In einem Pflegeheim

Coronavirus: Erster Todesfall im Landkreis München  - Lage im Pflegeheim „dramatisch“

  • schließen

In einem Pflegeheim ist ein Bewohner verstorben, der am Coronavirus erkrankt war. Acht Pfleger und neun weitere Bewohner haben sich derweil infiziert. Das Landratsamt reagiert.

Landkreis – Der Schutz älterer und pflegebedürftiger Menschen vor dem Corona-Virus beschäftigt das Landratsamt derzeit besonders. In einem Pflegeheim in Ismaning ist jetzt ein Bewohner verstorben, der am Corona-Virus erkrankt war. Im selben Haus sind aktuell noch neun weitere Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus unter den Heimbewohnern bestätigt.

Coronavirus im Landkreis München: Komplettes Pflegeheim in Quarantäne

Die Station, auf der die infizierten Senioren untergebracht sind, umfasst insgesamt 24 Personen. Es handelt sich dabei um eine beschützende Station, die derzeit in ihrer Gesamtheit unter Quarantäne gestellt ist. Daneben wurden acht Pflegekräfte positiv auf das Virus getestet. Für sie wurde umgehend häusliche Isolation angeordnet. Auch ein weiteres Pflegeheim im Landkreis München ist betroffen.

Coronavirus: Todesfall in Pflegeheim - Lage aktuell als „dramatisch „ eingestuft

Das Landratsamt unterstützt die beiden Heime. Im erstgenannten Pflegeheim werden bereits umfassende Abstriche bei sämtlichen Bewohnern und Mitarbeitern durchgeführt. „Das Vordringen der Infektion in Pflegeeinrichtungen bereitet mir persönlich die größten Sorgen, schließlich haben wir es hier mit der höchsten Risikogruppe, meist hochbetagten und oft vorerkrankten Senioren, zu tun“, sagte Landrat Christoph Göbel. Man müsse eine weitere Ausbreitung in den Heimen mit allen Mitteln verhindern. Das größte Problem derzeit: Es fehlt überall an Schutzausrüstung.

Coronavirus im Landkreis München: „Pflegepersonal braucht jetzt dringend Schutzkleidung“

„Die Lage ist dramatisch“, so Göbel. Zwar hätte der Freistaat schon vor langem große Mengen an Schutzausrüstung bestellt – „doch es kommt nichts an“. Woran das liege, wisse Göbel auch nicht. „Eigentlich müssten wir täglich beliefert werden.“ Doch am Freitag sei nur eine kleinere Lieferung mit etwa 500 Masken und Desinfektionsmitteln im Landratsamt angekommen, am Montag eine weitere. Doch das sei bereits alles verteilt und es fehle viel mehr. „Ich bekomme stündliche Angebote aus der ganzen Welt für Test- und Schutzausrüstung“, erzählte Göbel. Doch entweder seien das unseriöse Angebote oder der Schutzstandard sei viel zu niedrig. „Vor allem das Pflegepersonal braucht jetzt dringend Schutzkleidung“, sagt Göbel.

Über die neuesten Entwicklungen im Landkreis München rund um das Coronavirusinformieren wir in unserem Ticker.

Coronavirus: Ambulante Pflegedienste schlagen Alarm

Nicht nur in den stationären Einrichtungen ist das großes Thema. Auch die ambulanten Pflegedienste schlagen Alarm. „Wir brauchen dringend Masken mit hohem Sicherheitsstandard“, sagt Ute Klenk, Geschäftsführerin des ambulanten Pflegedienstes „Mittelpunkt Mensch“ in Taufkirchen. „Im Moment arbeiten wir schon mit unseren Notbeständen.“ 60 Menschen versorgt der Dienst, mit fünf Touren pro Tag. „Im Moment können wir nur hoffen, dass keiner unserer Kunden oder Mitarbeiter erkrankt“, sagt Klenk. Denn sie habe derzeit überhaupt keine Chance, Schutzausrüstung zu bekommen. Von der Politik fühlt sie sich im Stich gelassen. „Jeder redet derzeit nur von den stationären Einrichtungen, doch bei uns sitzen die Menschen dann allein zuhause und sind auf sich gestellt, wenn wir ausfallen.“

Coronavirus im Pflegeheim: Schnelle Testergebnisse für Risikopatienten

Für solche Fälle möchte Landrat Göbel vorsorgen. Derzeit werde intensiv an Lösungen gearbeitet, für den Fall, wenn Pflegekräfte ausfallen. Es gehe darum, räumliche Kapazitäten zu schaffen, wo pflegebedürftige Menschen in Notfällen versorgt werden können. Und man sei gerade dabei, mit Anbietern von Pflegedienstleistungen Verträge abzuschließen, um Pflegekräfte dafür zu bekommen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Kliniken werde weiter intensiviert. Jede Klinik sei derzeit gefordert, planbare Operationen zu verschieben und Betten für die Versorgung Erkrankter bereit zu stellen. „Auch wenn es nicht überall möglich ist, eine Intensivbetreuung zu ermöglichen“, so Göbel. „Doch auch die ausreichende Versorgung einen Schritt unterhalb der Intensivmedizin ist wichtig“, sagte Göbel und lobte auch die Kooperationsbereitschaft der Kliniken.

Indes steigt die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis weiter. Laut Göbel werden aber auch weiterhin nur Verdachts- und Infektionsfälle getestet. „Es ist wichtig, dass wir Kapazitäten in den Laboren erhalten, um bei Risikopatienten schnelle Testergebnisse zu bekommen.“

LK-München-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Landkreis-München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem gesamten Landkreis - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Rubriklistenbild: © Foto: Jens Büttner/DPA

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flachsröste-Denkmal: Ein gravierender Irrtum bremst das Projekt aus
Mit einem Denkmal will die Stadt Unterschleißheim an Gräueltaten der Nazis in der Flachsröste erinnern. Im Juni sollte es eröffnet werden. Ein unerwartetes Problem …
Flachsröste-Denkmal: Ein gravierender Irrtum bremst das Projekt aus
Ergebnis ungültig: Vize-Wahl in Unterföhring muss wiederholt werden
Die Wahl des Vize-Bürgermeisters in Unterföhring war denkbar knapp. Nun kam erhaus: Sie war auch ungültig. Das steckt dahinter.
Ergebnis ungültig: Vize-Wahl in Unterföhring muss wiederholt werden
Motor aus, Film ab! - Ein Besuch im Autokino Aschheim 
Das Autokino in Aschheim boomt mehr denn je. Obwohl die Gäste sich an Sicherheitsvorkehrungen halten müssen.
Motor aus, Film ab! - Ein Besuch im Autokino Aschheim 
Corona-Ausbruch in Asylunterkunft: Reihentest für Bewohner und Mitarbeiter
Zuletzt ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Unterschleißheim merklich gestiegen. In einer Flüchtlingsunterkunft haben sich mehrere Bewohner infiziert. Die Behörden …
Corona-Ausbruch in Asylunterkunft: Reihentest für Bewohner und Mitarbeiter

Kommentare