Jagdszene mit Hemingway: Alfons Kiefer vor einer seiner Arbeiten. Foto: Förtsch

Bürgerhaus Unterschleißheim: Alfons Kiefer stellt aus

Unterschleißheim - Ein Mann wird unter Wasser erwürgt, aus Nase und Mund steigen Luftblasen auf. Unweigerlich ist man mittendrin in diesem Verbrechen, denn Alfons Kiefer malt so realistisch, dass Szenen aus dem Stern-Romans „Polar Star" wirken, als würden sie direkt vor den eigenen Augen passieren. In Wirklichkeit ist dieser Mord nie passiert, aber er verwandelt das Bürgerhaus-Foyer in Unterschleißheim zum spannenden Tatort.

Bis zum 2. Dezember ist dort die Ausstellung „Auftragskunst“ des Unterschleißheimer Illustrators und Malers Alfons Kiefer (62) zu sehen. Angefangen hat alles, als Kiefer das Gymnasium besuchte. „Ein Lehrer war schuld an meiner Karriere. Ich hatte im Unterricht einen Kanufahrer gemalt und statt eines Donnerwetters sagte der Lehrer, ich sollte Illustrator werden, weil mich Mathematik nicht zu interessieren scheine. Weise Worte und ich dachte: Hey, damit kann man Geld verdienen!“

Ein Gedanke, der ihn nicht mehr los ließ. Nach der Schule studierte er Kommunikationsdesign in Trier und arbeitete in einer Münchner Werbeagentur. Beim Playboy hinterließ er einst seine Visitenkarte und dachte sich: „Die melden sich eh nicht.“ Irrtum: Er bekam sogar „die Doppelseite, die ich immer wollte“. Diese Doppelseite war der berufliche Türöffner und „danach ging alles von selbst“. Namhafte Magazine wie Stern, Spiegel und Quick. rissen sich um seine Illustrationen. Der Videoverleih bestellte bei ihm Filmcovers. Unternehmen ließen Kampagnen zeichnen, etwa die Kanzlerin in Unterwäsche. Der zweifache Grammy-Preisträger Klaus Voormann, dessen von Alfons Kiefer gemaltes Porträt neben dem von Willy de Ville und John Lennon bei der Ausstellung zu sehen ist, bat ihn um das Cover fürs Beatles-Album „Anthology“.

Jede Menge Arbeit also, doch unter Druck setzen ließ und lässt sich Alfons Kiefer nicht. Er weiß: „Hektik ist der Tod jeder guten Arbeit.“ Wenn’s einem Kunden pressiert, „nehme ich mir erst mal einen Kaffee und durchdenke das Ganze“. Erst dann geht er in sein abgedunkeltes Atelier in Unterschleißheim. Dort brennen Tageslichtlampen, damit zu jeder Tageszeit gleichbleibendes Licht herrscht.

Entstanden sind Bilder von siegesbewussten Gladiatoren, dem Time Warrior mit aufblitzendem Schwert, einem kopflosen Guido Westerwelle oder die Jagdszene, bei der Ernest Hemingway mit einem Massai einen angeschossenen Leopard sucht - und dabei überragt der XL-Leopard als übermächtige Gefahr die Menschen im Bild. Bei so einigen Exponaten denkt sich der Betrachter „das hab ich schon mal gesehen“.

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