Vor Schloss Bellevue: Stefanie Höcherl (45) und Michael Blum (45) mit ihren Kindern Lukas (7) und Anna (9). Foto: privat

COG-Lehrerfamilie zu Gast bei Bundespräsident Gauck

Unterschleißheim - Eine offizielle Einladung aus dem Bundespräsidialamt, samt Wappen und unterschrieben vom Bundespräsidenten höchstpersönlich: Stefanie Höcherl (45) staunte nicht schlecht, als ihr Mann Michael Blum (45) diesen besonderen Brief aus der Post fischte.

Zum Dank für ihr ehrenamtliches Engagement hatte Joachim Gauck Stefanie Höcherl, ihren Ehemann und ihre Kinder Anna (9) und Lukas (7) in den Schlosspark von Bellevue zum Bürgerfest eingeladen. Die beiden Theaterlehrer vom Carl-Orff-Gymnasium (COG) in Unterschleißheim beschäftigen sich seit 2010 mit Entwicklungspolitik und halten engen Kontakt zu ihrer Partnerschule in Südafrika. Der Einsatz der Lehrer ist zeitintensiv und verschlingt nicht selten viele Stunden Freizeit.

Nicht zum ersten Mal wird Höcherl und Blum dafür die Anerkennung von ganz oben zuteil: Tatsächlich waren die Lehrer bereits zwei Mal zu Gast im Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin (wir berichteten); 2010 und 2012 hat die Mittelstufen-Theatergruppe des COG den bundesweiten Schulwettbewerb zur Entwicklungshilfe gewonnen. Wobei den Gewinnern beim ersten Besuch ein Handschlag des Bundespräsidenten verwehrt blieb. Just vor dem offiziellen Treffen war Horst Köhler zurückgetreten.

Bei der Einladung zum Bürgerfest ging es diesmal nur um Höcherl und Blum: 2001 hat der Mathelehrer die Theatergruppe des COG übernommen, 2006 stieß seine Ehefrau dazu. Ihr Konzept: Theater als „ganzheitlicher Zugang zu den Dingen“, wie es Stefanie Höcherl einmal formuliert hat. Was mit Seminaren und kleinen Aufführungen angefangen hat, hat sich mittlerweile zu einem Vorzeige-Projekt der Schule gemausert.

Am Eingang Metalldetektoren und Sicherheitsleute. Innen die prunkvollen, hohen Räume. Höcherl kennt das zwar schon, „aber es beeindruckt micht trotzdem immer wieder“. Wie sie und ihre Familie flanierten 4000 Ehrenamtliche über den weitläufigen Schlosspark. Auch um Netzwerke zu knüpfen. Höhepunkt war natürlich der Auftritt des Bundspräsidenten, der - Überraschung - auch das Ehrenamt mit dem Mauerfall, seinem Lebensthema also, zu verbinden wusste: „Wenn ich in diesen Wochen über engagierte Bürgerinnen und Bürger spreche, dann muss ich unweigerlich an meine prägende Lebenserfahrung denken, an die friedliche Revolution, die sich nun zum 25. Mal jährt“, sagte Gauck in seiner Begrüßungsrede. „Heute sind Mauern anderer Art zu überwinden. Sie sind nicht mit Eisen und Beton verstärkt, sondern meistens aus Vorurteilen oder Ignoranz gezimmert.“

Nach Gaucks Auftritt durften sich die Ehrenamtlichen noch im Schloss umschauen. Musiker wie Tim Bendzko oder Andreas Bouranie („Aus uns“) traten auf, und zum Abschluss gab es am Abend ein buntes Feuerwerk. Besonders spannend aber fand Stefanie Höcherl die Zelte im Schlosspark, in denen sich wohltätige Verbände, Stiftungen und Organisationen vorgestellt haben. „Der Austausch hat mich am meisten interessiert“, sagt sie.

Denn Schloss Bellevue hin oder her: Es ist die Arbeit mit den Schülern, die Höcherl und Blum antreibt. Unter dem Motto „Türen öffnen“ war die Lehrerin im April mit sechs Schülern nach Südafrika zu ihrer Partnerschule gereist. Zum gemeinsamen Theaterspiel, was sonst. Die Flugkosten hat das sogenannte Ensa-Programm zu 70 Prozent übernommen. Die Ensa ist ein Programm der Bundesregierung, das den entwicklungspolitischen Schulaustausch fördert. Stefanie Höcherl plant schon jetzt den Besuch der Südafrikaner in München. „Noch ist der Antrag nicht bewilligt“, sagt sie. „Aber ich bin sicher, dass es klappt.“ std

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