Die Hand findet schon blind von Oktave zu Oktave. Clara Isabella Siegle besitzt eine stupende Fingerfertigkeit. Foto: michel

Clara Isabella Siegle sammelt Preise

Hohenbrunn - Die Musik nimmt im Leben von Clara Isabella Siegle (15) einen großen Platz ein, schon räumlich sichtbar am stattlichen Steinway im elterlichen Wohnhaus in der Hohenbrunner Luitpoldsiedlung.

Man sieht, irgendwie ist er der heilige Mittelpunkt des Hauses, selbst wenn niemand darauf spielt. Und mit ihrer Mama hatte Clara, man darf es ruhig sagen, die beste Klavierlehrerin auf der ganzen weiten Welt. Gleich vorweg: Sie klopfte ihr nie auf die Finger.

Die Mutter, eine irische Musikpädagogin, besitzt eine Gabe. Sie brachte schon als Kind ihrem kleineren Bruder (Finghin Collins) die Tonleitern bei und alles, was für höhere Weihen nötig ist. Er wurde Konzertpianist und ist heute auf Tourneen durch Asien und Europa unterwegs. Tochter Clara fing schnell für den heimischen Steinway in Hohenbrunn Feuer, wohin die Familie 2004 umzog. Und während andere Kinder einmal die Woche dem Takt der Lehrerin folgen und mit dem Rat lange auskommen müssen, bleibt bei der jungen Clara kein falscher Ton ungehört, jeder Lauf findet eine stumme Resonanz - egal ob gerade Staub gewischt wird, die Gartenblumen Wasser kriegen oder die Karotten in der Küche geschnitten werden. Für jedes Übel gibt es das rechte Mittel, seien es Tonleitern oder Akkorde oder spezielle Stücke. Dabei muss es die Mutter immer irgendwie geschafft haben, das schlummernde Talent durch Aufmunterung zu bestärken und bei Laune zu halten. Die Motivationskünstlerin leitet auch Zwillingsschwester Maria an der Geige und Bruder Patrick (19) am Cello in die musikalische Richtung. Letzterer wählt am Ende allerdings doch statt dem Konservatorium das solide Jurastudium.

Für Clara kam seit jeher nur das Klavier in Frage. Und die junge Virtuosin ist sich sicher, dass man schon einen gewissen Vorteil hat, wenn man sehr jung ans Instrument herangeführt wird. „Da hat man es leichter.“ Sie selbst war vier, als sie mit den Grundlagen vertraut wurde und die Erfolgsleiter Stück für Stück nach oben kletterte.

Heute ist sie Jungstudentin an der Musikhochschule bei Professor Thomas Böckheler und schnuppert am Gasteig und am Königsplatz die Atmosphäre der Profimusiker. Sie weiß, die Luft dort oben ist dünn, von ihrem Weg der Musikerkarriere aber will sie sich nicht abbringen lassen.

Und bereits mit 15 Jahren fühlt sie sich nicht mehr so jung wie viele ihrer Altersgenossen am Gymnasium Ottobrunn (derzeit auf dem Gelände des Gymnasiums Höhenkirchen), denn als Musiker muss man schnell vorankommen. Sehr schnell. Und so liest sich der Lebenslauf der jungen Musikerin, wie eine Jubel-Kadenz der Preise. Beim Essener Rotary Klavierwettbewerb Jugend wurde Clara im Mai 2012 mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Beim Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten Ettlingen gewann sie wenige Monate später den fünften Preis und war damit die am höchsten platzierte europäische Teilnehmerin. Im November 2013 gewann Clara den ersten Preis ihrer Altersklasse beim „Steinway Klavierspielwettbewerb“ Hamburg, verbunden mit dem Sonderpreis „Wiener Klassik“ und einem Sonderpreis der Oskar und Vera Ritter Stiftung. Daraufhin wurde sie eingeladen, im September 2014 bei einem Festival internationaler Steinway-Preisträger als Vertreterin Deutschlands aufzutreten. Im Oktober 2014 wurde Clara beim Wettbewerb „International Piano Competition for Young Musicians“ in Enschede, Niederlande, mit dem dritten Preis der Gesamtwertung und drei Sonderpreisen ausgezeichnet.

Die Reihe der glorreichen Interpretationen könnte fortgesetzt werden, dabei wirkt die 15-Jährige bescheiden, die die 10. Klasse besucht und zum Ausgleich für die harte Konzentrationsarbeit am liebsten zum Reiten geht, die Musik hat sie trotzdem im Ohr. Zur Zeit taucht sie in Chopins Barcarolle ein. (msc)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Leicht abgespeckt
Die Wende ist vollzogen. Das Projekt Sportpark geht weiter. Der Gemeinderat hat am Montag in einer Sondersitzung den Planungsstopp aufgehoben und das Sportzentrum an der …
Leicht abgespeckt
Teure Millionen-Projekte: Pullach muss Notbremse ziehen 
Die Gemeinde Pullach hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Projekte, die längst angestanden hätten, immer wieder aufgeschoben. Jetzt will man alles auf einmal …
Teure Millionen-Projekte: Pullach muss Notbremse ziehen 
Demenz: In Haar gibt es jetzt ein Memory-Zentrum
Das neu gegründete Memory-Zentrum am kbo-Klinikum München-Ost in Haar bietet ab sofort Hilfe, Beratung und bei Bedarf eine Behandlung bei Demenz an. 
Demenz: In Haar gibt es jetzt ein Memory-Zentrum
Keine Panik, wenn heute das Handy einen Notfall meldet: Das ist der Grund
Sirenen gibt es im Landkreis München laut Landratsamt nirgends mehr. Doch heute steht ein Großalarm an: Darauf reagieren werden viele Smartphones.
Keine Panik, wenn heute das Handy einen Notfall meldet: Das ist der Grund

Kommentare