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Ja, ich will: Veronika und Fabian Plötz haben in Feldkirchen unter erschwerten Bedingungen geheiratet. Nur die Eltern und Trauzeugen durften dabei sein.

Der schönste Tag im Leben in einer dunklen Zeit

Heiraten trotz Coronakrise: So stellen sich Standesämter und Hochzeitsplaner darauf ein

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Für viele Paare fällt der schönste Tag im Leben in eine dunkle Zeit. Doch auch trotz Coronavirus wird geheiratet. Das stellt Standesämter, Brautpaare und Hochzeitsplaner vor Herausforderungen.

Landkreis – Aus Veronika Bauer wurde am vorigen Freitag Veronika Plötz. Die 27 Jährige hat „ihren“ Fabian (28) in Feldkirchen geheiratet. Der Hochzeitskuss war der einzige Kuss an diesem Tag. Mehr Umarmungen oder Liebkosungen lässt das Coronavirus derzeit nicht zu. Und trotzdem: „Wir sind so froh, dass wir heiraten konnten“, sagt Veronika, lacht und gibt ihrem nun rechtmäßig Angetrauten einen Kuss.

Der schönste Tag des Lebens fällt für etliche in eine dunkle Zeit. Ausgangsbeschränkungen, Abstand halten. Einige Paare haben ihre geplanten Termine bereits abgesagt, aber „irgendwie geht das Leben doch weiter“, sagt Feldkirchens Bürgermeister Werner van der Weck, der noch mit seiner schweren Amtskette um den Hals zu der Hochzeitsgesellschaft tritt.

Bürgermeister achtet auf Abstand im Trausaal

Die verdient jedoch ihren Namen eigentlich nicht. Lediglich Trauzeugen und Eltern des Brautpaars sind da, alle in gebührendem Abstand. Auf diesen hat van der Weck während der Trauung genauestens geachtet. Der Trausaal mache es möglich, dass ein Mindestabstand von drei Metern eingehalten werden konnte, „und alle haben es auch akzeptiert“.

Veronika und Fabian Plötz haben lange gebangt, bis Dienstag vor dem Hochzeitstermin sei nicht sicher gewesen, ob es klappt. Aber da sowieso nur ein paar Leute zum Standesamt geladen waren, Anzug und Brautkleid im Schrank hingen, war die kurzfristige Zusage kein Problem. „Kirchlich wollten wir sowieso erst im Sommer heiraten, das werden wir wohl verschieben müssen“, bedauert Veronika. „Für heute muss ein Essen im allerkleinsten Kreis genügen.“

Hochzeitsgesellschaft? „Bis zu fünf Personen und ein Dolmetscher“

Kleinster Kreis, das ist die Devise, wie viele Bürgermeister damit umgehen, zumal auch Trauzeugen aktuell nicht mehr vorgeschrieben sind. So fanden in Haar drei Trauungen am vergangenen Wochenende nur mit dem Brautpaar statt, „prinzipiell wären bis zu fünf Personen und ein Dolmetscher erlaubt“, teilt das Haarer Standesamt auf Anfrage mit. In Kirchheim wurden die meisten Trauungen verschoben. „Wir haben nur noch ein paar Termine, die mit den Eheleuten in entsprechendem Abstand zum Standesbeamten vollzogen werden“, sagt Bürgermeister Maximilian Böltl. Garching hat sich auf „Not-Trauungen“ beschränkt, die durch Krankheit, Auslandseinsatz oder lebensbedrohende Notwendigkeiten begründet sind.

Mit der Verlegung von Hochzeitsfeierlichkeiten ist auch Sonja Neubert vom „Trauwerk“ in Neubiberg beschäftigt. Sie übernimmt die Komplettplanung für den „schönsten Tag im Leben“, momentan sei der Gedanke an Feiern natürlich unangebracht. „Aktuell versuche ich, die Termine für dieses Jahr in den Sommer und Herbst zu verlegen“, sagt Neubert. „Gastronomen, Caterer, Fotografen, Blumenhändler, alle sind sehr kulant. Das ist für die Brautpaare eine große Erleichterung.“ Auch, dass sie als Hochzeitsplanerin das nun in die Hände nimmt, „denn das zieht einen ganzen Rattenschwanz hinterher“. Am besten sei eine Verlegung gleich ins nächste Jahr, zum Glück planten die Heiratswilligen meistens sowieso für zwölf Monate im Voraus. „Aber Locations besichtigen, das ist natürlich nicht drin.“

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Und so steht auch Fotograf Florian Hiltmair aus Grasbrunn ohne Aufträge da. Bis zu zwölf Hochzeiten oder Taufen hat er pro Jahr, drei seien bereits abgesagt. Den finanziellen Ausfall kann er gerade noch durch ein zweites Standbein kompensieren. „Gar nichts zu tun“ hat Fotografin Petra Fritzi-Hennemann. Sie versucht, sich in die Corona-Nachzeit zu retten, sich über Social Media im Gespräch zu halten, sich bei Firmen anzubieten, „aber da kommt jetzt kein Geld rüber“. Ihre Haupteinnahmequelle ist die Hochzeitsfotografie, die Auftragsbücher sind normalerweise von Mai bis in den Sommer gefüllt, nun ist „alles auf Null“. Veronika und Fabian Plötz hingegen sind auf Wolke sieben.

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