtimer-Restaurierung. „Aber das Herz“, sagen sie, „hängt am Tuning.“ Die Augen blitzen dabei wie die Pokale auf dem Regalsims.

Tag der offenen Tür

Ihr Angebot in der „Motoschmiede“ in Faistenhaar, Ottobrunner Straße 21a, präsentieren Klaus Bretter und Doreen Kurpiela am Samstag, 8. April, von 10 bis 16 Uhr an einem Tag der offenen Tür. Für Essen und Getränke ist gesorgt, der Dynojet 205i Prüfstand wird Interessierten vorgeführt. Weitere Infos unter www.motoschmiede.de

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