+
Beherztes Veto: Helmut Dietrich (73) hat die Ahornbäume mit Absperrband markiert.

Ehemaliges Sägewerkgelände in Sauerlach

Bürger stoppt Baumfällungen

Der Einsatz eines Architekten führt dazu, dass die Gemeinde den Bebauungsplan an der Hofoldinger Straße überprüft.

Sauerlach – „Nur über meine Leiche!“ Mit diesen Worten stellte sich Helmut Dietrich (73) vor eine Gruppe Ahornbäume und konfrontierte damit die Verwaltung. Nicht länger hinnehmen wollte der Bürger die Baumfällaktionen in seiner Nachbarschaft. In Sichtweite seines Hauses auf dem ehemaligen Sägewerk-Grundstück Taubenberger an der Hofoldinger Straße entstehen zwei Wohnanlagen mit rund 70 Wohneinheiten und Geschäften. Dietrich nutzte die Bürgerfrage-Viertelstunde des Gemeinderats, um aufzurütteln, um zu alarmieren. Die Rechnung ging auf.

Zu frisch sind die Wunden, die der jüngste Kahlschlag von vier Hektar Bannwald in der Gemeinde hinterließ (wir berichteten). Eine hitzige Diskussion ist entfacht im Gemeinderat - mit positivem Ausgang. Helmut Dietrich hat etwas bewegt. Mit seinem Einsatz hat er erreicht, dass zumindest ein Teil des Bebauungsplans erneut auf den Prüfstand kommt. Zwei Varianten dafür hat die Verwaltung bereits parat. Bei einer erneuten Ortsbegehung wird demnächst die Durchführbarkeit geprüft. Dietrich ist Diplom-Ingenieur und Architekt im Ruhestand. Er wohnt am Bahnhofsplatz. Davor lebte er 24 Jahre lang im alten Wechselwärterhaus in der Sommerstraße. Mit viel Liebe machte er aus der Bauruine von 1857 ein Schmuckstück. Er und seine Ehefrau Susanna sind mit Sauerlach verwurzelt. Umso mehr schmerzte es den 73-Jährigen, als er am 16. März, einem Montag, Fäll- und Schnittarbeiten entlang des S-Bahndammes auf dem Grundstück des ehemaligen Sägewerks bemerkte. Da informierte er erstmals die Gemeindeverwaltung. „Das hätte seine Ordnung, sagte man mir dort“, erzählt Dietrich.

Bis Freitag sah er zu. Dann reichte es dem 73-Jährigen. Er machte Fotos von den Fällungen, um sie seiner Frau zu zeigen. Kurz darauf traf er zufällig Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV). „Ich hatte die Fotos noch dabei, und zeigte sie ihr“, sagt Dietrich. Mit großem Interesse fieberte er dem Gemeinderat am vergangenen Dienstag entgegen. Die Ahornbäume hat er mit Absperrband markiert. Sie befinden sich auf gemeindlichem Grund, zwischen Bahndamm und AWO-Kindergarten und nicht mehr auf dem Baugrundstück. Die dortigen Fällungen seien mit dem Landratsamt abgesprochen und genehmigt gewesen, erläuterte Barbara Bogner im Gemeinderat. Für den gemeindlichen Bereich entlang des Bahndamms stellte sie eine Änderung des Bebauungsplans in Aussicht. Die Rettung der Bäume hält die Bürgermeisterin für eine gute Idee. Das Problem ist, dass die Bäume entlang eines geplanten Rad- und Fußweges in Richtung Bahnhof stehen. Begrenzt wird die Strecke derzeit vom Kindergartenzaun. Dieser müsste schließlich unter Umständen versetzt werden.

Gemeinsam mit Bauamtsleiter Hubert Zellner war Bogner vor Ort, hatte sich umgesehen und ebenfalls Fotos gemacht. Die legte sie im Gemeinderat vor. Dreh- und Angelpunkt ist ein Wendehammer auf dem 8000 Quadratmeter großen Baugrundstück, der für Feuerwehr und Müllabfuhr befahrbar sein muss. Die Ortsbegehung soll Klarheit bringen. Unklarheit bestand im Gemeinderat über den Status der Bäume. Im Plan ist die Rede von einem Biotop und einer Hecke. „Wenn das der Plan ist, und hier sind die Fotos, dann will ich vorher wissen, wenn Bäume fallen“, sagte Alexander Rickert (SPD) verärgert. „Mehr gefällt als eingezeichnet“, befürchtete Axel Horn (Grüne). Als „große Irritation“ bezeichnete Wolfgang Büsch (Grüne) die Situation. Das so viel gefällt werden würde, sei ihm nicht bewusst gewesen. Daher plädiere er nun für einen naturschonenden Weg. Den Ortstermin vor der nächsten Gemeinderatssitzung brachte Martin Fesl (UBV) ins Rennen – und damit die Kontroverse vorerst auf den Punkt.

Kathrin Kohnke

Auch interessant

Kommentare