Der Bürger hat das Wort

Taufkirchen - Bürgerbeteiligung bei den Neubauten für Grundschule und Mittelschule

Taufkirchen - Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann: Alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten dürfen mitreden. Bei den Neubauten von Grundschule und Mittelschule setzt die Gemeinde Taufkirchen auf Bürgerbeteiligung. Wo sollen die Schulen hin? An die Pappelstraße, wie bisher? Oder lieber doch an den Köglweg?

Die üblichen Verdächtigen sind überall dabei. Im Gemeinderat, bei Bürgerversammlungen, an Infoständen. Übliche Verdächtige sind Menschen, meist im fortgeschrittenen Alter, für die die Kommunalpolitik quasi zum Lebensinhalt wird. Diese „Berufsbürger“, wie Stadtplaner Johannes Dragomir sie diplomatisch nennt, stellen nicht die Zielgruppe, die jetzt gefragt ist. Im Gegenteil. Die Gemeinde Taufkirchen will Otto Normalbürger ins Boot holen und mit ihm darüber diskutieren, welcher Standort für die beiden neuen Schulen optimal ist. Entweder an der Pappelstraße oder am Köglweg. In sogenannten Info-Zelten, die im Herbst aufgebaut werden, können sich die Taufkirchner über das Bauprojekt informieren und ihre Meinung schriftlich oder mündlich hinterlassen.

Endgültig entscheiden wird später der Gemeinderat, aber der Willen und die Argumente der Bürger sollen in die Entscheidungsfindung einfließen. Der Taufkirchner Gemeinderat hat einstimmig gebilligt, die Bürger zu beteiligen. Vorher hatte Architektin Johanna Minks vom Büro „Dragomir Stadtplanung“ die beiden Standorte für Grund- und Mittelschule und die unterschiedlichen Situierungen der Gebäude erläutert. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt: Das sind nur Gedankengänge, Ansätze. Ins Detail geht der Gemeinderat viel später.

Die Machbarkeitsstudien der Stadtplaner zeigen die theoretischen Möglichkeiten auf, in der Praxis sind die beiden Standortvorschläge allerdings nicht ganz gleichwertig: Denn sollte sich Taufkirchen für den bisherigen Standort an der Pappelstraße aussprechen, bedeutet das für die rund 600 Schüler beider Schulen jahrelangen Unterrichtsbetrieb auf der Baustelle. Der Ablaufplan: Erster Neubau auf dem Sportplatz. Baulärm. Abriss alte Schule. Baulärm. Zweiter Neubau, zweiter Abriss, jedesmal Baulärm. Und in all dieser Zeit steht kein Sportplatz zur Verfügung.

Dass die derzeitigen Schulen „nicht mehr sanierbar“ sind, hatte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) am Anfang der Debatte festgehalten. Also muss Taufkirchen viel Geld in die Hand nehmen. CSU-Gemeinderat Herbert Heigl geht „von 50 Millionen Euro“ aus. Dieser Betrag sei nur finanzierbar, „wenn wir den Bau in den Länge ziehen oder zusätzliche Finanzierungsquellen finden“. Zweiter Bürgermeister Alfred Widmann rechnete hoch, „dass wir durch den Tausch von Grundstücken zwei Drittel der Kosten reinholen könnten“. Wird also am Köglweg gebaut, könnte das Areal an der Pappelstraße für Wohnbebauung genutzt werden - und das bringt Geld. Der SPD-Politiker bilanzierte: „Wir sollten der Bevölkerung sagen, dass der Weg in Richtung Köglweg gehen wird.“ Die Verwaltung jedenfalls tritt jetzt in Grundstücksverhandlungen, da diese Grundstücke nicht der Gemeinde gehören. Michael Lilienthal (FW) regte an, im Vorfeld zu prüfen, ob eine zusätzliche Querung der Bahnlinie realisierbar sei.

Ursula Schulze (FDP) erkundigte sich, ob es „Konfliktpotenzial gebe, wenn Mittelschüler und Realschüler direkt aufeinandertreffen“ - wie am Köglweg vorgesehen. Der Mittelschul-Rektor Franz Morawietz konterte: „Jede soziale Begegnung birgt auch Chancen.“

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