Ungeheuerliche Vergehensliste

Bürgermeister rechnet mit Mitarbeitern ab

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Taufkirchen -  Der Bürgermeister Jörg Pötke hat eine Liste veröffentlicht, in der er über grobe Verfehlungen im Taufkirchner Rathaus aufklärt. Und rechnet dabei knallhart ab.

In einer Pressemitteilung rechnet das Taufkirchner Gemeindeoberhaupt mit Teilen seiner Belegschaft ab, indem er Missstände auflistet, die für Außenstehende nahezu ungeheuerlich erscheinen. Dass Mitarbeiter die Arbeitszeit zu Friseurbesuchen nutzen, scheint in diesem Fall eher ein lässliches Vergehen. Schwerer wiegen sicher die Vorwürfe von „Kassenfehlbeträgen von 600.000 Euro“, „verschwundenen Essensmarken für über 100.000 Euro“ oder „ausbezahlten Überstunden von mehr als 24 Stunden pro Tag“.

Pötke geht mit denjenigen Verwaltungsmitarbeitern ins Gericht, die ihn bezichtigen, die Atmosphäre durch Mobbing zu vergiften. Den Gegenwind seiner Belegschaft erklärt sich der Verwaltungschef mit der eigenen Tatkraft: „Dass sich weitere Teile gegen ihren Chef wenden, lässt sich wohl damit erklären, dass dieser Chef seine Wahlaussagen in die Tat umsetzt.“ Er, Pötke, räume „mit Missständen und Privilegien im Rathaus auf, die bis hin zu Illegalitäten reichen“. Die Vorwürfe gegen den Rathausmitarbeiter, der gegen ihn vor dem Arbeitsgericht Klage erhoben hatte, lesen sich da fast wie eine Randnotiz.

Ein Verwaltungsmitarbeiter, der die Mitglieder des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung als „Vollpfosten“ beschimpfe und sich überdies zahlreicher Missstände schuldig mache, „wird in jedem Rathaus Probleme nicht nur mit dem Bürgermeister, sondern auch mit seinen Kolleginnen und Kollegen bekommen“. Dann wechselt Pötke die Blickrichtung: Ins Visier nimmt er den Teil der Belegschaft, der sich für den Verbleib des Angestellten eingesetzt hatte, dem im Januar gekündigt worden war. Seit seiner Wiedereinstellung klagt er über anhaltendes Mobbing. Pötke mistet jetzt aus, schließlich sollen Mäuse sogar Belege zerfressen haben. Als weitere Kritikpunkte nennt der Taufkirchner Rathauschef 400 Euro teure und privat nutzbare Computerbrillen, mit denen sich Angestellte per Attest ausgestattet hätten – obwohl sie überhaupt keinen PC im Rathaus haben. Andere wiederum hätten „Zugangscodes für Bürgerdaten im Internet verbreitet oder interne Mails weitergeleitet".

Der Rathausboss vervollständigt die Liste rathausinterner Vergehen mit weiteren Beispielen und schließt mit dem halbwegs versöhnlichen Hinweis, dass „die meisten in der Belegschaft leistungsbereit“ seien. Es gebe aber welche, die die gängigen Anforderungen im Berufsleben mit „Mobbing“ verwechselten. Pötke sieht sich in der Rolle des ungeliebten Chefs und Buhmanns, dem man nicht verzeihen könne, dass er Gerechtigkeit an die Stelle von Willkür gesetzt habe. Im Rathaus zeigt man sich wenig beeindruckt von den Geißelungen des Chefs: Man habe vereinbart, zu allen öffentlichen Äußerungen Pötkes zu schweigen, erklärte ein Vertreter des Personalrats auf Anfrage. „Wir geben keine Stellungnahme ab.“ Gemeinderatsvertreter sehen hinter den Anschuldigungen des Bürgermeisters nichts sonderlich Neues. „Anstatt auf die Mitarbeiter einzuschlagen, sollte Pötke lieber Butter bei die Fische bringen“, amüsiert sich Herbert Heigl (CSU) mit Blick auf die norddeutsche Herkunft des Bürgermeisters. Vieles sei längst bekannt und schon zu Zeiten seines Amtsvorgängers Eckhard Kalinowski (SPD) mittels eines Prüfungsverbands abgearbeitet worden. Alles andere, „soll Herr Pötke doch bitteschön selbst ordentlich klären lassen“, fordert Heigl.

Weiter verweist der CSU-Politiker darauf, dass viele dieser „Privilegien“ erst von Pötke geschaffen worden seien. „Zahlreiche Mitarbeiter sind erst gekommen, als er schon im Amt war.“ Da frage er sich, wer ihnen diese Privilegien gegeben hat? Heigl bleibt bei seiner Einschätzung: „Herr Pötke ist ein miserabler Organisator und Verwalter.“ Die anderen Fraktionssprecher waren nicht zu erreichen.

Rafael Sala

Rubriklistenbild: © fkn

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