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Wie schnell man zum Packerl-Bruno wird, das weiß Bruno Jonas zu berichten.

Solokabarett mit Bruno Jonas in Pullach

Einfach zu viele Deppen unterwegs

„Wird das Richtige falsch, wenn es der Falsche sagt?“ Bruno Jonas haut die Frage gleich zu Beginn im Bürgerhaus in Pullach raus.

Pullach – Er wird sie an diesem Abend in seinem Programm „Nur mal angenommen“ vor ausverkauftem Saal noch öfter stellen – und dem Publikum eine endgültige Antwort schuldig bleiben.

Dafür liefert der Kabarettist diverse Beispiele von Politikern unterschiedlicher Couleur, darunter Alexander Gauland und dessen Boateng-Zitat. Wenn der AfD-Bundespolitiker sage, man schätze zwar das Talent des Fußballspielers, wolle ihn aber nicht als Nachbarn haben, werde diese Aussage ganz anders gewertet, als wenn er, Bruno Jonas, sie als Kabarettist gemacht hätte. Damit belässt es der polternde Niederbayer aber nicht. Als Fans im Stadion damals Transparente in die Luft gehalten und den Spieler eingeladen hätten, ihr Nachbar zu werden, habe Boateng gedacht: Bloß nicht.

Wer zu Bruno Jonas geht, wird nicht nur bestens unterhalten. Der Kabarettist fordert auch. „Haben Sie sich nicht auf den Abend vorbereitet?“, will er an einer Stelle wissen, und an anderer kontert er das mitfühlende „Ooooooh“ aus den Zuschauerreihen: „Ich verstehe Ihre Reaktion nicht. An Ostern haben Sie sicher ein kleines Lämmchen zu sich genommen.“ Vorher hatte er darüber sinniert, ob ein Carpaccio von einem Eisbären-Baby, „mit Ingwer und Kardamon“, ein ganz besonderer Genuss wäre. Eine kurze Schimpftirade über „den Toni“ (Hofreiter) war vorausgegangen. „Wenn der bei den nächsten Wahlen Spitzenkandidat bei den Grünen wird, drückt er sie unter fünf Prozent.“ Die „Essensvorschriften“, die die Partei den Menschen mache, „die mag ich nicht“. Ebenso wenig wie Karpfen – also jener Fisch, der laut der Grünen noch erlaubt sei. Jonas will aber Thunfisch. „Ich esse ihn so lange, bis er ausstirbt.“

Das Pullacher Publikum ist begeistert, es gibt immer wieder Zwischenapplaus und sogar manchen Side-Kick. Als jemand in der ersten Reihe am Handy hantiert, wohl, um es auszumachen, droht er: „Wenn ich einen erwische! Heute Abend ist Champions League. Ich spiele mir einen Wolf.“ Anderseits: „Es ist Ihr Abend. Ich kenne das Programm schon.“

Von diversen „Tourette-Anfällen“ in Bezug auf Politiker, aber auch den „Qualitäts-Journalismus“ der öffentlich-rechtlichen Sender, Political Correctness und Sprachpolizei oder die Ausmaße der „Digital Revolution“ – er brüllt den Ausdruck in den Saal – handelt Jonas’ Programm. „Nur mal angenommen“ spielt in seiner Haidhauser Wohnung, in der der Kabarettist zum „Packerl-Bruno“ wird, der die Pakete seiner Nachbarn annimmt. Von Murat, dem „Zustelltürken“, geht es zu Erdogan über Trump zu Merkel oder Seehofer, über den Brexit und den Islam zu vielen anderen Themen, über die der Kabarettist im schwarzen Anzug scharfsinnige und lustige Monologe hält.

Eine Büste von Sokrates – „alter Grieche, schuldenfrei“ – steht auf einem der Pakete auf der Bühne. Und so geht es auch um den Ausspruch des Philosophen „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ und es geht um die Demokratie. Deren Problem „ist das Volk. Es gibt zu viele Deppen.“ Dass er auf der Gitarre spielen kann, hat der Kabarettist während des Programms eindeutig bewiesen, und ganz am Ende singt er – zunächst in einer Jonas’schen Version und dann zusammen mit dem Publikum: „Ade und zur guten Nacht.“

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