Gelernt wird trotzdem

Coronavirus: Eltern berichten, wie es mit der Kinderbetreuung daheim klappt

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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  • Stefan Weinzierl
    Stefan Weinzierl
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Das Coronavirus stellt Schulen und Kitas vor Probleme. Viele Einrichtungen sind geschlossen. Berufstätige Eltern müssen deshalb nun improvisieren. Wir haben zwei Familien besucht.

Landkreis – Alina W. aus Unterhaching stand schon mit dem Schulranzen vor der Haustür, als eine Nachbarin der Siebtklässlerin des Lise-Meitner-Gymnasiums die Nachricht überbrachte: schulfrei wegen eines Coronavirus-Falles. „Wir wurden völlig überrascht“, sagt Mutter Nadine. „Zwar hatte die Schulleitung in der Nacht Infos per E-Mail rausgeschickt und auch die Nachrichtenkette im Elternchat funktionierte, aber ich hatte einfach nicht aufs Handy geschaut.“ Dem ersten Schock darüber, dass die bisher abstrakte Gefahr, am Coronavirus zu erkranken, nun ganz konkret im eigenen Umfeld angekommen ist, folgte ein zweiter Gedanke, wie die 42-Jährige erzählt: „Gut, dass es nicht die Grundschule meines Sohnes getroffen hat. Denn dann hätte ich ein Betreuungsproblem.“

Genau vor dieser Problematik stehen immer mehr Eltern. Denn bei derzeit 20 Coronavirus-Fällen sowie mehreren Verdachtsfällen im Landkreis wird die Liste an Schulen und Kindertagesstätten, die ihre Tore schließen, jeden Tag länger. In Oberhaching sind mittlerweile sogar bis auf die Mittel- und Wirtschaftsschule sämtliche Schulen und Kitas dicht. Damit steht für viele Familien der Alltag auf dem Kopf.

„Für die Eltern ist es sehr schwierig“

„Für die Eltern ist es sehr schwierig, die Kinder von heute auf morgen den ganzen Tag selbst zu betreuen“, sagt Corinna Streubel (49). Sie ist Vorsitzende im Elternbeirat der Grundschule Deisenhofen und hat drei Kinder im Alter von 17, elf und acht Jahren, die auf drei verschiedene Schulen gehen. „Wir sind eigentlich alle überfordert.“ Dennoch gratulieren viele Oberhachinger in den sozialen Medien Bürgermeister Stefan Schelle zu seiner Entschlossenheit. „Die Leute finden es richtig, dass die Betreuungseinrichtungen zwei Wochen zu sind.“

Nadine W. wiederum vermisst eine klare Linie bei den Entscheidungen der Verantwortlichen. Dass das Unterhachinger Gymnasium zwischenzeitlich für einen Tag offen war, um dann doch wieder zu schließen, hat aus ihrer Sicht keinen Sinn gemacht. Genauso wenig, dass die Grundschule vergangene Woche als Präventivmaßnahme ihren Sohn Arvid (9) letztlich als einzigen in der Klasse nach Hause schickte, weil seine Schwester eben Schülerin des betroffenen Gymnasiums ist. „Aber ein Nachbarskind, dessen Schwester auch aufs Lise-Meitner-Gymnasium geht, durfte weiterhin die Realschule in Taufkirchen besuchen“, erzählt die Mutter. „Das alles ist konsequent inkonsequent“, findet sie.

Wie soll Betreuung daheim aussehen?

In den letzten Tagen hat die 42-Jährige, die für ein Unternehmen aus der Energiebranche arbeitet, von zuhause gearbeitet. „Mein Arbeitgeber hat Verständnis dafür“, sagt sie. Zum Glück sei sie keine Krankenschwester oder Verkäuferin, die an den Arbeitsplatz gebunden seien.

Doch wie sollte zuhause die Kinderbetreuung in Corona-Zeiten eigentlich aussehen? „So wie ich es verstehe, sollte man soziale Kontakte vermeiden“, sagt Streubel. Die Kinder abwechselnd mit Nachbarn zu betreuen, ist ihrer Meinung nach eher nicht sinnvoll. „Eigentlich sollte man mit den Kindern zuhause bleiben.“ Auch Nadine W. fand es unpassend, dass ihr Sohn in der Zeit, in der er zuhause bleiben musste, mit anderen Kindern spielt. „Bei meiner Tochter war es etwas anderes: Ihre Freundinnen gehen ja auch alle aufs Gymnasium.“

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Viel Zeit zum Spielen bleibt – zumindest den betroffenen Gymnasiasten – sowieso nicht. „Letzte Woche war noch chillen angesagt“, erzählt Nadine W. „Aber seit Montagabend muss Alina jede Menge lernen.“ Der Grund: Die Lehrer stellen über die Online-Lernplattform „mebis“ mittlerweile Lernstoff und Aufgaben ins Internet. So versucht man auch am Oberhachinger Gymnasium den Unterrichtsausfall etwas zu kompensieren, wie Schulleiter Mathias Müller berichtet. „Besonders für die Q12 ist die Schulschließung ein Problem“, sagt er. Bei den Abiturienten fallen Vorklausuren aus. „Auch hier versuchen wir, digital Übungsaufgaben zu stellen.“

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