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Das Herz des Hilfsrings: Vorsitzende Christine Ettmüller.

Sozialer Hilfsring unterstützt Bürger in schwierigen Situationen

Notfall-Netz für Brunnthaler

Brunnthal - Wäsche-Dienst, Kinder-Betreuung und ein Plausch gegen die Einsamkeit: Die Ehrenamtlichen des Sozialen Hilfsrings sind wichtige Stützen in Brunnthal.

Christine Ettmüller (66) hat viel zu tun. Morgens um 9 Uhr hat die Organisatorin des Sozialen Hilfsrings Brunnthal (SHB) bereits einer erkrankten Mutter die Obhut der Kinder und die wichtigsten Einkäufe abgenommen. Um 11 Uhr schrillt im Büro des SHB-Anwesens im Ortsteil Waldbrunn erneut das Telefon. Ein älterer Herr aus Brunnthal braucht Hilfe: Die Wäsche muss gewaschen und gebügelt werden. Ettmüller eilt zum Auto, holt die Wäsche, nachdem sie mit dem Senior noch ein aufmunterndes Pläuschchen gehalten hat. Dann geht’s in die Waschküche. Der Auftrag des langjährigen Kunden wird sogleich erledigt.

Danach folgen Telefonate, E-Mail-Verkehr mit Ämtern und Behörden, um Angelegenheiten der Kunden des Sozialen Hilfsrings zu regeln. Am Nachmittag schließlich besucht Christine Ettmüller noch eine ältere Dame und redet mit der alleinstehenden Dame bei Kaffee und Kuchen. Ein Besuch gegen die Einsamkeit. Abends nochmal ins Büro, Terminabsprachen mit den anderen Helfern und ein Telefonat mit einer psychisch kranken Dame aus der Nachbarschaft.

„Carpe Diem“: Nutze den Tag. Das lebt Christine Ettmüller Tag für Tag. Begonnen hat das umfassende Engagement des Hilfsrings im März 2007. Ettmüller, 66, war vor knapp zehn Jahren der eklatante Mangel an wohnortnahe Hilfsangebot für hilfsbedürftige Brunnthaler aufgefallen. Die frühere Oberhachinger Hauptschul-Rektorin gründete mit einigen Gleichgesinnten den Sozialen Hilfsring. 

„Das hat überschaubar angefangen“, erzählt die Gründerin und Vorsitzende. „Eine Dame hatte mich angerufen und gefragt, ob ich sie zur Augen-OP fahren könne.“ Konnte Ettmüller, die zeitgleich das Angebot im Gemeindeblatt bekannter machte. 

In der Folge wuchs nicht nur die Zahl der Bedürftigen, sondern auch der Ehrenamtlichen. „Wir bieten Gespräche bei Alleinstehenden oder Kranken, Kinderaufsicht, Begleitung zu Behördengängen oder Arztbesuchen, die Erledigung von Einkäufen, Spaziergänge, Hilfestellung bei wichtigen Schreiben, Haushaltshilfen und einiges mehr“, zählt die Initiatorin auf. 

„Zudem sind wir gut vernetzt. Wir vermitteln weitergehende Hilfen oder Pflegen der verschiedensten Organisationen.“ Denn „Vernetzung ist bei uns sehr wichtig“, fügt Beirätin Alexandra Barantschuk-Semm hinzu. Darum arbeitet der Hilfsring eng mit Hospizkreisen und sozialen Verbänden im Landkreis zusammen. Eine Rundum-Versorgung an Unterstützung für Brunnthals Bürger – ausschließlich. 

Denn „anders wäre das bei der Nachfrage nicht zu stemmen“, erklärt Barantschuk-Semm, die seit der Anfangszeit beim SHB aktiv ist. Dessen Angebot kostet die Kunden fünf Euro als Aufwandsentschädigung für die selbst finanzierten Dienste. 

Rund 25 ehrenamtliche Mitstreiter setzen sich aktuell in den Ortsteilen fürs Gemeinwohl ein. Dabei schließt sich mancher Kreis des Helfens. Denn der ältere Herr, dessen Wäsche Ettmüllers wäscht, unterrichtet im Gegenzug ein junges polnisches Mädchen aus der Gemeinde in der deutschen Sprache. Ein Geben und Nehmen. Barantschuk-Semm hat ihren Schwerpunkt in der Hilfe im Kontakt mit Behörden. Die rechtliche Betreuerin am Vormundschaftsgericht bringt so ihre Fähigkeiten ehrenamtlich ein. 

Die Zahlen sprechen für sich: „Insgesamt haben wir im abgelaufenen Jahr fast 1900 Stunden sozialer Arbeit absolviert“, verdeutlicht Vorsitzende Ettmüller. Ein großes Pensum ehrenamtliches Engagement, das auch die Kommune in ihren Aufgaben entlastet. „Wir hatten bereits 168 Familienkontakte verschiedenster Art in Brunnthal.“ 

Finanziell wird der Hilfsring vor allem durch jährliche Zuwendungen des Landratsamtes und durch Mitgliedsbeiträge getragen. „Dazu ist die Spendenbereitschaft im Ort ungebrochen hoch“, verrät Ettmüller. „Da verzichten Menschen zugunsten einer Spende auf Geburtstagsgeschenke, und die Vereine werfen auch ihren Teil in den Säckel.“ Dank einer Firmenspende konnte 2014 sogar ein behindertengerecht ausgebauter Transporter angeschafft werden. 

Es sind diese Freuden und die vielem schönen Momente mit den Brunnthalern, die Ettmüller nicht aufhören lassen. Obwohl die Vorsitzende selbst gesundheitlich an einem chronischen Hüftleiden leidet und in den kommenden Jahren eine Nachfolgerin sucht. Ganz aufhören? Niemals. „Ich kann halt nicht aus meiner Haut“, sagt Ettmüller. Der Blick auf den Tageskalender sagt alles. Der nächste Einsatz ruft. 

Ehrenamtliche gesucht

Der Soziale Hilfsring Brunnthal freut sich über weitere Mitstreiter. Diese können sich unter 01 57/34 50 97 67 oder per Mail an info@hilfsring-brunnthal.de wenden. Im Internet finden Interessierte unter www.hilfsring-brunnthal.de weitere Informationen. Persönliche Kontakte bietet die monatliche Sprechstunde am jeweils zweiten Montag des Monats von 10 bis 11 Uhr im Pfarrheim Brunnthal.

hh

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