„Oase der Ruhe“: das Büro für den Garten als Arbeitsplatz daheim, konzipiert in Sauerlach.
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„Oase der Ruhe“: das Büro für den Garten als Arbeitsplatz daheim, konzipiert in Sauerlach.

Vier mal drei Meter großes „garden office“

Wegen Corona-Krise: Messebauer baut jetzt Homeoffice-Würfel für den eigenen Garten

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Messebauer leiden besonders unter der Pandemie. Ein Unternehmer aus Sauerlach hat nun eine Idee: Bürowürfel. „Wir sehen die Krise inzwischen als Chance“, sagt er.

Sauerlach – Messebauer leiden besonders unter der Corona-Krise. Seit Ausbruch der Pandemie gibt es für sie keine Aufträge. Der Messebauer Heilmaier aus Sauerlach sieht die Krise aber als Chance. Die Firma will nun mit mutigen Konzepten punkten: mit Tiny Houses und Bürowürfeln für den heimischen Garten.

Die Lichter in der riesigen Lagerhalle sind erloschen, die sonst geschäftige Werkstatt ist jetzt menschenleer, ein Gabelstapler steht einsam in einer Ecke. Auf einer Palette, beladen mit Holzteilen, ist der Name „Heilmaier“ zu lesen. Sie steht hier schon seit mehr als einem Jahr. Niemand braucht die Teile. Die globale Coronavirus-Krise hat hier in Sauerlach voll zugeschlagen.

Das ist der Stoff für den Bau der Tiny Houses: Holz.

„Meine Mitarbeiter sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit“, sagt Thorsten Hörner, 53. Er ist der Geschäftsführer des bis vor einem Jahr florierenden Betriebs mit 24 Beschäftigten. In den vergangenen Monaten hat er sechs Mitarbeiter verloren. Sie haben gekündigt. Wer braucht Messearbeiter in dieser Pandemie noch? Chef Thorsten Hörner nicht. Er musste zwei Mitarbeiter in Probezeit kündigen.

Büro-Würfel und Tiny Houses machen Hoffnung für die 18 Angestellten

Für die verbliebenen 18 Angestellten gibt es nun aber Hoffnung, es herrscht Aufbruchstimmung. Die Hoffnung misst 4,1 mal 3 Meter und heißt „garden office“, eine „Oase der Ruhe“.

Es ist ein ausgelagertes Büro für den Garten – aus Massivholz. Die Bauteile sollen von einem Lieferanten mit CNC-Maschinen vorgefertigt werden. Das Team um Hörner will die Teile in Sauerlach zusammenbauen, und auch den Innenausbau durchführen. Der fertige Bürowürfel, er wiegt 1,8 Tonnen, wird dann mit einem Sattelschlepper und Kran in den Garten des Kunden gehoben. Schlüsselfertig und bereit fürs Arbeiten im Homeoffice.

„Tiny Houses“ heißen hier „teilmobile Einheiten“

Noch steckt das Projekt in der Planung, eine eigene GmbH wurde bereits gegründet. „mdreiLiving“ heißt die Firma. Auch Tiny Houses zum Wohnen, Hörner nennt sie lieber teilmobile Einheiten, will die Firma künftig produzieren. „Die Idee ist uns im Laufe der Krise gekommen“, sagt Hörner. Das Team habe sich getroffen und neue Geschäftsideen überlegt, der Messebau ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und „richtige Alternativen“ gebe es derzeit nicht.

Seit 1946, seit drei Generationen, plant und entwickelt das Unternehmen Konzepte für Messen. 80 Prozent des Geschäfts konzentrierten sich bisher auf den Messebau, die restliche Arbeitszeit widmete die Firma fliegenden Bauten, etwa Pavillons. 300 Projekte realisierte die Firma im Jahr. Sie hatte Aufträge in den USA und China. „Wäre ich kein optimistischer Mensch, hätte ich definitiv Existenzängste“, sagt Hörner.

Die Hilfspakete des Bundeswirtschaftsministeriums würden nicht reichen, zudem kommt die Perspektivlosigkeit. „Die Planlosigkeit der Regierung ist unsere unternehmerische Planlosigkeit.“ In „nächster Zeit“ würde es keine Messen geben, denkt Hörner.

Geschäftsführer strahlt: „Wir sehen die Krise inzwischen als Chance“

Deshalb mussten neue Geschäftsfelder her. „Wir haben uns gefragt, was alle Menschen machen? Und, wie können wir unser Know-how einsetzen?“, erzählt der Unternehmer. Die zündende Idee ließ nicht lange auf sich warten: Tiny Houses. Das Unternehmen entschied sich zudem für sogenannte Promo-Boxen. Das sind große, ausklappbare Boxen für Messen im Freien. „Wir sehen die Krise inzwischen als Chance“, sagt Hörner.

Hörner ist von seiner Idee überzeugt: Ein Büro mit mindestens neun Quadratmeter könne man steuerlich absetzen. Grundsätzlich seien Gebäude im Garten mit weniger als 75 Kubikmeter genehmigungsfrei. Es komme zwar auf den Bebauungsplan der Kommune an, aber „im Normalfall ist der Office Cube kein Problem“, so Hörner.

Das Landratsamt hat jedoch Bedenken. Auch wenn Tiny Houses von der Größe unter der Schwelle der Genehmigungspflicht bleiben, „ist es die Verantwortung des Bauherren, Sorge zu tragen, dass alle rechtlichen Anforderungen eigenverantwortlich eingehalten werden“, teilte eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Nachfrage mit.

Es geht um Anforderungen an Standsicherheit, Brandschutz und das Energiesparrecht. Jedes Vorhaben müsse standortbezogen im Einzelfall beurteilt werden, so die Sprecherin. Bei nachträglichen Beschwerden erlebe „so mancher Bauherr ein böses Erwachen“.

„Wir sehen die Krise inzwischen als Chance“: Weil Messebau in der Coronazeit nicht mehr gefragt ist, setzt Thorsten Hörner auf neue Ideen wie Bürowürfel für den Garten.

Unternehmer Hörner will deshalb mit jedem Kunden über das Bauvorhaben sprechen. Er sieht den Vorteil auch darin, dass die Häuser ganzjährig errichtet werden könnten, eine Baustelle braucht es nicht. Der Bürowürfel kostet 30 000 Euro, die Preise für Wohneinheiten beginnen bei 75 000 Euro. Die Häuser hätten eine Lebensdauer von 50 Jahren, sagt der Firmenchef.

Interessante Lösung für Senioren

Tiny Houses könnten in Gebieten mit großem Siedlungsdruck zusätzlichen Wohnraum schaffen – durch Nachverdichtung von Grundstücken. Hörner denkt an Städte wie Rosenheim, Landshut und Regensburg. Ältere Menschen in eigenen Einfamilienhäusern könnten dort Platz für Jüngere schaffen, sagt Hörner. Betagte Bürger könnten trotzdem weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld leben – in einem Tiny House auf dem eigenen Grundstück. Hörners Vision reicht von extra breiten Eingangstüren zu barrierefreien Duschen.

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Hörner plant gerade an einem ersten Prototyp, Rahmenbedingungen für Lieferanten werden nun festgezurrt. In spätestens drei Monaten soll das erste Gartenbüro fertig sein.

Wenn die Würfel für das Unternehmen dann richtig gefallen sind, gehen die Lichter in der riesigen Lagerhalle in Sauerlach wieder an. Und Kurzarbeiter stehen in der Werkstatt wieder an ihren Arbeitsplätzen.

Wohnraum sucht auch ein Student der TU München. Nach einem Streit mit seinem Vermieter muss er einige tausend Euro nachzahlen. Wegen der Corona-Pandemie hatte er seine Wohnung fristlos gekündigt.

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