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Zum aktuellen Stand informierten Landrat Christoph Göbel (Mitte li.) und Gesundheitsamtschef Dr. Gerhard Schmid (Mitte re.), flankiert von Pressesprecherin Christine Spiegel und Kommunalreferatschef Alfred-Alexander Gaßner

Video von der Pressekonferenz im Landratsamt

Coronavirus: Behörden versuchen, Zahl der Infektionen einzubremsen - Ärzte am Anschlag

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Die Zahl der Coronavirus-Infizierten im Landkreis München  steigt weiter an. Wie das Gesundheitsamt vermeldet, verlief die Infektion aber bei fast allen Betroffenen mild.

Landkreis – Auch vor dem Festsaal des Landratsamts am Maria-Hilf-Platz ist ein Desinfektionsmittelspender aufgebaut, als Landrat Christoph Göbel (CSU) mit seinem Gesundheitsamtschef Dr. Gerhard Schmid dort zur Coronavirus-Pressekonferenz bittet. 17 attestierte Erkrankte gibt es zu diesem Zeitpunkt am Montagnachmittag im Landkreis München Dazu kommen 30 begründete Verdachtsfälle. Und die Behörden haben gemerkt: In der Bevölkerung herrscht Klärungsbedarf.

Der Gesundheitsamtsleiter hat angesichts steigender Fallzahlen und einer „sich zunehmend verschärfenden Situation“, wie er sagt, auch positive Nachrichten: Einer der Infizierten sei mit 39 Grad Fieber ins Krankenhaus gekommen, die anderen Infektionen verliefen laut Kenntnisstand des Amts mild. Und Deutschland ist nicht China, ist nicht der Iran. Obwohl es derzeit kein Mittel gegen das Covid-19-Virus gebe, seien die Möglichkeiten der Symptombekämpfung hierzulande besser: Die durchschnittlich angenommene Sterbequote von drei Prozent, das zeigten die Zahlen, sei hierzulande unrealistisch, so Schmid.

„Unsere Telefone stehen nicht mehr still“

Doch der Gesundheitsamtschef lässt auch durchblicken, dass die 15 bis 20 Mitarbeiter, darunter etwa zehn Ärzte, die sich fast ausschließlich um die Coronavirus-Epidemie kümmern, am Anschlag arbeiten. „Unsere Telefone stehen nicht mehr still“, sagt Schmid. Und das seit rund drei Wochen schon.

Die Behörde müsse daher priorisieren; kümmere sich zu allererst um die Erkrankten, dann um die nächsten Kontaktpersonen. Erst dann kommen andere Sorgen an die Reihe. „Wir tun das Beste, um den Anstieg der Fälle abzubremsen“, sagt Schmid. Die Hoffnung: Dass der Frühling das Coronavirus ausbremst wie jedes Jahr die Grippe.

Landrat: Großveranstaltungen lieber sein lassen

Einer zweiten Arztpraxis, wo sagt Schmid nicht, stehe nach jener in Aying die Schließung bevor, weil es eine Infektion im Team gebe.

Auch Landrat Göbel kommuniziert eine Mischung aus Gelassenheit und Besorgnis. Er verweist auf die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums, Großveranstaltungen lieber bleiben zu lassen. „Es ist immer dann problematisch, wenn viele Menschen auf engem Raum miteinander Kontakt haben“, sagt er. Hände schüttelt bei der Pressekonferenz niemand.

Empfehlungen für Schulen

An die Schulen und Kindergärten im Landkreis hat die Behörde Handlungsempfehlungen herausgegeben, die Einrichtung zu schließen, wenn sie von nachgewiesenen Erkrankten oder direkten Kontaktpersonen besucht wird. Auf Infektionen folgt die Suche nach diesen Kontaktpersonen – „logistisch eine wahnsinnige Herausforderung“, sagt Göbel. 300 dieser „Kategorie 1“-Personen zählt das Amt bisher.

Und dann ist da noch die Kommunalwahl – genau zwei Wochen nach Ende der Faschingsferien, was der Inkubationszeit des Virus entspricht, das so mancher aus dem Skiurlaub mitgebracht haben könnte. Der Urnengang sei aber beim Einhalten der mittlerweile geläufigen Hygieneregeln ungefährlich sagt Göbel. Allerdings hätten manche Wahlhelfer Bedenken, weshalb es sein könne, dass aufgrund dünner Personaldecke Ergebnisse später als üblich ausgezählt sein könnten.

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