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Neuer Produktionszweig: Dieter Ganter (52), hier mit Sohn Vitus (10), hatte die Idee für die Schutzmasken. Der Mundschutz besteht aus Baumwollstoff und sollte bei mindestens 60 Grad waschbar sein.

Auch Ehrenamtliche nähen fleißig - und suchen Unterstützung!

Coronavirus: Ismaninger Trachten-Manufaktur fertigt jetzt auch Mundschutz

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Schutzkleidung wird im Landkreis dringend benötigt. In einer Ismaninger Trachten-Manufaktur nähen zwei Mitarbeiterinnen daher seit Kurzem Schutzmasken. Auch Ehrenamtliche stellen welche her.

Landkreis – Der Landrat schlägt Alarm. Im gesamten Landkreis fehlt es an Schutzkleidung, trotz mehrfachen Bestellungen. „Die Lage ist dramatisch“, verdeutlichte Christoph Göbel (CSU) bei einem Pressegespräch. Mittlerweile machen sich sogar Ehrenamtliche dran und zaubern aus alten Bettlaken und Gummibändern die notwendigen Schutzmasken. Aber auch einige Betriebe stellen ihre Produktion um, damit sie die vielen helfenden Hände in der derzeitigen Lage unterstützen können. So wie die Manufaktur Lorenz Ganter in Ismaning.

Das monotone Geräusch der Nadel, wenn sie mit einem feinen Faden auf ein Stück Stoff rattert, ist in der Manufaktur Alltag. Normalerweise produzieren die Näherinnen in dem kleinen Betrieb in Ismaning Loden- und Trachtenbekleidung für den Fachhandel. Seit Montag beschäftigen sich zwei der Mitarbeiterinnen jedoch nur noch mit der Herstellung des dringend benötigten Mundschutzes. „Meine Frau hat am Sonntag im Internet gesehen, dass das Klinikum Dritter Orden Näherinnen für Schutzmasken sucht“, sagt Dieter Ganter (52), der das Familienunternehmen seit 22 Jahren führt. Ihm war sofort klar: „Das können wir.“ Am Sonntagnachmittag gestaltete er die ersten zwei Muster, einen Tag später produzierte die Manufaktur schon 50 Exemplare. „Langsam läuft es“, sagt der Geschäftsinhaber. Bis Donnerstag nähten die zwei Mitarbeiterinnen von 6.45 bis 15.30 Uhr gut 300 Masken.

Zwei Mitarbeiterinnen fertigen derzeit die Schutzmasken an. 100 Stück pro Tag schaffen die Näherinnen.

Die restlichen Angestellten kümmern sich der derzeit um das Tagesgeschäft. „In erster Linie sind wir immer noch eine Trachtennäherei“, sagt Ganter, der den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat. Ob er die Produktion in den nächsten Tagen ganz auf die benötigte Sicherheitskleidung umstellt, hinge von der Nachfrage ab. Denn auch die Trachtenbranche leide unter der Coronakrise. Für die selbstgenähten Maske habe er aber schon etliche Kunden wie Konsulatsmitarbeiter oder Pflegepersonal. „Die Herstellung ist kein Hexenwerk“, sagt Ganter. Es benötige einen Baumwollstoff der gut waschbar ist und bei mindestens 60, besser 95 Grad gereinigt werden kann – der Hygiene wegen. Denn: „Die Masken sind wiederverwendbar“, erklärt Ganter. Der Mundschutz aus Baumwollstoff entspreche zwar nicht den industriell gefertigten Masken, sei aber trotzdem ein Schutz.

Die Manufaktur in Ismaning produziert nicht nur Masken in Einheitsgrößen, „wenn wir Erwachsene schützen, sollten wir auch Kinder schützen“, sagt Ganter. In seinem Sortiment sind auch blau und rot karierte Mundschutze im Miniformat. An einem Tag schaffen Ganters zwei Mitarbeiterinnen 100 Masken.

Klawotte: Auch Ehrenamtliche nähen fleißig Schutzmasken

Auch bei der Klawotte Kinder und Kreativ in Ottobrunn fertigen Ehrenamtliche Mundschutze, die fünf ehrenamtlichen Näherinnen schaffen 14 Stück pro Tag. „Es ist eine Sisyphusarbeit“, sagt Spiri Schnabel (53), die Einrichtungsleiterin. Die Masken würden dringend gebraucht werden, „aber wir kommen nicht hinterher.“ Lob vom Profi gibt es dennoch: „Ich finde es beeindruckend, wenn sich Hobbyschneiderinnen finden“, sagt der 52-Jährige.

Die Ottobrunner Helfer wollen mit dem Projekt vor allem das Seniorenheim Hanns-Seidl-Haus unterstützen. „Die haben einen Aufruf gestartet“, sagt Schnabel. „Die Einrichtung braucht händeringen diese Masken.“ Sofort setzten sich die freiwilligen Näherinnen aus Afghanistan, Syrien, Frankreich und Deutschland an die Nähmaschinen und produzierten Mundschutze, statt Taschen oder nachhaltigen Gemüsesäcke. „Wir nähen die Maske aus alten Hemden oder Bettlaken“, sagt Schnabel.

+++ Über alle Entwicklungen im Landkreis München rund um das Coronavirus informieren wir in unserem News-Ticker.

Nach Anfangsschwierigkeiten – „wir sind alle nur Hobbyschneiderinnen“ – liefe die Produktion mittlerweile wie am Fließband. Schnabel und ihr Team setzen auf Arbeitsteilung. „Ein Teil bügelt die Falten schon einmal vor, dann klappt das später mit der Nähmaschine viel leichter“, sagt die Einrichtungsleiterin. Doch schon jetzt, erst ein paar Tage nach Produktionsbeginn, stehen die ehrenamtlichen Schneiderinnen vor einem Problem. Sie brauchen nicht nur weitere Helfer (siehe unten), ihnen ist auch das Gummiband ausgegangen. „Gerade nähen wir Haargummis zusammen und befestigen sie am Stoff“, sagt Schnabel. „Zur Not wird man eben erfinderisch.“

Wer hilft beim Maskennähen?

Die Klawotte Kinder und Kreativ in Ottobrunn freut sich über jede helfende Hand, die bei der Produktion der Mundschutzmasken unterstützen kann. Während der Herstellung wird ein Mindestabstand von zwei bis drei Meter eingehalten. Die Einrichtung befindet sich in der Putzbrunner Straße 52 in Ottobrunn. Kontakt: Tel. 089 / 68 02 05 68 oder per E-Mail an klawotte.kinderundkreativ@awo-kvmucl.de.

Auch der Verein Mammalade für Karla e.V. möchte Mundschutzmasken für das Ottobrunner Hanns-Seidl-Haus nähen. Es fehlt jedoch noch an Stoffen und Gummibändern, deshalb können Materialien oder auch fertige Masken in der Corneliuskirche in Neubiberg, Wendelsteinstraße 1, abgegeben werden.

Hilfsprojekt „Maskeauf“ Landkreis - Mit selbst genähten Masken beteiligt sich die Ehrenamtskoordination „Asyl und Integration“ der Caritas im Landkreis an der Aktion „Maskeauf“. Ehrenamtliche aus Ismaning koordinieren im nördlichen Landkreis das Nähen und die kostenlose Weiterleitung der Behelfsmasken. Freiwillige Näherinnen werden dringend gesucht und können sich bei Tanja Gernet melden. Sie erhalten dann das Schrittmuster und Material kostenlos. Auch Einrichtungen, die Behelfsmasken benötigen, können Tanja Gernet kontaktieren unter tanja.gernet@caritasmuenchen.de


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